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Vorwurf des Antisemitismus: Eine mächtige Waffe gegen jede Kritik an Israels Unterjochungspolitik

13. Mai 2023
7 Min. Lesezeit

"Ohne eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern wird der heutige jüdische Staat nur eine Marginale in der Geschichte der Menschheit sein."

Der israelische Politologe Baruch Kimmerling beschrieb in seinem im Jahre 2003 veröffentlichten Buch „Politicid -Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk“ viele von der israelischen Armee ausgeführte Kriegsverbrechen, die alle ungesühnt geblieben sind, wie Sie den beigefügten Auszügen mit weiteren Texten entnehmen können. Erwähnt wird auch die Ermordung (gezielte Tötung) eines palästinensischen Anführers durch den Abwurf einer 1000 kg schweren Bombe, wobei „neun Kinder und weitere acht Personen abgeschlachtet“ wurden. – Und Israels Krieg gegen das palästinensische Volk geht unvermindert weiter.


ein Beispiel: Judith Bernstein, eine jüdische BDS-Unterstützerin sieht sich von der Stadt Frankfurt als Judenfeindin diffamiert. Sie klagte gegen eine Pressemitteilung, in der sie als „Sympathisantin judenfeindlicher Israelhasser“ bezeichnet wurde – und bekam Recht. mehr unten.

Nur zwei der Informationen aus dem Informationsbrief von G. u. S. Ullmann<ullmann.alfter@gmx.de>zum Israel-Palästina-Konflikt, den Ihr Euch von ihm kostenlos zuschicken lassen könnt. Er ist sehr zu empfehlen.


Auszüge aus dem Buch des Baruch Kimmerling:

Politizid - Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk

veröffentlicht 2002/2003 und aus anderen jüdischen Quellen

Baruch Kimmerling war Professor für politische Soziologie an der Hebräischen

Universität Jerusalem. Er gehörte zu den Unterzeichnern des Friedensappells

israelischer Wissenschaftler. In seinem Buch beschrieb er sehr detailliert den

Lebensweg des Ariel Sharon und dessen Einflußnahme auf die israelische Politik bis zum Jahre 2003. Seiner Meinung nach hat sich Israel unter Sharon zum Faschismus hin orientiert (Seite 10).

In dem Klappentext heißt es: &quot;Unter Ariel Sharon ist Israel zu einer Kraft der Zerstörung geworden. Von Beginn seiner Karriere an galt er als der brutalste aller israelischen Generäle und Politiker. Er soll für zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich sein. Seine Politik zerstört letztlich die humanistischen Werte der eigenen jüdisch-israelischen Gesellschaft und führt diese in den Ruin.&quot; Baruch Kimmerling beschrieb die generelle Haltung gegenüber der arabischen Bevölkerung, die Torpedierung aller Friedensbemühungen und die Kolonisierung der Palästinensergebiete durch die religiös und nationalistisch motivierten Siedler sowie &quot;die Errichtung einer Herrenvolk-Republik&quot;. Er berichtet von den zahlreichen Massakern, für die Sharon verantwortlich war. U.a ließ Sharon im August 1970 im Gazastreifen Tausende von Häusern zerstören und große Teile der Zitrushaine,

praktisch die einzigen Nutzpflanzen der Region, verwüsten. Außerdem &quot;wurde der Befehl ausgegeben, jeden Verdächtigen ohne Befragung oder Gerichtsverhandlung zu erschießen. Daraufhin wurden über tausend Menschen ohne Gerichtsverfahren exekutiert oder erschossen. ... Dies war der erste Versuch Sharons, das &quot;palästinensischen Problem&quot; zu lösen.&quot;

Zu der siebenstündigen Bombardierung Beiruts im August 1982, bei der 300

Menschen getötet wurden, schrieb Baruch: &quot;Man muß sich vor Augen halten, daß es sich hier um eine Stadt handelte, deren wichtigste Zentren bereits zerstört waren, die ohne Strom- und Wasserversorgung war und dessen Einwohner hungerten und unter Krankheiten litten, die sich durch mehrere tausend nicht begrabene, herumliegende Leichen schnell ausbreiteten. Die Bombardierung erinnerte an den Angriff der Alliierten auf Dresden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.&quot; (Seite 89) Es folgten dann noch die

Massaker von Sabra und Shatila, für die Sharon mitverantwortlich war. Baruch

Kimmerling schrieb, daß Sharon &quot;nach jeder allgemein gültigen Norm ein

Kriegsverbrecher ist und der in den letzten 20 Jahren Israels berüchtigster Politiker war.&quot; Aber auch Yitzhak Rabin ließ während seiner Zeit als Verteidigungsminister von 1984 bis 1990 das Militär brutal gegen die Palästinenser vorgehen. &quot;Rabin befahl seinen Soldaten, palästinensische Steinwerfer zu verprügeln, ihnen die Arme und Beine zu brechen und Tausende nach verwaltungsrechtlichen Vorschriften in Lagern festzuhalten.&quot;

