Wir wollten Venezuelas Regierung stürzen, weil sie mit China und Russland hätte kooperieren können
US-Ex-Außenminster Mike Pompeo gibt in seinen neuen Memoiren offen zu, dass die USA versucht haben, einen Regimewechsel in Venezuela zu erzwingen, weil dies "gegen die Monroe-Doktrin" (d. h. Lateinamerika gehört uns) verstößt, und sogar "die militärische Option" in Betracht gezogen haben.

Monroe-Doktrin
Die Monroe-Doktrin (englisch Monroe Doctrine) geht auf die Rede zur Lage der Nation vom 2. Dezember 1823 zurück, in der US-Präsident James Monroe vor dem Kongress die Grundzüge einer langfristigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten entwarf. In der Tradition Jeffersons stellte er dabei eine irreversible Unabhängigkeit der Staaten auf dem amerikanischen Doppelkontinent von den europäischen Mächten fest, d. h. von der Alten Welt. Monroe formulierte die Existenz zweier politischer Sphären (two spheres). Er betonte das Prinzip der Nichteinmischung (non-intervention) der Vereinigten Staaten in europäische Konflikte und forderte ein Ende aller Kolonialisierungsbestrebungen in der westlichen Hemisphäre (non-colonization). Außerdem kündigte er ein Eingreifen der USA für den Fall an, dass die europäischen Kolonialmächte diese politischen Grundsätze ignorieren sollten. Die Forderung an die europäischen Mächte, die nunmehr unabhängigen Staaten Lateinamerikas nicht zu rekolonialisieren, wurde verkürzt zur Parole „Amerika den Amerikanern“. Mit seiner Doktrin prägte Monroe die angloamerikanische Variante des Panamerikanismus entscheidend. 1848 unter Präsident Polk und 1870 unter Präsident Grant wurde die Doktrin um das Verbot des Transfers (auch früheren) kolonialen Besitzes an andere Mächte erweitert (non-transfer), das von Secretary of State John Quincy Adams in einer Botschaft an den damaligen russischen Zaren (Alexander I.) bereits 1823 aufgegriffen, von Monroe jedoch nicht in den Bericht an den Kongress übernommen worden war.
4. Phase (1950 bis ca. 1986)
Ergänzt und überdeckt wurde die Monroe-Doktrin im März 1947 mit einer Erklärung des Präsidenten Harry S. Truman, in der dieser als neuen außenpolitischen Grundsatz formulierte, „allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist“, Beistand gewähren zu wollen. Damit lösten sich die USA endgültig von einer auf dem Papier isolationistischen und auf die westliche Hemisphäre beschränkten Politik, die durch das frühere Eintreten in die beiden Weltkriege und die neue weltpolitische Lage aber bereits weitgehend obsolet geworden war. Die so genannte Truman-Doktrin erhob nun den Anspruch, jederzeit und überall aktiv werden zu können, wo die Rechte freier Völker durch direkte Drohungen und militärischen Zwang oder durch verdeckte Aktionen und subversives Agieren verletzt würden. Die Doktrin bildete den Grundsatz der US-amerikanischen Eindämmungspolitik (Containment-Politik) gegenüber der Sowjetunion. Sie wurde im Kalten Krieg wiederholt angewendet.
Die Ankündigung, die Rechte freier Völker zu verteidigen, war nicht etwa am Völkerrecht orientiert. In den fünfziger Jahren stellte der Vorsitzende des Planungsstabes im State Department George F. Kennan fest, dass die lateinamerikanischen Staaten nicht selbst in der Lage seien, einer Bedrohung durch kommunistische Kräfte zu widerstehen. Die USA müssten deshalb selbst und direkt in die Innenpolitik der einzelnen Staaten intervenieren, um antikommunistische Gruppen und Parteien zu unterstützen, „ohne dabei einen übersteigerten Wert auf den Typ des unterstützten Regimes zu legen“. Mit der als Kennan Corollary (1950) bekannt gewordenen Strategie legten die USA den Grundstein für ein Engagement, das in den nächsten vierzig Jahren zu einer langen Reihe direkter oder indirekter Eingriffe in die Entwicklungen der lateinamerikanischen Staaten führen sollte, von denen viele auf die Errichtung und Förderung von Militärdiktaturen ausgerichtet waren, bis hin zur Unterstützung faschistischer Regime.
Trumans neue Doktrin und Kennans Corollary waren die letzten wesentlichen Erweiterungen der Monroe-Doktrin, wie sie seit Anfang der 1950er-Jahre bis zum Ende des Kalten Krieges angewendet wurden. Gaddis Smith, wie auch andere Autoren, sehen im Zerfall der Sowjetunion und dem dadurch erfolgten Wegfall der einzigen ernsthaften Bedrohung der Vereinigten Staaten das Ende der Monroe-Doktrin. Die Gefahren, die der Monroe-Doktrin und ihren Ergänzungen stetig neue Nahrung gegeben hatten, verschwanden zwar nicht über Nacht, lösten sich aber mehr und mehr auf. In der neuen, unipolaren (oder je nach Betrachter auch multipolaren) Weltordnung war das Vorgehen der vergangenen Jahrzehnte mit ihren militärischen und staatsfeindlichen Komponenten nicht mehr statthaft. Am Beispiel Chiles kann dies nachvollzogen werden: Erstmals kritisierten die USA hier 1986 ein nicht-kommunistisches Regime Südamerikas in den Vereinten Nationen. Ähnliches geschah mit Nicaragua und El Salvador, für die sogar eine UNO-Beobachtertruppe eingesetzt wurde, ein Vorgang, der wenige Jahre vorher noch undenkbar und unter dem Verweis einer Einmischung in den Interessenbereich der Vereinigten Staaten von diesen blockiert worden wäre.
Während der Kubakrise im Jahre 1962 berief sich Präsident Kennedy insbesondere auf die Monroe-Doktrin, als er die Sowjetunion zwang, ihre Raketen aus Kuba abzuziehen. Umgekehrt war die Rückeroberung der Falkland-Inseln im Krieg von 1982 durch Großbritannien formal ein Verstoß gegen die Monroe-Doktrin, wurde jedoch durch die damalige Regierung Reagan wohlwollend geduldet.





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