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Mit dem Versprechen auf Umverteilung von Oben nach Unten und Israelkritik lassen sich für einen authentischen Sozialisten Wahlen gewinnen, auch im stark jüdisch geprägten New York.

7. Sept.
2 Min. Lesezeit


Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Zohran Mamdanis Kampagne in New York war in erster Linie eine zu sozialen und ökonomischen Themen: bezahlbare Mieten, Lebenshaltungskosten und öffentliche Infrastruktur standen im Zentrum seines Programms und dürften den Ausschlag für seinen Wahlsieg gegeben haben. Bemerkenswert – und für die deutsche Debatte eigentlich der spannendere Punkt – ist etwas anderes: dass Mamdani diese sozialpolitische Kernbotschaft mit einer unmissverständlichen Positionierung, einer kritischen Haltung zu Israel, verband, ohne dass die Kombination ihm geschadet hätte.

Gerade die Verbindung aus Umverteilungspolitik und Solidarität mit den Tausenden toten Palästinensern gilt bislang als politisch riskant und wird auch von progressiven Kräften in Deutschland eher gemieden. Der eigentliche Lerneffekt läge also nicht in einer vermeintlichen Ursache-Wirkungs-Kette „Nahost-Positionierung gewinnt Wahlen“, sondern in der Beobachtung, dass sich beides – soziale Frage und außenpolitische Klarheit – gegenseitig nicht ausschließen muss.


Zugespitzt formuliert: Wahlen lassen sich in den USA – und womöglich bald auch in Deutschland – nicht trotz, sondern wegen einer klar progressiven Haltung zum Nahost-Krieg gewinnen. Das ist neu.

Anders gelagert, aber ergänzend, ist der Fall des Mediziners Abdul El-Sayed, der die demokratische Vorwahl in Michigan gewann – einem Bundesstaat, der Donald Trump zuletzt den Wahlsieg mit gesichert hatte. Bei El-Sayed war die Positionierung zum Gaza-Krieg von Beginn an ein deutlich stärker profilbildendes Element als bei Mamdani. El-Sayed, arabisch-amerikanisch und muslimisch geprägt, positionierte sich klar gegen die israelische Kriegsführung in Gaza und gegen den Einfluss proisraelischer Lobbygruppen.

Bemerkenswert ist der finanzielle Kontext: Israelnahe Lobbyorganisationen sollen rund 62 Millionen Dollar aufgewendet haben, um seine Kandidatur zu verhindern – ohne Erfolg. