Vijay Prashad: Der globale Süden lässt sich nicht mehr herumkommandieren. Er wehrt sich!
Schaffen wir in unseren Staaten Mehrheiten für die Überwindung der neokolonialen Beziehungen und den Aufbau von gleichberechtigten, fairen, friedlichen Beziehungen; sonst sind permanente Konflikte mit dem erstarkten globalen Süden vorprogrammiert. Eine Meinung die vor allem auch Willy Brandt vertreten hat und auch deshalb für neue Nord-Süd-Beziehungen geworben hat.
International: Soeben haben wir ein neues Video auf unserem YouTube Kanal veröffentlicht. Wir zeigen dort, nach einer kurzen Einleitung von mir, ein Gespräch des Schweizer Politikwissenschafters Pascal Lottaz mit dem indisch-amerikanischen Historiker Vijay Prashad über das seit einigen Jahren deutlich stärker zum Ausdruck kommende Selbstbewusstsein der Staaten des Globalen Südens (früher irreführenderweise Entwicklungsländer genannt). Diese haben bereits vor längerer Zeit damit begonnen, sich stärker auf ihre eigenen Interessen zu konzentrieren und sich gegen die - bereits aus der Kolonialzeit stammende - Bevormundung und Dominanz der westlichen Staaten zur Wehr zu setzen. Dass diese Politik allmählich positive Ergebnisse zeitigt, beweist schon alleine die Tatsache, dass inzwischen die fünf Staaten der BRICS-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China, S-Afrika) beim Sozialprodukt die G7-Staaten überholt haben. Wenn die in Aussicht genommenen Neubeitritte (Saudi Arabien, Ägypten, Algerien, Iran, Argentinien, Mexiko, Pakistan und weitere) tatsächlich zustande kommen sollten, wird sich dieser Trend noch weiter fortsetzen. Es wäre also höchst an der Zeit, dass sich die bislang politisch und wirtschaftlich (auch militärisch) dominierenden westlichen Staaten ernsthaft mit diesen Entwicklungen auseinandersetzten und zu faireren und gleichberechtigten Beziehungen entschließen könnten. Sollte dazu die Bereitschaft fehlen, sind die Konflikte der kommenden Jahre und Jahrzehnte bereits vorgezeichnet. INTERNATIONAL, welches in der Tradition der antikolonialen Solidaritätsbewegung entstanden ist, räumt daher der Berichterstattung über Entwicklungen im Globalen Süden breiten Raum ein. In diesem Sinne darf ich auf einige unserer Artikel in den jüngsten Ausgaben verweisen.





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