Bei den Kämpfen in Dschenin im Jahre 2002 &quot;brachten die Israelis Planierraupen heran und brachen den Widerstand, in dem sie durch die Hauswände hindurch von einem Haus zum nächsten weiterfuhren. - Israel &quot;hat selbst eingeräumt, daß bei den Kämpfen übermäßige Gewalt angewandt wurde, die gegen internationale Normen verstieß. Dazu gehörten der Einsatz von Menschen als Schutzschilde, Geiselnahme und Verweigerung ärztlicher Hilfen für Verwundete und Verletzte - alles Maßnahmen,

die per definitionem Kriegsverbrechen sind.&quot; (Seite 151)

Bei der Konferenz der arabischen Staaten in Beirut im Jahre 2002 wurde

beschlossen, &quot;Israel einen regionalen Frieden anzubieten, wenn es sich im

Gegenzug auf die Grenzen von 1967 zurückziehen, die Gründung des

palästinensischen Staates mit Ostjerusalem zulassen und einer vernünftigen,

annehmbaren Lösung für das Flüchtlingsproblem zustimmen würde. Am Rande

sei noch bemerkt, daß Israel diese beispiellose Resolution überhaupt nicht

beachtet hat - nicht einmal als Grundlage für weitere Verhandlungen.&quot; (Seite 154) &quot;Am 17. Dezember 2000 begann Israel mit den Hinrichtungen ohne vorangehendes Gerichtsverfahren (als gezielte Tötungen bezeichnet) von jenen, denen man die Schuld für Terroranschläge oder bewaffneten Widerstand gab. - Kenner der Verhältnisse vermuten, daß die israelische Regierung die Hinrichtungen ausführen ließ, um zynischerweise eine Reaktion seitens der Palästinenser zu provozieren und jedem Versuch, die Gewalt einzudämmen, zuvorzukommen. ... Bei der Hinrichtung von Salah Shehada wurden zusammen mit ihm neun Kinder und acht weitere Personen abgeschlachtet, als eine 1000 Kilo Bombe auf das Gebäude abgeworfen wurde, in dem er sich befand.&quot; (Seite 157)

Der israelische Militärhistoriker van Creveld befürwortete den Bau einer Mauer

zwischen Israel und den Palästinensern, &quot;so hoch, daß nicht einmal die Vögel darüber hinweg fliegen können.&quot; Dazu Baruch Kimmerling: &quot;Tatsächlich wurde der Zaun um den Gazastreifen herum schon vor langer Zeit fertig gestellt, womit dieses Gebiet zum größten Konzentrationslager wurde, das es je gegeben hat.&quot; (Seite 164) Soldaten, die sich weigern, an der Unterdrückung und Tötung der Palästinenser in den besetzten Gebieten mitzuwirken und die statt dessen einen Zivildienst leisten wollen,

werden zu mehrfachen Gefängnisstrafen verurteilt. Ein solcher Soldat versuchte vor dem Militärgericht folgende Begründung vorzubringen (aber man ließ ihn nicht ausreden): &quot;Nach einem Bericht von Amnesty International wurden allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2002 mehr als 50 Kinder unter zwölf Jahren von der israelischen Armee erschossen. Sie haben nicht einen einzigen Teilnehmer an diesen Verbrechen verurteilt. Aber sie verurteilen mich zum fünften Mal, weil ich mich weigere, dabei mitzumachen.&quot; (Seite 166)

Amnesty International veröffentlichte am 19. Dezember 2002 eine Denkschrift an den israelischen Verteidigungsminister, in der es hieß: &quot;Angehörige der israelischen Streitkräfte , die schwerwiegende Verstöße gegen die Menschenrechte und Kriegsverbrechen begehen - wie die Tötung von Kindern und anderen unbewaffneten Zivilisten, die rücksichtslose Beschießung dicht besiedelter Wohngebiete oder die Sprengung von Häusern samt ihrer Bewohner, die sie dann unter den Trümmern ntwortung gezogen. .... Gleichzeitig werden

Rekruten und Reservisten, die den Wehrdienst verweigern, gerade um nicht an

solchen Taten teilzunehmen, zu monatelangen Haftstrafen verurteilt.&quot;

Baruch Kimmerling beschreibt auch die Methoden, mit denen die Palästinenser

eingeschüchtert und zum Verlassen des Landes gezwungen werden sollen.

