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"Weiter so" geht nicht, aber die Mehrheit verdrängt die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels

11. Okt. 2022
2 Min. Lesezeit

Was man schon in den 70er Jahren wusste - und den Bürger:innen verschwiegen hat......


vom Redaktionsnetzwerk Deutschland, Auszüge


"Der Klimawandel wird immer deutlicher auch direkt vor unserer Haustür. Dennoch hat man den Eindruck, dass noch zu wenig getan wird, um dem entgegenzuwirken. Woran liegt das?

Die Leute haben nicht verstanden, wie dramatisch der Klimawandel ist. Wir haben sehr lange nicht hingehört auf die Warnungen der Klima- und Planetenforschung, die seit mehr als 50 Jahren das Gleiche sagt: „Wir können so nicht weitermachen.“ Wir machen trotzdem so weiter. Das hat natürlich damit zu tun, dass bei uns die Wählerinnen und Wähler darüber entscheiden, wer sie regiert. Wenn heute jemand sagt, wir müssen verzichten und runter von den Wachstumsraten, wird der nicht gewählt. Die Altparteien können mit dem Thema Ökologie nichts anfangen. FDP, CDU und selbst die SPD sind in keinster Weise auf ökologische Fragen vorbereitet. Die Wahrnehmung, dass wir in einer Transformation und die fetten Jahre vorbei sind, hat sich diese Gesellschaft lange erspart.


Wie meinen Sie das?

2008 bis 2022 haben wir kaum Inflation gehabt. Hätten wir jedes Jahr 2 Prozent Inflation gehabt, wären das über 14 Jahre 28 Prozent. Jetzt holen wir all das nach. Wir haben uns alle daran erfreut, dass nichts teurer geworden ist. Daran sieht man, wie dement eine Gesellschaft sein kann. Man spricht auch immer wieder von Hochwasserdemenz. Es gibt ein Hochwasserereignis und alle halten es für eine Katastrophe, und nach ein paar Wochen ist es vergessen worden. Wir werden noch eine Menge großer Katastrophen erleben müssen, bis europäische oder westliche Gesellschaften wahrnehmen, wie schlimm die Situation ist. Das Schreien unserer Kinder, der Fridays-for-Future-Bewegung, hat eine Menge ausgerichtet, aber noch lange nicht genug für diese Gesellschaft.


Gibt es also auch eine Art Klimawandeldemenz?

Wenn uns der Klimawandel lässt, sind wir gerne dement. Aber aktuell ist der Klimawandel schon sehr heftig. Die Wahrscheinlichkeit für Extremwetterereignisse in Europa wird immer größer. Denken Sie an die Bilder vom italienischen Fluss Po oder aus Frankreich, wo Kernkraftwerke abgeschaltet werden mussten, weil kein Kühlwasser mehr da war. Das sollte uns sehr zu denken geben und so schnell wie möglich dazu führen, dass wenn wir schon Energie verbrauchen, sie möglichst von Wind und Sonne bereitgestellt wird.



Wenn Sie Bundeskanzler wären, was würden Sie als Erstes fürs Klima tun?

Ich würde dem Land eine Woche politischen Lockdown verpassen. Wir lassen Politikern und Politikerinnen keine Zeit zum Überlegen in Notsituationen. Ich wäre hoffnungslos überfordert. Was für mich als wichtige Maßnahme zählt, ist die Gründung von Energiegenossenschaften, sodass die Energiewende in Bürgerhand kommt. Auf der anderen Seite ist es so – und deswegen würde mich auch keiner wählen –, dass die größte Energiequelle das Energiesparen ist. Davon sind wir weit entfernt. Weniger Energie zu verbrauchen wird für unser Land ganz wichtig sein. Wir sind energetisch verfettet."





 
 
 

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