Spaniens Ministerpräsident: Das Wohlstandsgefälle ist die strukturelle Ursache der Migration. Menschen suchen nach einem besseren Leben & Chancen, die sie im lange kolonialisierten Afrika nicht haben.

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Pedro Sánchez hat für die Migration nach Ceuta ein neues Wort gefunden. Am Mittwoch sagte der spanische Ministerpräsident im spanischen Fernsehen, die beiden Autonomen Städte Ceuta und Melilla müssten sich auf eine neue strukturelle Realität einstellen, sagte Sánchez. Von einer Invasion wollte er nicht sprechen. Er verwies auf das Wohlstandsgefälle zwischen Spanien und Marokko als strukturelle Ursache der Migration. Die Menschen, die im Juli die Grenze überquert hätten, seien keine Invasoren, sondern Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben und nach Chancen, die ihnen Marokko nicht biete. Spanien sei als europäische Außengrenze in Afrika mit einer migratorischen Realität konfrontiert, mit der man arbeiten müsse, so der Ministerpräsident.
Bei der spanischen Rechten stößt die Wortwahl des Regierungschefs auf Empörung. Vox-Chef Santiago Abascal erklärte nach Angaben von El Periódico de Ceuta, die einzige strukturelle Realität, die Sánchez akzeptieren solle, sei, dass Spanien und die Spanier existierten und Ceuta zu Spanien gehöre.
Das politische Erdbeben hat sogar den Sport erreicht. Beim Ligaspiel Real Betis gegen Real Madrid wurden auf dem Platz Ceuta- und Spanien-Flaggen entrollt und die spanische Nationalhymne gespielt, was bei Ligaspielen unüblich ist. Dazu kamen Sprechchöre gegen Sánchez. Im Madrider Bernabéu-Stadion beim Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand am Dienstag setzte sich das fort. Auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar zeigten Fans des marokkanischen Clubs Maghreb Fez laut The Athletic bei einem Spiel der afrikanischen Champions League ein Banner, das Ceuta und Melilla als marokkanisches Staatsgebiet auswies.
Koalitionspartner Sumar will die Spannungen nun auch auf die WM 2030 ausweiten, die Spanien mit Portugal und Marokko ausrichten soll. Die Fraktion fordert im Kongress eine Überprüfung der gemeinsamen Ausrichtung bei Fifa und Portugal, bis hin zur möglichen Aberkennung des Gastgeberstatus für Marokko.




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