&quot;Hungersnot herbeizuführen, ist eine weitere Methode, eine solche Wirkung zu erzielen. So haben die israelischen Streitkräfte Mitte November 2002 in Beit Lahiya, einer Stadt im Norden des Gazastreifens, ein einstöckiges Lagerhaus völlig zerstört, in dem Mehl, Speiseöl und Reis gelagert waren. Die Vorräte, die dem World Food Programm / einer Einrichtung der UNO) gehörten, hätten gereicht, um 38 000 Menschen einen Monat lang zu versorgen.&quot;

Außerdem kritisiert Baruch Kimmerling, daß jede Kritik als &quot;antisemitisch&quot; abgetan würde: &quot;Der Vorwurf des Antisemitismus ist zu einer mächtigen Waffe geworden,

um jeden Widerspruch gegen Israels Politik der Unterjochung zu ersticken.&quot; Abschließend schreibt Baruch Kimmerling: &quot;Dennoch gibt es Hoffnung, denn wir stehen näher denn je vor einem Durchbruch, weil beide Seiten allmählich verstehen, daß sie sich in einer aussichtslosen Situation befinden. ... Ohne eine Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern wird der heutige jüdische Staat nur eine Marginale in der Geschichte der Menschheit sein.&quot;

MARGINAL IM ZENTRUM

Die Lebensgeschichte eines öffentlichen Soziologen

Baruch Kimmerling Aus dem Hebräischen übersetzt von Diana Kimmerling

REZENSIONEN

"Was für eine wunderbare Lektüre Baruch Kimmerlings Memoiren sind! Es führt uns von Kimmerlings Kindheit in Rumänien, einschließlich seiner dramatischen Flucht im Jahr 1944 auf einer Pferdekutsche, die einer Razzia von Juden in seiner Heimatstadt auswich, bis zu seinen letzten Monaten in Jerusalem. Sein Bericht, der von seiner Frau Diana fachmännisch übersetzt wurde, ist keine chronologische Geschichte, sondern eine, in der persönliche Vignetten als Startrampen für Erkundungen der israelischen Gesellschaft und Wissenschaft dienen. · Das europäische Vermächtnis: Auf dem Weg zu neuen Paradigmen

"Einige der Kapitel... die sein Leben als öffentlicher Soziologe in Israel-Palästina beschreiben, könnten von Soziologen in Nordirland, Südafrika und anderen Konfliktgebieten durchaus als eine Lektion gelesen werden, wie man die Soziologie nutzt, um zu versuchen, etwas zu bewirken." · Zeitschrift der British Sociological Association

BESCHREIBUNG

Als selbsternannter Guerillakämpfer für Ideen war Baruch Kimmerling ein ausgesprochener Kritiker, ein produktiver Schriftsteller und ein "öffentlicher" Soziologe. Obwohl er im Zentrum der israelischen Gesellschaft lebte, in der er sowohl als Wissenschaftler als auch als besorgter Bürger tätig war, fühlte er sich aufgrund seiner unkonventionellen Weltanschauung, seines Einfühlungsvermögens für die Unterdrückten und seines außergewöhnlichen Sinns für universelle Gerechtigkeit, die im Widerspruch zu den vorherrschenden Ansichten standen, dennoch marginalisiert. In dieser Autobiografie beschreibt der Autor, der 1939 in Siebenbürgen mit Zerebralparese geboren wurde, wie er und seine Familie den Nazis entkamen und die Umstände, die sie nach Israel brachten, die Entwicklung seines Verständnisses der israelischen und palästinensischen Geschichte, der Erzählungen, die sich jede Gesellschaft selbst erzählt, und der unerbittlichen "Situation" – zusammen mit Vorhersagen über einige der beunruhigendsten Entwicklungen, die gerade stattfinden, sowie Lösungen, die er erhofft waren noch möglich. Kimmerlings tiefe Sorge um das Wohlergehen, den Frieden und den Erfolg Israels zeigt auch, dass er im Gegensatz zu den Behauptungen seiner Kritiker tatsächlich ein hingebungsvoller Zionist war. Er träumte von einem wirklich demokratischen Israel, einem Land, das in der Lage ist, alle seine Bürger ohne Diskriminierung zu umarmen und den Frieden zu seinem wichtigsten Ziel zu machen. Diesem Traum ist diese posthume Übersetzung aus dem Hebräischen gewidmet.

Baruch Kimmerling war Professor für Soziologie an der Hebräischen Universität Jerusalem. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen gehören The Invention and Decline of Israeliness (University of California Press, 2001); Eine Geschichte des palästinensischen Volkes (mit Joel S. Migdal, Harvard University Press, 2003); und Clash of Identities: Explorations in Israeli and Palestinian Societies (Columbia University Press, 2008)


ein aktuelles Bespiel:

Eine jüdische BDS-Unterstützerin sieht sich von der Stadt Frankfurt als Judenfeindin diffamiert. Sie klagte gegen eine Pressemitteilung, in der sie als „Sympathisantin judenfeindlicher Israelhasser“ bezeichnet wurde – und bekam Recht. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker, der früher Bürgermeister und Finanzdezernent der Stadt Frankfurt war, hatte die Jüdin Judith Bernstein als Antisemitin diffamiert. Dagegen hat sie erfolgreich beim Verwaltungsgericht Frankfurt geklagt.

Merkwürdigerweise steht der entscheidende Satz in dem FAZ-Beitrag erst ganz am Schluss. Man merkt dem Autor an, dass er nur widerwillig den Erfolg der Klage zugibt.

 
 
 

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