Seit internationalen Truppen in Mali sind, ist die Lage nicht besser, sondern schlechter geworden

Die Mission ist die verlustreichste der Uno seit dem Koreakrieg; fast 250 Uno-Angehörige kamen bis anhin in Mali ums Leben. Erst nach dem jüngsten Anschlag mit zwölf verletzten deutschen Soldaten kommt die Militärintervention der Bundesregierung in Mali und den angrenzenden Staaten nun ins öffentliche Bewusstsein. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer räumt ein, dass sich die Lage nicht verbessert habe, seit die Bundeswehr im Land sei. Doch an der Mission will sie festhalten.

NZZ: Deutsche Soldaten und Polizisten sind bereits seit 2013 in dem westafrikanischen Land stationiert: derzeit rund 900 als Teil der Uno-Mission «Minusma», deren Ziel die Überwachung eines Friedensvertrages zwischen der Regierung in Bamako und Tuareg-Stämmen ist, und etwa 600 weitere im Rahmen der EU-Mission EUTM, die einheimische Soldaten für den Kampf gegen aufständische Islamisten ausbildet.

Die Bundeswehr hat bis jetzt zwei Todesopfer zu beklagen, die aufgrund eines technischen Fehlers starben. Auch deswegen dürfte die Mission im Gegensatz zu dem deutlich verlustreicheren Afghanistan-Einsatz so wenig im Bewusstsein der Deutschen angekommen sein.

Die Sinnfrage, die im Fall des Afghanistan-Engagements immer wieder gestellt wurde, steht allerdings auch hinsichtlich des Mali-Einsatzes im Raum: Seitdem die internationalen Truppen im Land sind, hat sich die Lage dort nicht etwa verbessert, sondern verschlechtert. Das räumt auch die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ein: Die staatlichen Strukturen würden schwächer, und die Jihadisten agierten zunehmend aggressiv, sagte sie am Montag.


Erst vor wenigen Wochen, Mitte Mai, hat der Bundestag das Mandat verlängert, das es den deutschen Truppen erlaubt, sich an Minusma und EUTM zu beteiligen. Wenige Wochen später, Anfang Juni, gab es in Mali den zweiten Militärputsch innert neun Monaten. Der erneute Umsturz zeigt, wie schwer es für die internationale Gemeinschaft ist, das Richtige zu tun: Offiziere, die an den Staatsstreichen teilnahmen, waren von den Europäern ausgebildet worden. Nun steht zu befürchten, dass einige der malischen Militärs mit den Islamisten gemeinsame Sache machen könnten. So könnte eine Situation entstehen, in der man denjenigen geholfen hat, die man eigentlich bekämpfen wollte. Die Ausbildungsmission werde dadurch zur Farce, sagte Norbert Röttgen, der Chef des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag.

Nach dem letzten Putsch erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron, die Operation «Barkhane» zu beenden. Anstelle der Kampftruppen will Paris nun Spezialisten für die Terrorbekämpfung entsenden. Seit 2012 sind rund 50 französische Soldaten in Mali gefallen. Fallen die Franzosen als Sicherheitsfaktor weg, dürfte der Einsatz für die verbleibenden Missionen der Uno und der EU noch gefährlicher werden.

Am Montag monierte Bernhard Drescher, der Chef des Verbandes der deutschen Einsatzveteranen, für die Evakuierung der Verletzten sei nicht genügend Fluggerät vorhanden gewesen, so dass auch ein ziviler Helikopter habe eingesetzt werden müssen. Dieser musste offenbar aus Sicherheitsgründen 50 Kilometer vom Anschlagsort entfernt landen, so dass einige Verletzte zunächst von dort über Land transportiert werden mussten. In einer Gegend, die so gefährlich sei, sei dies nicht zu verantworten, sagte Drescher. Kramp-Karrenbauer wies die Vorwürfe, die Bundeswehr tue nicht genug für die Sicherheit ihrer Soldaten, zurück.

Auszüge aus: https://www.nzz.ch/international/attentat-auf-bundeswehr-in-mali-kramp-karrenbauer-unbeirrt-ld.1632911


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