Zu wenig berücksichtigt: Sklaverei und Kolonialismus wirken bis heute nach - auch als Fluchtursache
Seine wichtigste Empfehlung an Entscheidungsträger in Europa: Lasst Migration zu, und zwar so, dass die Menschen erhobenen Hauptes wieder zurückgehen können in ihre Herkunftsländer! Das hilft beiden Seiten. „Zu gehen bedeutet, sich zu beweisen – zurückzukehren, die Seinen mit dem Wissen zu bereichern, das man in einer anderen Welt erlangt hat“, zitiert er den senegalesischen Journalisten Tidiane Kassé. Unterwegs zu sein, ist für viele Westafrikaner eine Normalität. Das war es schon, bevor in den letzten Jahrzehnten die Migration nach Westeuropa an Bedeutung gewonnen hat, ja bereits bevor die europäischen Mächte ihre kolonialen Strukturen zwischen dem Senegal und Nigeria etabliert haben. Für Nomaden, Wanderprediger, muslimische Handelsreisende, Saisonarbeiter, für Pilger oder auch Hausangestellte im nächstgelegenen Ort war Mobilität seit Jahrhunderten ein Teil der Lebensrealität.

Die Bekämpfung von Fluchtursachen ist in Europa spätestens seit 2015 zu einer Art Mantra avanciert. Viele Politiker:innen versprechen sich davon eine deutliche Reduzierung der Ankunftszahlen afrikanischer Migrant:innen, auch in Verbindung mit einer immer stärkeren Überwachung der EU-Außengrenzen. Der Soziologe und Menschenrechtsaktivist Olaf Bernau widerspricht dieser verbreiteten Perspektive in seinem Buch vehement. Er zeigt, warum Menschen in Westafrika aufbrechen - und was die Dauerkrise dieser Region mit Europa zu tun hat. Dabei kommt auch das koloniale Erbe ausführlich zur Sprache. Das grundlegende Buch zur Debatte um Fluchtursachen und EU-Migrationspolitik. Ein detaillierter Blick auf die wichtigste Herkunftsregion von Migrant:innen aus Afrika. Die Darstellung stützt sich maßgeblich auf afrikanische Stimmen. Vom Sahel bis zum Atlantik - wie eine Region in der Dauerkrise versinkt Sklaverei und Kolonialismus haben Auswirkungen bis heute.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Brennpunkt Westafrika - Leseprobe beim C.H. Beck Verlag
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.07.2022 Rezensent Andreas Eckert empfiehlt dringend Olaf Bernaus Analysen zu den Fluchtursachen, die Menschen vom afrikanischen Kontinent nach Europa treiben. Gegen die ideologische Debatte zum Thema bietet der Autor laut Eckert genaue und differenzierte Ursachenforschung vor allem auch im Hinblick auf eine gescheiterte europäische Politik, so Eckert. Gegen den kurzsichtigen Alarmismus hierzulande zeichnet der Autor das historisch weit ausgreifende Bild einer im Kolonialismus und in fortbestehenden wirtschaftlichen Abhängigkeiten gründenden "zirkulären Mobilität" in Afrika, erläutert der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.05.2022 Rezensent Moritz Behrendt lernt in Olaf Bernaus "Brennpunkt Westafrika" viel über westafrikanische Fluchtursachen. Der Rezensent merkt dem Soziologen an, dass er viel Herz, Erfahrung und Wissen für diese Region übrig hat, wenn er mithilfe von historischen Einordnungen, politischen und ökonomischen Analysen und kulturellen und literarischen Exkursen Fluchtursachen aufzeichnet. Er romantisiert hier jedoch keinesfalls die Folgen und Ursachen der Flucht, besänftigt uns Behrendt, sondern fordert lediglich dazu auf, den Kontext der Bewegungen zu berücksichtigen. Schade findet der Rezensent, dass für ausführlichere Erzählungspassagen der literarische Raum fehlt, doch dies ist dennoch ein differenziertes und Verständnis schaffendes Buch, schließt er.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.05.2022 Rezensent Christian Jakob lässt sich gerne von Olaf Bernau über die in der afrikanischen Region Sahel herrschende "Dauerkrise" informieren, die man in Deutschland zwar grob auf dem Schirm habe, deren Ausläufer aber oft an der Öffentlichkeit vorbei gehen, meint Jakob - so etwa ein Massaker 2019 in Mali, das die Miliz Dan Na Ambassagou an 172 Fulbe-Hirten verübte. "Bemerkenswert erhellend" findet Jakob, wie der Aktivist und Mitgründer des Netzwerks Afrique-Europe-Interact (AEI) solche Ereignisse zu einer "Regionalanalyse" verschränke, die den Einfluss des Dschihad, den Kampf der Kleinbauern gegen europäische Agrarkonzerne sowie die Perspektivlosigkeit berücksichtige, die viele Menschen zur Flucht treibt. Vor allem aber vermittle Bernau mit seiner Analyse, wie stark der europäische Kolonialismus in der Region immer noch spürbar und Ursache der Missstände sei - und dass Europa etwas dagegen unternehmen müsse, um der Krise entgegenzuwirken, wie Jakob den Appell des Autors bekräftigt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2022 Lesenswert findet Rezensentin Judith Raupp dieses Buch des Soziologen Olaf Bernau, der hier erklärt, dass Europa mit seiner Abschottungspolitik die Migration aus Afrika nicht wird aufhalten können. Einiges bleibt in Raupps Kritik etwas unkonkret, dann erfahren wir nur, dass Bernau Klischees widerlegt oder Zusammenhänge vor Augen führt. Aber Raupp lernt, dass eigentlich nur 2,6 Prozent der afrikanischen Bevölkerung im Ausland leben, verglichen mit vier Prozent der Deutschen und elf Prozent der Schweizer oder dass der Druck der Familien auf junge Männer sie zur Emigration nach Europa zwingen. Zwar stört sie sich an dem "besserwisserischen" und etwas doktrinären Ton im Buch, aber sie entnimmt ihm doch viele nützliche Informationen, die eine Debatte weiterbringen könnten.
