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"Schrei nach Frieden" Papst appelliert an Politiker: Wendet einen Atomkrieg wegen der Ukraine ab

26. Okt. 2022
6 Min. Lesezeit

"Es reicht mit dem Krieg": Papst und Religionsführer fordern Frieden. "Lassen wir uns nicht von perverser Kriegslogik anstecken; fallen wir nicht in die Falle von Feindeshass", appellierte Franziskus. Der Frieden müsse wieder ins Zentrum der Zukunftsvision rücken "als zentrales Anliegen unseres persönlichen, sozialen und politischen Handelns, auf allen Ebenen". Geschwisterlichkeit zwischen Religionen habe entscheidende Fortschritte gemacht, so der Papst: "Wir fühlen uns immer mehr wie Schwestern und Brüder"; und gemeinsame Friedensappelle würden fortgeführt. "Lasst uns nie resignieren angesichts des Krieges; lasst uns Samen der Versöhnung pflanzen", ermunterte Franziskus. Frieden liege im Herzen von Religionen, in ihren Schriften und Botschaften. Interreligiöses Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio in Rom beendet. Jeffrey D. Sachs, Sonderberater des UN-Generalsekretärs: "Niemand darf den Gegner in die Enge treiben. Das lehrt uns die Kubakrise". Er schlug in Rom auf der Konferenz "Der Schrei nach Frieden" eine Interpretation der russisch-ukrainischen Krise vor, bei der die nukleare Bedrohung eine große Rolle spielt. Für Martin Hellman, Professor an der Stanford University, "ist die Atombombe eine Warnung, die uns anspornen muss, alle Kriege zu fürchten und abzulehnen, denn Konflikte sind wie russisches Roulette: Wenn wir weiterhin den Abzug betätigen, wird früher oder später der Schuss losgehen, der uns alle auslöschen kann".


Jedes Jahr veranstaltet die Gemeinschaft Sant'Egidio ihr Gebetstreffen für den Frieden an einem anderen Ort, dieses Mal in Rom. Neben zahlreichen Religionsführern nahm auch Papst Franziskus an der Versammlung teil, die nun mit einem Friedensappell zu Ende gegangen ist.


Vor der Kulisse des römischen Kolosseums haben Papst Franziskus und Religionsvertreter aus aller Welt einen gemeinsamen Friedensappell unterzeichnet. "Es reicht mit dem Krieg" hieß es am Dienstag zum Abschluss des internationalen Treffens der Gemeinschaft Sant'Egidio. Konflikte, Auseinandersetzungen und Kriege brächten nur Tod und Verderben. Sie müssten umgehend beendet werden. Stattdessen brauche es eine Wiederaufnahme des Dialoges, um einen drohenden Atomkrieg abzuwenden. "Der Frieden ist heilig, der Krieg darf es nie sein", so der Friedensappell vor rund 3.000 Teilnehmern. Zuvor hatten die anwesenden Religionsvertreter, darunter Christen, Buddhisten und Muslime, ein gemeinsames Gebet für den Frieden im Kolosseum gesprochen. In seiner anschließenden Ansprache bekräftigte Papst Franziskus seinen "Schrei" nach Frieden. Heute werde der Frieden "schwerwiegend verletzt, angegriffen, mit Füßen getreten; und das in Europa, einem Kontinent, der die Tragödien zweier Weltkriege im vergangenen Jahrhundert durchlebt hat", klagte der 85-Jährige.

Kein Ende der Kriege Leider hätten die Kriege seit damals nicht aufgehört. "Aber der derzeitige Moment ist besonders dramatisch", fügte der Papst hinzu. Offen werde mit dem Gebrauch von Atomwaffen gedroht, die nach den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki irrigerweise weiter produziert und getestet worden seien. "Der Schrei nach Frieden drückt den Schmerz und Horror des Krieges aus, Mutter aller Armut", sagte Franziskus. Doch dieser Schrei werde oft zum Verstummen gebracht, nicht nur von Kriegsrhetorik, sondern auch durch Indifferenz. Und doch steige der Schrei zum Himmel. Er selbst habe keine geheime Formel, um Kriege zu beenden, so der Papst; aber er habe das "heilige Recht", den Frieden zu fordern und gehört zu werden.

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"Lassen wir uns nicht von perverser Kriegslogik anstecken; fallen wir nicht in die Falle von Feindeshass", appellierte Franziskus. Der Frieden müsse wieder ins Zentrum der Zukunftsvision rücken "als zentrales Anliegen unseres persönlichen, sozialen und politischen Handelns, auf allen Ebenen". Geschwisterlichkeit zwischen Religionen habe entscheidende Fortschritte gemacht, so der Papst: "Wir fühlen uns immer mehr wie Schwestern und Brüder"; und gemeinsame Friedensappelle würden fortgeführt. "Lasst uns nie resignieren angesichts des Krieges; lasst uns Samen der Versöhnung pflanzen", ermunterte Franziskus. Frieden liege im Herzen von Religionen, in ihren Schriften und Botschaften.

