Vatikan begrüßt die "Gesprächsbereitschaft" Putins über die Lösung des Konflikts in der Ukraine
Papst Franziskus sieht "das Risiko einer nuklearen Eskalation bis zu dem Punkt, dass weltweit unkontrollierbare und katastrophale Folgen befürchtet werden". Er rief erneut zu einem "sofortigen Waffenstillstand" auf. Es sollten "alle diplomatischen Mittel" genutzt werden, "auch die, die bisher vielleicht nicht genutzt wurden, um dieser schrecklichen Tragödie ein Ende zu setzen". Der Krieg an sich sei "ein Irrtum und ein Horror".

Nicht nur die russischen Angriffe schaffen großes Leid: Bilder nach dem Beschuss der ukrainischen Armee von Lukansk, vielleicht mit von unserem Staat gelieferten oder finanzierten Waffen
Kleine Lücke für Verhandlungen?
Kardinalstaatssekretär Parolin begrüßt die erklärte grundsätzliche Gesprächsbereitschaft von Präsident Putin. "Wir wissen nicht, was diese Worte bedeuten, welche Grundlage sie haben und welche Entwicklung sie nehmen können".
Aber wenn sich eine kleine Lücke auftue, werde man sie auf jeden Fall nutzen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin laut italienischen Medien (Mittwoch) am Rande einer Veranstaltung. Gesprächbereiter Kreml? Der Kreml hatte zuvor eine grundsätzliche Bereitschaft zu Gesprächen über die Ukraine mit den USA, mit Frankreich und mit Papst Franziskus erklärt. Russland sei "offen für alle Kontakte", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen. Man müsse aber bedenken, dass Kiew Verhandlungen ausgeschlossen habe.
Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am Montag Papst Franziskus bei einem Treffen im Vatikan gebeten, Kreml-Chef Putin, den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. und US-Präsident Joe Biden anzurufen, damit sie den "Friedensprozess" für die Ukraine fördern, wie er dem Magazin "Le Point" sagte. Peskow begrüßte Macrons Vorschlag mit den Worten: "Wenn das alles im Einklang mit den Bemühungen steht, mögliche Lösungen zu finden, dann kann das positiv bewertet werden."
Mit einem eindringlichen Appell hat Papst Franziskus zu einem Ende des Ukrainekriegs aufgerufen. Anstelle der üblichen Auslegung des Evangeliums widmete das Kirchenoberhaupt seine Sonntagsansprache auf dem Petersplatz dem Krieg in der Ukraine. Eine ähnliche Änderung des Ablaufs hatte es zuletzt 2013 gegeben. Damals forderte Franziskus ein Ende der Kämpfe in Syrien.
Damals forderte Franziskus ein Ende der Kämpfe in Syrien.
In seiner Ansprache richtete er sich diesmal direkt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er forderte ihn auf, die "Spirale von Gewalt und Tod" zu stoppen, auch zum Wohl des eigenen Volkes. An Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj appellierte der Papst "in großer Betroffenheit über das unermessliche Leid des ukrainischen Volkes infolge der Aggression, die es erlitten hat": Er möge offen sein "für ernsthafte Friedensvorschläge".
Weiter rief Franziskus Politiker in aller Welt auf, sich für ein Ende des Krieges einzusetzen. "Bitte lassen Sie die jungen Generationen die gesunde Luft des Friedens atmen, nicht die verschmutzte Luft des Krieges, der Wahnsinn ist!" Den Schritt, auf die sonntägliche Katechese zu verzichten, begründete der oberste Repräsentant der katholischen Kirche mit der "schrecklichen und unfassbaren Wunde der Menschheit", die nicht heile, "sondern immer weiter blutet und sich auszubreiten droht".
Er verurteilte erneut die "niemals zu rechtfertigenden" Kriegshandlungen, die zu Tausenden Opfern und Zerstörung führten. "Es ist bedauerlich, dass die Welt die Geografie der Ukraine durch Namen wie Bucha, Irpin, Mariupol, Izium, Saporischschja und andere Orte kennenlernt, die zu Orten unbeschreiblichen Leids und unbeschreiblicher Angst geworden sind", so der Papst.
Die "Tatsache, dass die Menschheit erneut mit einer atomaren Bedrohung konfrontiert ist", bezeichnete Franziskus als "absurd". Er bedauere "zutiefst die ernste Situation, die in den vergangenen Tagen entstanden ist, mit weiteren Aktionen, die den Grundsätzen des Völkerrechts widersprechen". Sie erhöhten "das Risiko einer nuklearen Eskalation bis zu dem Punkt, dass weltweit unkontrollierbare und katastrophale Folgen befürchtet werden".
Erneut rief der Papst zu einem "sofortigen Waffenstillstand" auf. Es sollten "alle diplomatischen Mittel" genutzt werden, "auch die, die bisher vielleicht nicht genutzt wurden, um dieser schrecklichen Tragödie ein Ende zu setzen". Der Krieg an sich sei "ein Irrtum und ein Horror", betonte er. (kna/02.10.2022)





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