top of page

Peking, Washington und dann Istanbul? Sicherheitsexperte: „Die Türkei strebt einen Großmachtstatus an“: Wird die Türkei zum „dritten Pol“ in der internationalen Politik?

6. Okt.
2 Min. Lesezeit

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (Auszüge): Die internationale Ordnung befindet sich im Umbruch. Die lange Zeit prägende Dominanz des Westens wird durch neue Machtzentren, wachsende geopolitische Rivalitäten und eine zunehmende Konkurrenz um politischen und wirtschaftlichen Einfluss herausgefordert. In diesem Umfeld nimmt die Türkei eine besondere Stellung ein: Sie ist zwar Nato-Mitglied und wirtschaftlich eng mit Europa verbunden, verfolgt zugleich aber eine zunehmend eigenständige Außenpolitik und sucht ihre Handlungsspielräume zwischen unterschiedlichen Machtzentren auszuweiten. Genau hier setzt das Buch „Die Türkei als dritter Pol in der internationalen Ordnung“ von Zenonas Tziarras und Nikos Moudouros an.

Die Autoren argumentieren, dass sich die Türkei nicht einfach in die konventionellen politikwissenschaftlichen Kategorien wie „westlicher Verbündeter“, „Mittelmacht“ oder „Swing State“ einordnen lässt. Im Gespräch mit Co-Autor Zenonas Tziarras geht es um die Türkei als „dritten Pol“, die Entwicklung der türkischen Außenpolitik und um die Frage, welche Rolle Ankara in der entstehenden internationalen Ordnung tatsächlich einnehmen kann.

Peking, Washington und dann Istanbul?

Was macht die Türkei zu einer „Dritten Pol“-Macht in der internationalen Politik?Zunächst möchte ich festhalten, dass wir nicht behaupten, die Türkei sei bereits ein unabhängiger „dritter Pol“ in der internationalen Ordnung. Die „Dritter Pol“-Ambition der Türkei ergibt sich aus ihrem Bestreben, eine größere strategische Autonomie zu erreichen und sich weder vollständig mit dem westlichen noch mit dem entstehenden eurasischen Pol zu identifizieren.Die Türkei bleibt zwar in westliche Institutionen eingebunden, insbesondere in die Nato. Gleichzeitig hat sie jedoch bedeutende Beziehungen zu Russland, China und anderen nicht-westlichen Akteuren aufgebaut und verfolgt eine eigene regionale und internationale Agenda.Wichtig ist, dass dieses Bestreben unter der AKP von einer ideologischen Vorstellung getragen wird, die die Türkei als führende Macht mit einer eigenständigen historischen und zivilisatorischen Rolle betrachtet – als Alternative zu den bereits bestehenden Machtzentren.In diesem Sinne beschreibt der Begriff „dritter Pol“ sowohl eine ideologisch-zivilisatorische Vorstellung über den Platz der Türkei in der internationalen Ordnung als auch zunehmend autonome außenpolitische Praktiken, mit denen Ankara versucht, diese Vorstellung zu verwirklichen.

 
 
 

Kommentare


bottom of page