Wagenknecht versus Weidel im TV-Duell: Bei ihrem ersten TV-Duell ist Sahra Wagenknecht angriffslustiger als AfD-Chefin Alice Weidel. Sie wirft ihr vor, in der Asylpolitik Ressentiments zu schüren.
Sicht aus Österreich vom Standard:
Dann aber sind sich die beiden Politikerinnen in vielen Feldern gar nicht so uneinig. Als es um die schwache Konjunktur in Deutschland ging, plädierten beide für den erneuten Import von russischem Gas und mehr Investitionen in die Infrastruktur. "Frau Wagenknecht hat da völlig recht", sagt Weidel. Sie findet aber Wagenknechts Forderung nach höherer Neuverschuldung nicht richtig. Lieber solle man bei den Sozialausgaben für ausländische Staatsbürger sparen. "Das können Sie so nicht reinholen", erwidert Wagenknecht. Es bleibt, auch bei diesem inhaltlichen Dissens, alles freundlich.
Als es um den Ukrainekrieg geht, werden die Gemeinsamkeiten der beiden besonders offensichtlich. Sowohl Weidel als auch Wagenknecht wollen Gespräche über Frieden. "Wir brauchen Friedensverhandlungen", sagt Wagenknecht. "Das sind AfD-Positionen", erwidert die AfD-Frontfrau. "Frau Weidel, das finde ich jetzt ein bisschen billig", kontert Wagenknecht.
Die ehemalige Linken-Politikerin ist angriffslustiger als Weidel. Das wird besonders deutlich, als es um die Themen Asyl und Migration geht. Zunächst ist man sich noch einig. Was sie denn unter dem umstrittenen Begriff "Remigration" verstehe, wird Weidel gefragt. "Rechtsdurchsetzung in unserem Land", antwortet diese und erklärt, dass gehen müsse, wer keine Aufenthaltsberechtigung habe oder kriminell sei.
Bis hierher geht Wagenknecht durchaus mit. "Dass man Recht und Gesetz durchsetzt, das ist ja nicht illegitim." Doch sie hat einen massiven Einwand gegen die AfD. Diese spreche, vor allem in Person von Höcke, von "Remigration" von 20 bis 30 Millionen Menschen. "Da wird mir übel", sagt Wagenknecht. "Auf diese Art Ressentiments zu schüren, das darf man nicht machen."
Es sei "unmenschlich", dass die AfD auch gut integrierte Syrer nach Syrien abschieben wolle. Ja, sagt Wagenknecht, es gebe "Parallelgesellschaften", aber "die Mehrheit" sei angekommen in Deutschland. Weidel sieht es anders. "Wir müssen Recht und Gesetz durchführen", sagt sie und betont: "Wir wollen qualifizierte Einwanderung haben."
Doch Wagenknecht will Weidel nicht aus der Verantwortung lassen und kommt immer wieder auf Höcke zurück. Sie zitiert aus dessen Buch, in dem er von "wohltemperierten Grausamkeiten" schreibt und liest ganze Passagen vor, ehe der Moderator eingreift. "Das ist es, was ich Ihnen vorwerfe, dass Sie sich für Höcke einspannen lassen. Ich will nicht, dass so ein Mann Macht bekommt." Sie konfrontiert Weidel auch damit, dass diese Höcke 2017 wegen zu großer Nähe zum Rechtsextremismus noch aus der AfD werfen hatte wollen.
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