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So wirkt die Klimakrise und das sind Ursachen

30. Okt. 2022
4 Min. Lesezeit

Raketenstarts belasten die Atmosphäre, Wer arm ist, leidet verstärkt unter dem Klimawandel, mehr Ernährungsunsicherheit, So verändert der Klimawandel die Alpen, Klimawandel stoppen ist nicht nur bezahlbar, sondern auch viel günstiger als jedes Abwarten, Klimawandel-Leugner: Verzögern ist das neue Leugnen


Agnes Vokshi, Sprecherin von Fridays for Future, wies auf die Dringlichkeit des Themas hin. Es gebe nur noch ein kleines Zeitfenster, um wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel umzusetzen. Winfried Kropp vom Mieterbund Bodensee sprach über die Situation von armen Menschen. Diese wohnten in den allermeisten Fällen in Wohnungen mit schlechter Dämmung und müssten aus diesem Grund hohe Heiz- und Energiekosten bezahlen. Dieses Geld fehle wieder an anderer Stelle.


Wir sind abhängig von Kohle, Gas und Erdöl und das schadet unserer Gesundheit massiv. 99 Fachleute haben analysiert, wie die Erderhitzung schon heute unser Leben bedroht. Der "Lancet Countdown" läuft.

Unsere andauernde Abhängigkeit von Kohle, Gas und Erdöl beschleunigt nicht nur die Klimakrise: Sie verschärft auch die gesundheitlichen Folgen, die mit Erderwärmung, Luftverschmutzung und Extremwetterereignissen einhergehen. So lautet die eindringliche Warnung des "Lancet Countdown 2022". Dessen Autoren betonen aber auch, dass es noch nicht zu spät sei, einen weiteren Anstieg der durch den Klimawandel bedingten Todesfälle und Krankheiten zu verhindern. "Die Klimakrise bringt uns um": Angesichts des siebten Jahresberichts des "Lancet Countdown on Health and Climate Change" findet UN-Generalsekretär António Guterres klare Worte. Die Krise untergrabe nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt: "Durch giftige Luftverschmutzung, immer weniger Ernährungssicherheit, höhere Risiken für den Ausbruch von Infektionskrankheiten, extreme Hitze, Dürre, Überschwemmungen und vieles mehr." Tatsächlich zeichnet der seit 2015 erscheinende Bericht ein düsteres Bild der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, die durch die anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter verschärft würden.

Eine unmittelbare Gefahr sieht der aktuelle Bericht, der von 99 Fachleuten aus 51 Institutionen und UN-Organisationen erstellt wurde, bei der globalen Ernährungssicherheit: Einer Analyse von 103 Ländern zufolge, nehmen Tage mit extremer Hitze aufgrund des Klimawandels an Häufigkeit und Intensität zu. Als Folge daraus habe dort die Zahl der Menschen, die von einer mäßigen bis schweren Ernährungsunsicherheit betroffen sind, 2020 um 98 Millionen Menschen höher gelegen als im Schnitt der Jahre von 1981 bis 2010.

„Lebensmittelversorgungsketten sind äußerst schockanfällig“ Elizabeth Robinson, Umweltökonomin, London School of Economics

Im Zeitraum 2012 bis 2021 sei die jährlich von extremer Dürre betroffene weltweite Landfläche zudem durchschnittlich um 29 Prozent größer gewesen als von 1951 bis 1960. Vor allem für vulnerable Bevölkerungsgruppen würden nahrhafte Lebensmittel künftig nur noch eingeschränkt verfügbar und zugänglich sein, prognostiziert Umweltökonomin Elizabeth Robinson von der London School of Economics in einer Mitteilung: "Dies ist besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass sich die globalen Lebensmittelversorgungsketten in diesem Jahr erneut als äußerst schockanfällig erwiesen haben, was sich in rapide steigenden Lebensmittelpreisen und einer entsprechenden Zunahme der Ernährungsunsicherheit niederschlägt."


Raketen für Weltraumflüge haben einen größeren Einfluss auf das Klima als wohl vielfach angenommen: Sie produzieren schädliche Stickoxide, tragen zum Abbau der Ozonschicht bei und beschleunigen die Erderwärmung. Noch ist der Umfang solcher Raumflüge gering, aber Wissenschaftler erwarten eine enorme Steigerung durch den aufkommenden Weltraumtourismus, den Firmen wie Space-X, Blue Origin und Virgin Galactic planen.


So verändert der Klimawandel die Alpen

Christine Langer im Science Talk mit dem Geomorphologen Professor Jan Blöthe Der Permafrostboden ist ein dauerhaft gefrorener Untergrund, der in den Alpen ab 2500 Metern vorkommt und eine wichtige Funktion hat: Er wirkt wie ein Kitt und stabilisiert die Gesteinsschichten. Durch die zunehmende Erderwärmung wird die sogenannte "Auftauschicht" zwischen Permafrostboden und Gestein immer größer, es kann vermehrt zu gefährlichen Steinschlägen und Felsstürzen kommen.


Klimawandel stoppen sei aber nicht nur bezahlbar, sondern auch viel günstiger als jedes Abwarten.

"Fakt ist: Wir können den Klimawandel stoppen, denn wir verfügen über die notwendigen Voraussetzungen", so Knutti. Aber stritten etwa Parteien Fakten ab, werde es sehr schwierig. "Im Moment stehen wir uns selber im Weg." Es gebe zu viele Partikularinteressen, politische Grabenkämpfe und kurzfristiges Denken. "Und das alles hat sich in den letzten Jahren akzentuiert." Die Wende sei aber nicht nur bezahlbar, sondern auch viel günstiger als jedes Abwarten.

Die Schweiz werde die Auswirkungen des Klimawandels im Ausland finanziell viel stärker spüren als jene im Inland, da sie vom Export, Rohstoffhandel und globalen Finanzmarkt lebe. Für Änderungen brauche es aber einen systemischen Ansatz. "Individuelle Verantwortung ist schön und gut, funktioniert allein aber einfach nicht", so Knutti.

Verbrennungsmotoren weg, Fliegen verteuern

Laut dem Klimaphysiker müssten Verbrennungsmotoren abgeschafft und der öffentliche Verkehr ausgebaut, das Fliegen verteuern und nur noch mit synthetischen Treibstoffen erlaubt sowie rasch alle Öl- und Gasheizungen ersetzt werden. "Diese drei Massnahmen würden uns bereits auf einen Pfad bringen, der funktioniert."


Warum Klimawandel-Leugner mittlerweile auf neue Strategien setzen: Verzögern ist das neue Leugnen

30 bis 40 Prozent der Bevölkerung sind laut Studien überzeugt, dass der Klimawandel nicht nur menschengemacht ist. Das hat psychologische Gründe, aber nicht nur, so der Klimapolitikforscher Sebastian Levi.

Die Daten aus dem jüngsten Bericht des Weltklimarats sind eindeutig: Wenn die globale Erwärmung auf weniger als 1,5 Grad begrenzt werden soll, kann Deutschland sich nicht einmal mehr fünf Jahre mit Emissionen wie 2021 leisten.


 
 
 

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