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Trotz scharfer Kritik von Fischern, Umweltschützern, Nachbarländern: Radioaktives Wasser ins Meer

22. Aug. 2023
2 Min. Lesezeit

Japan leitet Fukushima-Kühlwasser ins Meer. Die Entsorgungs-Vorschläge der Nachbarstaaten China und Russland ignoriert die japanische Regierung



Das aufbereitete Wasser soll über einen eigens eingerichteten Tunnel in den Pazifik geleitet werden. Umweltschützer und Fischereiverbände äußern Kritik

Daher sollen die mehr als 1,3 Millionen Tonnen Wasser über einen eigens hierzu in den Pazifik gebauten, einen Kilometer langen Tunnel ins Meer geleitet werden. Dies wird voraussichtlich etwa 30 Jahre in Anspruch nehmen. Vor der Verklappung im Pazifik wird das belastete Kühlwasser jedoch zunächst aufbereitet. Das Filtersystem kann allerdings das radioaktive Isotop Tritium nicht herausfiltern. Tepco will das Wasser daher so weit verdünnen, dass die Tritiumkonzentration auf 1.500 Becquerel pro Liter sinkt, was weniger als einem Vierzigstel der nationalen Sicherheitsnorm entspreche.

"Wir sind zutiefst enttäuscht und empört über die Ankündigung der japanischen Regierung, radioaktiv belastetes Wasser in den Ozean zu leiten", sagte Hisayo Takada von der Umweltschutzgruppe Greenpeace Japan. Die Regierung habe sich über die Bedenken von Fischern, Bürgern und der internationalen Gemeinschaft, insbesondere in der Pazifikregion und den Nachbarländern, hinweggesetzt. "Anstatt die Mängel des aktuellen Stilllegungsplans, die andauernde Atomkrise und den massiven Bedarf an öffentlichen Mitteln anzuerkennen, beabsichtigt die japanische Regierung, weitere Atomreaktoren wieder in Betrieb zu nehmen", erklärte Greenpeace.


Grüne fordern Einfuhrbeschränkungen für Fisch aus Japan

Auch Global 2000 verurteilte "aufs Schärfste die politisch motivierte Fehlentscheidung der japanischen Regierung, das radioaktiv belastete Fukushima-Kühlwasser über Jahrzehnte in den Pazifik abzupumpen". Alternative Ansätze wie die Lagerung in Großtanks oder Verfestigung seien nicht geprüft worden, genauso wenig wie die langfristigen Folgen der radioaktiven Verseuchung, kritisierte Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher der Umweltorganisation, und forderte die österreichische Bundesregierung auf, "auf diplomatischem Weg scharfen Protest gegen das Vorgehen Japans einzulegen, das einen gefährlichen Präzedenzfall für den Umgang mit radioaktiven Stoffen setzt".


Einen "Skandal" ortete der Grüne Anti-Atom-Sprecher Martin Litschauer, weil die "japanische Regierung, die Entscheidung über die Einleitung von mehr als einer Million Tonnen Kühlwasser in den Pazifik der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)" überlasse. "Die IAEA ist keine unabhängige Organisation, sondern setzt sich für die Nutzung von Atomenergie ein und ist daher kein adäquates wissenschaftliches Gremium, um diese weltweit relevante Entscheidung zu treffen", kritisierte Litschauer. Er forderte, dass die EU die Einfuhrbeschränkungen von Fisch aus Japan wiedereinführen müsse.

China und Russland, die sich ebenfalls gegen die Verklappung im Meer aussprechen, drängten nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo Tokio kürzlich gemeinsam dazu, stattdessen eine Entsorgung durch Verdampfung in Erwägung zu ziehen. Eine Verdampfung des Wassers und seine Freisetzung in die Atmosphäre hätten geringere Auswirkungen auf die Nachbarländer als die Einleitung ins Meer, zitierte Kyodo aus einem Tokio vorgelegten Dokument. (APA, 22.8.2023)



 
 
 

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