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US-Historiker Howard Zinn hat den Vorhang weggezogen und das brutale US-Imperium sichtbar gemacht

4. Juni 2022
3 Min. Lesezeit

Eine Geschichte des amerikanischen Volkes Howard Zinn schreibt nicht aus der Perspektive der Eroberer, sondern der Eroberten, spricht nicht vom Ruhm der Sieger, sondern über die Verluste der Besiegten, erklärt nicht im gehobenen Stil der Herrschenden, sondern in der ungeschmückten Sprache der Beherrschten: der Fabrikarbeiter, Frauen, Sklaven, Schwarzen, Indianer, der Vertreter der Arbeiterklasse und der Einwanderer.


Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2007 Howard Zinn schreibt die Geschichte des amerikanischen Volkes aus einer sehr, sehr linken Perspektive, daran lässt der hier rezensierende Gert Raeithel keinen Zweifel. Doch für den Rezensenten ist dies kein Grund, diesem Urgestein der amerikanischen Historiografie seinen respekt zu verweigern. Zinn schildert die Besiedlung des Kontinents aus Sicht der Ureinwohner, das Plantagensystem aus Sicht der Sklaven und den wirtschaftlichen Aufstieg aus Sicht des Arbeiters, und immer geht es ihm um den "Missbrauch der Macht", stellt Raeithel klar. Ein wenig fremdelt der Rezensent allerdings mit Zinns Glauben an das gute amerikanische Volk, an "den Edelmut und die Aufrichtigkeit des Durchschnittsbürgers", und auch die Ablehnung des Zweiten Weltkriegs als "nutzlos und überflüssig" hält Raeithel für alles andere als überzeugend. Aber am Ende kann er doch das Buch empfehlen als "Amerikas Geschichte in kompakter Form und aus einer bestimmten Perspektive", das er zudem als "sorgfältig übersetz" und "solide lektoriert" lobt.


Mit seinem hier nach langer Zeit neu aufgelegten Standardwerk hat Howard Zinn die Geschichtsschreibung revolutioniert: Erstmals standen nicht die großen politischen Figuren im Vordergrund, sondern die Erfahrungen und Perspektiven der sogenannten »einfachen Bevölkerung«. Erzählt wurden nicht mehr die Erfolge der Eroberer, sondern die Verluste und die Gegenwehr der Besiegten und Unterjochten. Nicht im gehobenen Stil der Herrschenden, sondern in der ungeschmückten Sprache der Beherrschten wird hier Geschichte greifbar gemacht: Fabrikarbeiter:innen, Sklav:innen, Schwarze, Native Americans, Menschen aus der Arbeiterklasse und Eingewanderte erhalten das Wort. Seit der ersten Auflage vor knapp vierzig Jahren ist Zinns unkonventionelle Darstellung der amerikanischen Geschichte von Kolumbus bis zur Ära Clinton weltweit über zwei Millionen Mal verkauft worden und entwickelte sich vom Geheimtipp unter Studenten zu einem Standardwerk an amerikanischen Schulen und Universitäten. In der einen Hälfte der USA steht das Buch heute auf dem Lehrplan, in der anderen Hälfte ist es aus den Bibliotheken verbannt.

Pressestimmen

»Professor Zinn schreibt mit einem Enthusiasmus, der in der bleiernen Prosa der akademischen Geschichte selten anzutreffen ist, und sein Text ist gespickt mit aufschlussreichen Zitaten von Arbeiterführern, Kriegsverweigerern und flüchtigen Sklaven … Eine unbedingte Pflichtlektüre.« Eric Foner, New York Times

»Das Werk Howard Zinns hat buchstäblich das Gewissen einer ganzen Generation verändert. Und die aus dieser großartigen Arbeit hervorgegangene Serie einer ›Geschichte von unten‹ hat ein neues Verständnis dafür geliefert, wer wir sind und wofür wir kämpfen sollten.« Noam Chomsky

»Eine brillante und bewegende Geschichte des amerikanischen Volkes.« Library Journal

Urheber:innen

Howard Zinn, geboren am 24. August 1922 in Brooklyn, war Hochschullehrer, Historiker und sein Leben lang politischer Aktivist. Nach seiner Promotion an der Columbia University lehrte er viele Jahre lang am Spelman College, einer Hochschule für Schwarze Frauen, und beteiligte sich am Civil Rights Movement. Zu dieser Zeit begann seine Überwachung durch das FBI, das ihn zunächst verdächtigte, Mitglied der Kommunistischen Partei zu sein. Er unterrichtete an der Boston University. Für seine wissenschaftliche Arbeit, seine wichtigen Beiträge zur intellektuellen Bildung der amerikanischen Öffentlichkeit sowie für seinen Aktivismus wurde er vielfach ausgezeichnet.

Sonja Bonin studierte Philosophie und Germanistik sowie Buch- und Medienpraxis in Mannheim, Frankfurt a. M. und Rutgers, New Jersey. Sie lebt in Zürich, wo sie als freie Journalistin, Übersetzerin und Lektorin tätig ist.

Norbert Finzsch, geboren 1951, war stellvertretender Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Washington und lehrte drei Jahrzehnte lang Nordamerikanische Geschichte an der Universität Hamburg und der Universität Köln. Er war Gastprofessor in Bordeaux, in Canberra, in Berkeley sowie am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin und der Sigmund Freud Privatuniversität Wien in Berlin. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem renommierten Meyer-Struckmann-Preis der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Videos und Bildmaterial










 
 
 

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