Koch: Christen töten Christen Kurienkardinal Kurt Koch bezeichnete das Gebet für Frieden am Rande des Treffens als "elementar". Es zeige, "dass Friede immer ein Geschenk Gottes ist und wir die Werkzeuge für diesen Frieden sind", sagte der vatikanische "Ökumene"-Minister dem Portal Vatican News (Dienstag) in Rom. Es sei furchtbar, dass im Ukraine-Krieg Christen andere Christen töteten. "Christen töten Christen und wohl auch orthodoxe Christen andere orthodoxe Christen. Das ist ein schreckliches Zeichen, auch für die Christen auf der ganzen Welt", so der Schweizer Kardinal. Das von Sant'Egidio veranstaltete "Gebetstreffen für Frieden im Geiste von Assisi" findet jährlich an unterschiedlichen Orten statt. Dem Auftakt am vergangenen Sonntag hatten auch Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella sowie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beigewohnt. Letzterer rief die Religionen dabei zum Widerstand auf. Religionen dürften nicht benutzt werden, um andere zu beherrschen und auszunutzen. Im Anschluss hatten Teilnehmer aus rund 50 Ländern sich zwei Tage auf einer Friedenskonferenz ausgetauscht. Die 1968 in Rom gegründete Bewegung Sant'Egidio widmet sich karitativer Arbeit, Diplomatie in Bürgerkriegsgebieten und dem Dialog der Religionen. (rom/KNA) https://www.katholisch.de/artikel/41690-es-reicht-mit-dem-krieg-papst-und-religionsfuehrer-fordern-frieden



Ukraine: "Vor der nuklearen Bedrohung nicht resignieren". Sachs: "Niemand darf den Gegner in die Enge treiben. Das lehrt uns die Kubakrise"


Sechzig Jahre nach der Kubakrise bleibt die Lehre, dass es sich in Zeiten der Verbreitung von Atomwaffen niemand mehr leisten kann, Gegner in die Enge zu treiben und zu demütigen. "Die Menschen wollen keinen Krieg, aber niemand fragt sie um Rat: Wir brauchen Diplomatie". Jeffrey D. Sachs, Sonderberater des UN-Generalsekretärs, schlug in Rom auf der Konferenz "Der Schrei nach Frieden" eine Interpretation der russisch-ukrainischen Krise vor, bei der die nukleare Bedrohung eine große Rolle spielt. Für Martin Hellman, Professor an der Stanford University, "ist die Atombombe eine Warnung, die uns anspornen muss, alle Kriege zu fürchten und abzulehnen, denn Konflikte sind wie russisches Roulette: Wenn wir weiterhin den Abzug betätigen, wird früher oder später der Schuss losgehen, der uns alle auslöschen kann". Pierbattista Pizzaballa, Patriarch von Gersalemme der Lateiner, fordert uns auf, uns nicht mit irgendwelchen Szenarien abzufinden: "Es gibt einen Fluss schöner Menschlichkeit, der sich weigert zu glauben, dass sein Bruder ein Feind ist. Deshalb kann auch das Heilige Land jenseits von Stereotypen ein Modell des Zusammenlebens sein, das gegen alle Formen der Trennung kämpft. Emilce Cuda, Theologe und Sekretär der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, stellt fest, dass "die Völker für die Güter, die sie besitzen, gemartert werden. Syrien und die Ukraine sind Märtyrer. Schenken wir den Opfern von Gewalt unsere Aufmerksamkeit und hören wir ihnen mit offenem Herzen zu". Die Stimme der Religionen drängt darauf, angesichts des Krieges in der Ukraine zu verhandeln. Für Abdulwahhab Ahmed Al-Taha Al-Sammaree (Sprecher des Fiqh-Rates der führenden Gelehrten, Irak) ist es möglich, zu einem menschlichen Pakt zurückzukehren, der den Planeten schützt und die Erprobung aller Waffen beendet. Dazu sind die Religionen auch in einer Zeit aufgerufen, in der der Krieg alles in Brand setzt, wie in der Ukraine, mit der Zerstörung von Leben, der Schädigung der Umwelt und der Ernährungssicherheit. Die Welt "steht am Rande einer Hungersnot, steigender Energiepreise, Wüstenbildung mit Sandstürmen". Der orthodoxe Metropolit Ioan, Patriarchat von Rumänien, sieht in den gegenwärtigen Ereignissen die vergifteten Früchte der Technokratie, die "den Menschen auf Zahlen, auf ein Atom reduziert, ihn entpersönlicht, indem sie ihn in eine materialistische Form zwängt. Aus dieser atomisierten Welt kommen wir durch das Gebet heraus, dessen Früchte in alle Aspekte des Lebens in der heutigen Wüste einfließen. Im Gebet suchen wir nach den Kranken, den Armen, den Migranten und uns selbst, die wir in der atomisierten Welt verstreut sind. Wo es keinen Frieden gibt, gibt es Blut und Erniedrigung". Jaron Engelmayer, Oberrabbiner von Wien, erklärt, dass "seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine im vergangenen Februar in vielen jüdischen Gemeinden ein Friedensgebet eingeführt wurde, damit alle zur Ruhe kommen können, ohne zittern zu müssen. Das Thema Frieden wird in dem Gebet sehr stark betont: Alle Gebete sind darin "zusammengefasst".



Papst Franziskus, der die aktuelle Weltlage mit der Kubakrise vor 60 Jahren verglich, hat am Dienstag gemeinsam mit führenden Vertretern der Weltreligionen einen Friedensappell an die Politiker gerichtet, um einen drohenden Atomkrieg wegen der


In seiner Ansprache vor mehreren Tausend Menschen, die er nach den getrennten Gebeten verschiedener religiöser Gruppen hielt, beklagte Franziskus das heutige "düstere Szenario, in dem die Pläne der mächtigen Führer der Welt leider keine Rücksicht auf die gerechten Bestrebungen der Völker nehmen".


In Bezug auf die Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen in der Ukraine sagte Franziskus: "Heute droht in der Tat etwas, das wir gefürchtet haben und von dem wir hofften, nie wieder etwas zu hören: der Einsatz von Atomwaffen, die auch nach Hiroshima und Nagasaki zu Unrecht weiter produziert und getestet wurden."






 
 
 

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