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Viele Juden meiner Heimatstadt wurden von Nationalsozialisten ermordet: Aus Verantwortung was tun?

In meiner Heimatstadt Wanfried lebten früher viele Juden; vor allem in der Innenstadt betrieben sie viele Geschäfte. Auch mein Großvater hatte dort ein Polstergeschäft. Alles was er dazu gelernt habe, habe er von den jüdischen Wanfriedern gelernt, hat er mir berichtet. Trotzdem war er einer der ersten Wanfrieder, der in die NSDAP eingetreten ist. In der Zentralen Datenbank der Internationalen Gedenkstätte Yad Vashem können wir erfahren, was aus den jüdischen Bürgern unserer Städte - und auch der aus Wanfried - geworden ist: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer (yadvashem.org) (einfach den Namen der Stadt eingeben). Als Mitglied und Wähler der NSDAP trug mein Großvater Mit-Verantwortung für diesen Massenmord.

Mein Leben lang hat mich das beschäftigt und ich habe versucht, etwas zur Sicherung jüdischen Lebens beizutragen: Wir organisierten in Gelnhausen, der Stadt, in der ich als Journalist gearbeitet habe, ein Treffen von jüdischen deutschen und israelischen Bürgern und arabischen Flüchtlingen und Palästinensern. Wir versuchten ein israelisch-Palästinensische Freundschaftsinitiative zu bilden. Sie organisierte eine Reise nach Israel und Palästina. Zum Wanfrieder Stadtjubiläum suchte ich Kontakte zu ehemaligen Wanfriedern in Israel und suchte sie einzuladen.

Als der Krieg in GAZA eskalierte, organisierten wir von der Internationalen FriedensFabrik Wanfried einige ZOOM-Treffen mit Prof. Moshe Zuckermann aus Tel Aviv, dem Vorsitzenden der deutsch-palästinensischen Gesellschaft, Nazih Musharbash und der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden: (820) Moshe Zuckermann und Nazih Musharbash: Hintergründe der israelisch-palästinensischen Gewaltspirale - YouTube. Der Israeli, Mosche Zuckermann: Den Juden ging es in den arabisch-muslimischen Ländern viel besser als im christlichen Abendland in Europa und Deutschland, wo die Bevölkerung sowohl von den Kirchen als säkulären Antisemiten gegen jüdische Bürger aufgehetzt worden sind.

Bürger wurden auch aus ganz egoistischen Interessen NSDAP-Unterstützer. Christen konnten Kredite von Juden bekommen; nun versprach die NSDAP, ihr müsst die ihnen nicht zurückzahlen. Ein Mann erzählte mir als Journalist: hier im Ort gab es drei Fleischer: Mit der Vertreibung der beiden jüdischen Metzger, konnte der christliche seine Geschäfte ankurbeln. Andere konnten sich Häuser von Juden weit unter dem Wert aneignen und so ihren Lebensstandard erhöhen auf Kosten ihrer jüdischen Mitbürger. Bei meinem Großvater war das kein Motiv: Er verlor einen Großteil seiner jüdischen Kunden, die ihm bis dahin Polstermöbel abgekauft hatten. Er unterstützte die NSDAP aus politischen Gründen, weil er als Unternehmer hoffte, dass eine Machtergreifung der in der Weltwirtschaftskrise erstarkten Linken nur durch die NSDAP verhindert werden könne. Als einer der wenigen im Ort, die damals ein Auto hatte, fuhr er nationalsozialistische Schlägertrupps zu Veranstaltungen der Kommunisten in der Region, damit sie sie niederknüppeln konnten.


Aus der Überzeugen heraus, dass wir selbst eine politische Verantwortung für die Politik haben, habe ich - auch als Kleiner Mann - etwas versucht und hoffe anderen wenigstens einige Anregungen gegeben zu haben.

Ich muss aber gestehen, dass meine Versuche, keine nachhaltigen Ergebnisse erbracht haben, keine nachhaltige deutsch-palästinensisch-israelische Vernetzung, die Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft weiter verringert hat und zu einer friedlichen palästinensisch-israelischen Zusammenarbeit im Interesse beider Gruppen geführt hätte.

Klar wurde mir aber, dass wir Deutschen eine wesentliche Verantwortung für den Konflikt tragen: Juden, die sich als Deutsche oder Europäer ansahen, wurden gezwungen Deutschland oder Europa zu verlassen, um nicht von Deutschen umgebracht zu werden. Aber wohin konnten sie gehen? Die Welt war überall bewohnt. Und auf einer Konferenz zum Umgang vom der wachsenden Zahl von jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich erklärte sich außer der Dominikanischen Republik kein Staat bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. („Die USA und der Holocaust“ Westliche Demokratien wollten keine jüdischen Flüchtlinge aufnehmen (internationale-friedensfabrik-wanfried.org))


In einem weiteren Beitrag, den ich gerade noch schreibe, begründe ich die These der Überschrift. Euch interessieren nicht die Juden; ihr nutzt sie nur, um Eure imperialen Interessen zu verfolgen. der wird als weiterer Friedensimpuls später auf diese Homepage gestellt.

Wolfgang Lieberknecht


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