Wirtschaft in Sachsen-Anhalt im Sinkflug: Wachstum 2022 Null, 2023 - 2,8%, 2024 - 1,3%, 2025 - 0,2%.Firmenpleiten: 2021 13 pro Monat (p.M.), 2024:19p.M., 2025:24p.M., 2026:28 p.M.. 8,2%sind arbeitslos
Die schlechte Stimmung in den Ost-Ländern hat handfeste Gründe: Die ökonomischen Daten sind seit Jahren miserabel. Warum war das für die bisher im Land und Bund regierenden Parteien kein drängendes Thema? Die Wahlergebnisse werden widerspiegeln, dass Menschen kein Weiter-So wollen. Die bisher regierenden Parteien sind vor allem verantwortlich für die Wahlergebnisse. Wir alle aber sollten uns mehr engagieren und als Gesellschaft Lösungen suchen, um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen.
Ostdeutsche Allgemeine: om Wirtschaftswachstum in Deutschland bleibt wegen der starken Preissteigerung kaum etwas übrig. Das Land dümpelt seit Mitte 2022 beim Bruttoinlandsprodukt etwas oberhalb der Nulllinie herum. Im Osten sieht es noch schlechter aus. Vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Aus dem Dümpeln ist dort ein Sinkflug geworden. Gerade in Sachsen-Anhalt ging es laut Bund-Länder-Statistik steil nach unten.
Befand sich das Land 2022 noch bei einem Nullwachstum, schrumpfte die Wirtschaft 2023 um 2,8 Prozent und 2024 um 1,3 Prozent. 2025 kam die sachsen-anhaltinische Wirtschaft mit -0,2 Prozent dem Ende des Schrumpfungsprozesses etwas näher. Für 2026 war daher die Hoffnung groß, dass es wieder aufwärtsgehen könnte. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Doch Grund zur Hoffnung war berechtigt: Denn die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) wollte Wirtschaftsreformen durchsetzen und nahm auch mächtig viel Schulden auf, um die Konjunktur anzukurbeln.
Unterdessen hatte sich die Arbeitslosigkeit erhöht, besonders in Sachsen-Anhalt, laut Arbeitsagentur von 6,7 Prozent im Mai 2022 auf 8,2 Prozent im August 2026.
Dabei liegen die Gründe für die Rezession speziell im Osten und insbesondere für Sachsen-Anhalt seit Jahren auf dem Tisch.
Die Anamnese: Zu wenig Fachkräfte und Investitionen
Etwa der Fachkräftemangel: Abwanderung in den 1990ern und „Pillenknick“ haben den Osten und insbesondere Sachsen-Anhalt überaltern lassen: Bis 2035 geht die Zahl der Erwerbsfähigen so im Osten um sieben Prozent zurück, rechnete Ifo-Professor Joachim Ragnitz im Frühjahr vor. Zudem können gerade die Ostländer ihre gut ausgebildeten MINT-Studenten nicht im Land behalten. Vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen sähe es dann laut Ragnitz besonders schlimm aus. Denn gut ausgebildete Fachkräfte sind die Grundlage für Wirtschaftswachstum – und ohne Wachstum kommen auch immer mehr schlecht oder gar nicht ausgebildete Menschen auf dem Arbeitsmarkt ins Stolpern.
Dazu die Investitionen: Ein weiteres Problem sieht das Ifo-Institut in den privaten Investitionen, denn auch diese sind im Osten gefährlich niedrig. Im Osten steckt die Wirtschaft über 30 Prozent weniger Kapital in Anlagen oder Technik als westdeutsche Unternehmen.
Die Symptome: Insolvenzen, Entlassungen und Rezession
Besonders bei den Insolvenzen: Corona-Kredite und ein gelockertes Insolvenzrecht hatten die Firmenpleiten während der Pandemie bundesweit sinken lassen. Doch in Sachsen-Anhalt baute sich seit 2021 unvermindert ein Pleite-Tsunami auf. Das geht aus einer aktuellen Statistik des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) für Personen- und Kapitalgesellschaften hervor. Berechnet man den mittleren Monatswert, dann gingen in Sachsen-Anhalt 2021 jeden Monat durchschnittlich 13 Unternehmen pleite, 2022 dann 15, 2023 waren es rund 17, 2024 dann etwa 19 und 2025 rund 24. Zwischen Januar und einschließlich Juli 2026 mussten bereits rund 28 Betriebe pro Monat Insolvenz anmelden. Eine Zunahme von fast 120 Prozent.
Die Symptome: Insolvenzen, Entlassungen und Rezession
Besonders bei den Insolvenzen: Corona-Kredite und ein gelockertes Insolvenzrecht hatten die Firmenpleiten während der Pandemie bundesweit sinken lassen. Doch in Sachsen-Anhalt baute sich seit 2021 unvermindert ein Pleite-Tsunami auf. Das geht aus einer aktuellen Statistik des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) für Personen- und Kapitalgesellschaften hervor. Berechnet man den mittleren Monatswert, dann gingen in Sachsen-Anhalt 2021 jeden Monat durchschnittlich 13 Unternehmen pleite, 2022 dann 15, 2023 waren es rund 17, 2024 dann etwa 19 und 2025 rund 24. Zwischen Januar und einschließlich Juli 2026 mussten bereits rund 28 Betriebe pro Monat Insolvenz anmelden. Eine Zunahme von fast 120 Prozent.
Im deutlich größeren Sachsen stiegen die Bankrotte im gleichen Zeitraum ebenfalls stetig von durchschnittlich 21 auf 53 pro Monat – eine Zunahme von sogar über 150 Prozent.
Die Krise ist nicht erst seit gestern da. Für das Ostdeutsche Wirtschaftsforum in Bad Saarow im Frühjahr konstatierte die Wirtschaftsweise Professorin Veronika Grimm lapidar: „Die Wirtschaft stagniert seit dem Jahr 2018. Der bereits vor der Corona-Pandemie diagnostizierte Strukturwandel verschärft sich zunehmend. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wertschöpfung sinkt, Industriearbeitsplätze werden abgebaut, und die privaten Investitionen gehen zurück.“
Tatsächlich ist die deutsche Wirtschaft laut Grimm schon im neunten Krisenjahr. Der Boom 2021/22 war nur ein Nachholeffekt aus der Corona-Flaute 2020. Warum hat in dieser Zeit kein Wirtschaftsminister, kein Finanzminister, kein Kanzler und kein ostdeutscher Ministerpräsident Alarm geschlagen? All diese Wirtschaftsdaten liegen seit Jahren auf dem Tisch, und die Ökonomen waren wahrlich nicht untätig.




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