„Mit genauen und differenzierten Analysen bietet Brennpunkt Westafrika einen exzellenten Einstieg in die ansonsten allzu oft ideologisch aufgeladene Fluchtursachen-Thematik." ZEIT, Andreas Eckert
„Olaf Bernau analysiert, welche europäischen Hilfen sinnvoll sind und welche nicht. Sein Buch schärft und weitet den Blick für die Komplexität der afrikanischen Krise."
ORF Kontext
"Olaf Bernau zeigt am Beispiel Westafrikas, dass Flucht und Migration nicht nur an den Konfliktherden selbst entstehen, sondern auch das Ergebnis einer aus seiner Sicht verfehlten Politik der Europäischen Union sind.“
SWR1 Leute, Nabil Atassi
„Olaf Bernaus Buch ist ein Fundus an Informationen und lädt zur Auseinandersetzung ein.“ Riffreporter, Bettina Rühl
„Ein überzeugendes Buch“
südlink, Gerold Schmidt
„Zusammenhänge werden deutlich, wo selbst bei so genannten Experten oft nur Einzelaspekte genannt werden. Trotz pointierter Positionen finden sich keine Einseitigkeiten. Bernaus Stil ist informativ und sehr gut lesbar, sprachlich einfach, ohne deshalb unklar oder blass zu werden. Die Lektüre kann nur uneingeschränkt empfohlen werden." Werner Rätz, Attac Deutschland
„Bernau erschließt die Thematik für die Lesenden abwechselnd mit einem Blick in die Geschichte dieser Region und einem auf die Alltagsrealitäten der Gegenwart. Der Wechsel zwischen wissenschaftlicher Betrachtung und journalistischer Beschreibung erleichtert den Zugriff auf diese den wenigsten geläufigen Hintergründe.
Junge Welt, Ina Sembdner
„Ein lesenswertes Buch. Es liefert Stoff für Debatten, die das Verhältnis von Afrika und Europa weiterbringen könnten.“
Süddeutsche Zeitung, Judith Raupp
„In seinem Buch beschäftigt sich Olaf Bernau mit der Frage, warum Westafrikaner:innen nach Europa aufbrechen – und was die Dauerkrise dieser Region mit Europa zu tun hat.“
Zeit online, Celia Parbey
„Olaf Bernau hat mit ‚Brennpunkt Westafrika‘ ein Buch vorgelegt, das Mikro-Ansichten, wie jene auf das Massaker von Ogassogu, zu einer bemerkenswert erhellenden Regionalanalyse verschränkt.“ taz, Christian Jakob
„Ein verständlich lesbarer Westafrika-Crashkurs … Räumt mit gängigen Afrika-Mythen auf.“ Kleine Zeitung, Andreas Edler-Retter
„Mit seiner Streitschrift hat Bernau einen lesenswerten Beitrag zur aktuellen Afrika-Diskussion vorgelegt.“
Das Parlament, Aschot Manutscharjan
„Olaf Bernau ist es ein Anliegen, in seinem Buch ein umfassendes Bild der Fluchtursachen aus Westafrika zu zeichnen. Mit historischer Einordnung, politischer und ökonomischer Analyse sowie Ausflügen in Kultur und Literatur gelingt ihm das hervorragend.“
Deutschlandfunk Kultur, Moritz Behrendt
„Olaf Bernau weiß, wovon er schreibt ... Sein engagiertes Buch bringt viele westafrikanische Realitäten anschaulich näher.“
SRF, Holger Heimann
„Olaf Bernau zeigt, warum Menschen in Westafrika aufbrechen – und was die Dauerkrise dieser Region mit Europa zu tun hat.“ Badische Neueste Nachrichten
Einleitung: Afrikanisch-Europäische Beziehungen neu denken
1. Europäische Afrika-Mythen
2. Westafrika: Mehr als ein geographischer Raum
3. Von der zirkulären Mobilität zur Fernmigration
4. Weshalb die EU-Migrationspolitik scheitern muss
5. Kontinuitäten und Diskontinuitäten
6. Ökonomische Zeitreisen
7. Politische Zeitreisen
8. Fluchtursachen: Zwischenbilanz und Ausblick
9. Wie die Unabhängigkeitseuphorie verblasste
10. Ökonomische Blockaden
11. Zwischen Agrarindustrie und Klimakrise
12. Gewalteskalation im Sahel
13. Was Europa Westafrika schuldet
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