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Wie deutsche Politik und Medien das Töten normalisierenErich Fromms Begriff der Nekrophilie wirft ein verstörendes Licht auf die zunehmende Entwertung menschlichen Lebens.

3. Sept.
2 Min. Lesezeit

Die dünne Decke der humanistischen Zivilisation zeigt tiefe Risse. Wo das kalkulierte Töten offen eingefordert, technokratisch bemäntelt oder medial ästhetisiert wird, bricht sich eine Geisteshaltung Bahn, die das menschliche Leben systematisch entwertet. Um diese moralische Enthemmung zu verstehen, erweist sich die psychologische Analyse von Erich Fromms Vermächtnis als erhellendes Erklärungsmodell. Seine Unterscheidung zwischen Biophilie – der leidenschaftlichen Liebe zum Lebendigen – und Nekrophilie – der pathologischen Fixierung auf das Tote, Starre und Mechanische – dient als dringendes Warnsignal für die Gegenwart.


Historische Parallelen der Entmenschlichung

Fromm greift zur Illustration dieses klinischen Krankheitsbildes der Gesellschaft auf ein historisches Schlüsselereignis zurück: den berühmten Zusammenstoss zwischen dem Philosophen Miguel de Unamuno und dem faschistischen General José Millán-Astray im Jahr 1936 an der Universität von Salamanca. Als der durch schwere Kriegsverletzungen gezeichnete General den berüchtigten Legions-Ruf «¡Viva la Muerte!» («Es lebe der Tod!») und «¡Muera la inteligencia!» («Tod der Intelligenz!») in den Saal brüllte, entgegnete der Rektor Unamuno mit prophetischer Weitsicht, dass hier ein nekrophiler, sinnloser Ruf ertöne. Unamuno brandmarkte den General als einen moralischen «Invaliden», der – weil ihm die geistige Grösse eines Cervantes fehle – die zerstörerische Erleichterung darin suche, die Mitwelt um sich herum ebenfalls zu verstümmeln und zu entwerten. Genau diese Psychologie der massenhaften Zerstörung und die Lust am Tod erleben wir heute in neuer, digitaler und politischer Gewandung. Aktuelle Fallbeispiele führen diese Erosion vor Augen und entlarven die moralische Bankrotterklärung der deutschen Aussenpolitik.


Technokratische Euphemismen in deutschen Redaktionen

Die Bedrohung beginnt in den Redaktionen. Die Debatte um den FAZ-Korrespondenten Michael Martens offenbart eine erschreckende Abstumpfung. Auf einer Pressekonferenz am 9. August 2026 fragte dieser offen, wie Europa der Ukraine konkret helfen könne, «mehr Russen zu töten». Anstatt einer moralischen Distanzierung flüchtete sich die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in technokratische Euphemismen und verwies in einer Stellungnahme darauf, wie man personelle Schwierigkeiten in der russischen Armee erzeugen könne. Hinter dieser bürokratischen Worthülse verbirgt sich die Schönfärberei massenhaften Sterbens. Lebendige Individuen werden in eine rein mechanische, strategische Rechengrösse verwandelt. Dass die Bundesregierung diese Enthemmung unter Verweis auf die Pressefreiheit verteidigte, ist ein moralischer Offenbarungseid, der das verfassungsrechtliche Gleichgewicht gegenüber der Menschenwürde völlig ausblendet.


Diese Verrohung speist sich jedoch nicht nur aus journalistischen Fehltritten, sondern reicht bis in die rhetorischen Spitzen der direkten Kriegsakteure. In einer vielbeachteten Rede zum Unabhängigkeitstag griff der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu einer zutiefst dehumanisierenden Sprache, als er in einer direkten Kampfansage an Wladimir Putin verkündete, dass russische Soldaten auf dem Schlachtfeld von Kiews Armee «zu Dünger» gemacht würden. Diese sprachliche Degradierung menschlicher Körper zu einer blossen landwirtschaftlichen Nutzzugehörigkeit zeigt exemplarisch, wie die Vernichtung des Gegners vollständig normalisiert und sprachlich entkleidet wird.


 
 
 

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