Raffinerien gewinnen durch die Folgen des US/Israelischen Krieges gegen Iran & des Saudischen Krieges gegen Jemen an Bedeutung. Das ölreiche Nigeria & ein nigerianischer Milliardär wollen das nutzen!
Wird des wirklich ein ein Börsengang für die Bevölkerung, wie beworben oder v.a. für den reichsten Mann Afrikas? Die Ursprünge dieses Systems reichen bis in die britische Kolonialzeit. 1956 entdeckte der britisch-niederländische Konzern Shell-BP im Nigerdelta erstmals kommerziell nutzbares Erdöl. Zwei Jahre später begann der Export. Nigeria wurde damit zum Rohstofflieferanten für ausländische Märkte. Die Verarbeitung und damit ein lukrativer Teil des Geschäfts fand zunächst größtenteils außerhalb des Landes statt. Der Ölreichtum machte Nigeria nicht automatisch wohlhabend. Die Einnahmen flossen zu großen Teilen an den Staat, internationale Konzerne und eine kleine wirtschaftliche Elite. Gleichzeitig entstanden in der Förderung vergleichsweise wenige Arbeitsplätze.

Auszüge aus der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Aliko Dangote, reichster Mann Afrikas und Eigentümer eines weitverzweigten Industrieimperiums, bringt seine Ölraffinerie an die Börse – inmitten einer weltweiten Energiekrise. Nach einem Angriff auf eine saudische Ölpipeline am Freitag stieg der Ölpreis zu Wochenbeginn erneut auf mehr als 100 Dollar pro Barrel. Die Versorgung mit Benzin, Diesel und Kerosin ist angespannt. Raffinerien außerhalb des Nahen Ostens gewinnen dadurch an Bedeutung.
Gleichzeitig treibt Dangote den Ausbau seiner Raffinerie in Nigeria voran. „Die Raffinerie ist für unseren Kontinent von enormer Bedeutung. Ohne Energiesicherheit können wir uns nicht industrialisieren“, sagte er laut der amerikanischen Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.
Einen Teil des dafür benötigten Kapitals will Dangote nun an der Börse einsammeln. Seit Montag bietet das Unternehmen 4,1 Milliarden Aktien zu einem Preis von jeweils 525 Naira – umgerechnet rund 34 Cent pro Aktie – an. Damit gibt Dangote zunächst nur rund 3,3 Prozent der Raffinerie an neue Miteigentümer ab.
Dangote wirbt ausdrücklich um nigerianische Kleinanleger. Über digitale Anlageplattformen können sie bereits zehn Aktien kaufen. Bis zu zehn Millionen Privatanleger sollen sich beteiligen. „Deshalb haben wir den Börsengang als ‚Börsengang für die Bevölkerung‘ bezeichnet“, sagte Dangote dem panafrikanischen Nachrichtenmagazin The Africa Report.
Nigerias Verhältnis zum Erdöl ist von einem Widerspruch geprägt. Das Land verfügt nach Libyen über die zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven Afrikas und erzielt einen großen Teil seiner Exporterlöse mit dem Rohstoff. Dennoch war Nigeria jahrzehntelang auf den Import von Benzin, Diesel und Kerosin angewiesen. Die staatlichen Raffinerien waren wegen technischer Schäden, fehlender Wartung und jahrelanger Misswirtschaft häufig außer Betrieb. Nigeria exportierte sein Rohöl und kaufte die daraus hergestellten, teureren Treibstoffe anschließend zurück.
Die Ursprünge dieses Systems reichen bis in die britische Kolonialzeit. 1956 entdeckte der britisch-niederländische Konzern Shell-BP im Nigerdelta erstmals kommerziell nutzbares Erdöl. Zwei Jahre später begann der Export. Nigeria wurde damit zum Rohstofflieferanten für ausländische Märkte. Die Verarbeitung und damit ein lukrativer Teil des Geschäfts fand zunächst größtenteils außerhalb des Landes statt.
Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1960 beteiligte sich der nigerianische Staat stärker an der Förderung und errichtete eigene Raffinerien in Port Harcourt, Warri und Kaduna. Diese arbeiteten später jedoch häufig weit unter ihrer Kapazität oder standen vollständig still. Internationale Konzerne wie Shell, ExxonMobil, Eni und TotalEnergies behielten zugleich über Jahrzehnte eine zentrale Stellung in der Ölförderung.
Der Ölreichtum machte Nigeria nicht automatisch wohlhabend. Die Einnahmen flossen zu großen Teilen an den Staat, internationale Konzerne und eine kleine wirtschaftliche Elite. Gleichzeitig entstanden in der Förderung vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Im Nigerdelta hinterließen undichte Pipelines, Öldiebstahl und die jahrzehntelange Förderung schwere Umweltschäden. Viele Anwohner verloren landwirtschaftliche Flächen oder ihre Lebensgrundlage als Fischer. Der Rohstoff, der Nigeria hohe Exporterlöse brachte, verschärfte damit zugleich Korruption, Verteilungskämpfe und die Abhängigkeit des Staatshaushalts vom Ölpreis.
Dangotes Raffinerie hat dieses System bereits teilweise verändert. Seit Anfang 2024 verarbeitet die Anlage bei Lagos Rohöl und verkauft daraus hergestellte Treibstoffe im Inland sowie auf ausländischen Märkten. Ein größerer Teil der Wertschöpfung bleibt dadurch in Nigeria.
Doch die wirtschaftliche Macht geht damit nicht automatisch an die Bevölkerung oder den Staat über. Dangote und seine Unternehmensgruppe sollen auch nach dem Börsengang rund 87 Prozent der Anteile kontrollieren. Nigeria verringert damit zwar seine Abhängigkeit von ausländischen Raffinerien. Zugleich wächst jedoch die Abhängigkeit von einem einzelnen privaten Industriekonzern.




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