Weltwoche-Chefredakteur in Erfurt: Wir stehen dem Dritten Weltkrieg so nahe wie noch nie seit 1945. Auf einer Konferenz im Herbst 2022 habe ein US-General über eine „Aufteilung“ Russlands gesprochen.
Roger Köppel: „Man muss einfach miteinander reden, dann kannst du die Probleme lösen.“

Auszüge aus der Ostdeutschen Allgemeinen.
Der Konflikt mit Russland
Das ernsteste Thema hebt er sich für den Schluss auf – und wird dabei am deutlichsten. „Nie wieder Krieg auf dem Boden von Deutschland“, fordert er. Frieden in Europa sei „nie gegen, nur mit Russland“ möglich.
Wir stehen dem Dritten Weltkrieg so nahe wie noch nie seit 1945.
Hier trägt Köppel Positionen vor, die weit über den politischen Mainstream hinausgehen und als seine persönliche Deutung zu verstehen sind. Er sieht den Westen in der Verantwortung: Nach dem Ende des Kalten Krieges seien „die Westler arrogant geworden“, hätten sich „immer stärker in die russische Sphäre hineingedrückt, ohne mit den Russen zu reden“.Er verweist auf den US-Strategen Zbigniew Brzeziński und schildert eine Konferenz, bei der ein amerikanischer General im Herbst 2022 über eine „Aufteilung“ Russlands gesprochen habe. Wer glaube, Russland lasse sich militärisch besiegen, unterliege einem „kompletten Realitätsverlust“.
Seine Warnung ist drastisch: Man stehe „dem Dritten Weltkrieg so nahe wie noch nie nach 1945“, die Lage sei gefährlicher als in der Kubakrise 1962. Köppel, der nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn mehrfach in Russland war und mit Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach, betont, er sei kein Russland-Nostalgiker – Vater und Großvater seien überzeugte Antikommunisten gewesen. Zugleich gibt er zu Protokoll, auch in Russland „Gegensteuer“ zu geben und die dortige „Opfermentalität“ nicht zu bestärken. Sein zentraler Appell bleibt: reden statt schweigen. „Man muss einfach miteinander reden, dann kannst du die Probleme lösen.“
Die Fragestunde
Wie sehr Köppel den Nerv seines Publikums trifft, zeigt die anschließende Fragerunde. Ein älterer Mann erzählt von seinem Vater, Jahrgang 1922, der als junger Soldat nach Russland zog, und fragt, warum die Medien heute „gleichgeschaltet“ seien. Köppel spricht von einer „Kriegsberauschtheit“ und einer „Seuche des Moralismus“ – und rät, keiner Regierung blind zu glauben.
Ein Besucher überreicht symbolisch ein Transparent mit der Botschaft: „Deutschland und Russland gehören zu Europa. Wir sind keine Feinde.“ Köppel verspricht, es bei einer Konferenz in Russland in die Kamera zu halten.




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