Indiens Bauern erringen Erflog gegen neoliberalen Umbau der Welt:Modi streicht Landwirtschaftsgesetz

Aktualisiert: 26. Nov 2021

Nach einem Jahr anhaltenden Protest, Camps, Demonstrationen und 750 toten Demonstranten zahlt sich die Hartnäckigkeit der indischen Bauern aus: Die deutschen Medien verschwiegen weitgehend die großen Proteste gegen die Liberalisierung der indischen Landwirtschaft, die Auslieferung der Bauern an den freien Markt und den Abbau des staatlichen sozialen Mindestschutzes.


Indien: Die große Wut der Landwirte ARTE Reportage


Arte-Reportage: Indien: Die große Wut der Landwirte - ARTE Reportage - Film in voller Länge | ARTE




«Wir haben nicht alle Landwirte von den Vorteilen dieser Gesetze überzeugen können», sagte Modi in einer Ansprache an die Nation. Deshalb hebe man sie auf. Modi bat die Bauern, ihre Proteste beizulegen. Die Bauern in Tikri hörten Modis Worte mit Erleichterung, bleiben aber skeptisch. «Wir sind glücklich. Wir feiern, doch wir werden weiter protestieren, bis die Gesetze offiziell im Parlament zurückgezogen worden sind. Und bis sie uns eine Garantie für einen Mindestpreis von Produkten wie Weizen und Reis geben», sagt die 29-jährige Navkiran Natt Kaur am Telefon. Vorher würden sie und ihre Mitstreiter nicht nach Hause gehen. (Auszüge aus der NZZ)


Druck durch anstehende Wahlen

Für ihren Sieg haben die Bauern einen hohen Preis bezahlt. «Die Regierung ist erst aufgewacht, nachdem 750 unserer Leute gestorben waren», sagte der einflussreiche Bauernführer Rakesh Tikait.

Bei Nachwahlen in verschiedenen Teilstaaten hat die BJP in den letzten Monaten schlecht abgeschnitten. Im Frühling will sie daher ihre Position in Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Teilstaat des Landes, verteidigen. In vier weiteren Teilstaaten stehen Wahlen an, so im Punjab. «Die Ankündigung des Premierministers, die drei Landwirtschaftsgesetze zurückzunehmen, ist nicht auf einen Sinneswandel zurückzuführen», schrieb auf Twitter der Abgeordnete der oppositionellen Kongresspartei Palaniappan Chidambaram: «Der Entscheid kommt aus Angst vor möglichen Wahlverlusten.»


Image der Modi-Regierung

Bereits im Laufe des Jahres zeichnete sich ab, dass die im Spätsommer 2020 begonnenen Bauerndemonstrationen weitreichende Auswirkungen haben würden. Sie einfach auszusitzen, gelang der Regierung nicht. Anfang Jahr kam es immer häufiger zu Zusammenstössen zwischen Bauern und der Polizei. Die Welt schaute hin: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg drückte genauso ihre Solidarität mit den indischen Bauern aus wie die amerikanische Sängerin Rihanna.

In den letzten Monaten wurde es ruhiger, doch die Bauern blieben kompromisslos. Nun haben sie einen Sieg eingefahren. Auf Social Media teilen sie Siegesnachrichten mit einem simplen «Wir haben gewonnen!». Doch die Landwirte wollen auf sicher gehen, dass auf Modis Ankündigung auch Taten folgen: Einen für Ende des Monats angekündigten Protestzug haben sie bisher nicht abgesagt.

Indien: Bauernproteste bringen Landwirtschaftsgesetze zu Fall (nzz.ch)


mehr: Indischen Landwirte verteidigen Rechte der Bauern überall: Unterwerfung unter Konzerne gescheitert

Zwischen 1995 und 2018 haben 400.000 indische Landwirte Selbstmord begangen, 100.000 seit dem Amtsantritt von Modi im Jahr 2014, so Dhawale. Ihr Tod steht in direktem Zusammenhang mit der Agrarkrise in Indien, die durch eine Kombination aus dem Rückzug staatlicher Regulierung und Intervention zugunsten der Bauern und den Auswirkungen der Klimakatastrophe verursacht wurde. Seit Modi 2014 an die Macht kam, hat er eine Agenda zur Auslieferung der indischen Landwirtschaft an die großen Konzerne vorangetrieben. Doch die Landwirte haben sich damals gegen ihn gewehrt und tun es auch heute.

Indischen Landwirte verteidigen Rechte der Bauern überall: Unterwerfung unter Konzerne gescheitert (internationale-friedensfabrik-wanfried.org)

mehr: Seit Monaten protestieren Millionen Bauern gegen Liberalisierung - für deutsche Medien kaum Thema (internationale-friedensfabrik-wanfried.org)






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