Was die Klimapolitik der Industrieländer anrichtet: Im Norden Kenias wächst in der Dürre der Krieg
In Kenia herrscht eine verheerende Dürre. In einigen Regionen sind mehr als 90 Prozent der Wasserquellen ausgetrocknet – was das lebenswichtige Nass zum Luxusgut werden lässt. Bereits fünf Regenzeiten in Folge sind in Kenia und weiteren Teilen Ostafrikas ausgeblieben. Für Familien in den ländlichen Regionen bedeutet das vor allem eines: die Ernten fallen aus – auf dem trockenen Boden wächst nichts mehr. Auch die Tiere – für viele Familien die Lebensgrundlage – verenden, weil sie weder Wasser noch Nahrung finden.
Der Streit um Wasserlöcher und Weidegebiete zwischen den Stämmen wird immer heftiger. Ausgetragen werden die blutigen Kämpfe von Kindern und Jugendlichen
Wenn Karoli Lalaur von der Tür seiner Hütte auf die Landschaft rund um das Dorf Suyian blickt, dann sieht er vor allem Staub. Eine staubige Ebene, die nur von dürren Grasbüscheln und wenigen Akazienbäumen besiedelt ist. Hier, im Norden Kenias, gab es früher Grasflächen und Flüsse, die die Wasserstellen füllten. Ziege und Kühe grasten – das einzige Vermögen der Dorfbewohner. Nun mischen sich auch Kamelherden darunter, denn die "Wüstenschiffe" sind besser an die Dürre angepasst, die die Gegend hat austrocknen lassen. Die Hirten sind gezwungen, ihre Tiere über immer längere Distanzen zu treiben, und geraten dabei oftmals tief in verfeindetes Stammesgebiet.
In Suyian zählen die rund 200 Bewohner zum Volk der Samburu. Sie sind das letzte Dorf vor dem Stammesgebiet der Turkana. Die beiden Bevölkerungsgruppen sind seit langem verfeindet, liefern sich seit Jahren blutige Kämpfe, die vor allem junge Burschen das Leben kosten, wie Lalaur erzählt. Er ist der Chief in Suyian, der Dorfvorsteher: "Regelmäßig sterben Menschen. Erst letzte Woche wurde jemand beim Sammeln von Aloe vera erschossen." Die Trockenheit würde alles schlimmer machen, ist sich Lalaur sicher. Sie treibt die Gewaltspirale weiter an, aus der die Regierung in Nairobi mit Friedensgesprächen einen Ausweg sucht. Unterstützt werden die Bemühungen auch durch lokale Initiativen und ein Schulprojekt, in das Spendengelder aus Österreich fließen.
Drei Polizisten
Was im Fall eines Angriffs auf das Dorf geschieht? Chief Lalaur greift in die Äste eines Akazienbaums und holt ein Horn hervor. Damit werden die lokalen Samburukämpfer alarmiert, wenn eine Attacke der Turkana droht. Sie würden sich in Gruppen von bis zu 100 Kämpfern nähern und versuchen, das Vieh zu stehlen, erzählt er. Frauen, Kinder und Ältere würden sich dann verstecken, die jungen Männer – Moran genannt – mit ihren Speeren, Stöcken und auch Kalaschnikows losziehen. (...)
Jonathan berichtet von einer besseren Zukunft, die er im Gegensatz zur Generation vor ihm habe: "Ich denke, dass es Menschen besser geht, die lesen und schreiben können." Denn vor der Dürre werden alle gleich: Die Tierherden der Samburu und der Turkana verenden und somit die traditionelle Lebensgrundlage. Frieden und Bildung ebnen einen Weg in die Zukunft. (Bianca Blei aus Samburu, 27.12.2022)
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In Kenia herrscht eine verheerende Dürre. In einigen Regionen sind mehr als 90 Prozent der Wasserquellen ausgetrocknet – was das lebenswichtige Nass zum Luxusgut werden lässt. 27.12.2022
Bereits fünf Regenzeiten in Folge sind in Kenia und weiteren Teilen Ostafrikas ausgeblieben. Für Familien in den ländlichen Regionen bedeutet das vor allem eines: die Ernten fallen aus – auf dem trockenen Boden wächst nichts mehr. Auch die Tiere – für viele Familien die Lebensgrundlage – verenden, weil sie weder Wasser noch Nahrung finden. Von Adanas Vieh leben nur noch ein paar geschwächte Tiere. Auch die 29-Jährige selbst und ihre vier Kinder haben seit zwei Tagen keine Mahlzeit mehr gehabt. Ihre einzige Hoffnung ist, dass ihr Mann das verbliebene Vieh verkaufen kann – auch, wenn er dafür vermutlich keinen hohen Preis mehr erzielt. „Ich weiß nicht, wann er zurückkommt“, sagt Adana. „Ich hoffe, es ist bald. Ich weiß nicht, wie ich meine Kinder ernähren soll, wenn wir kein Geld haben, um Lebensmittel zu kaufen.“





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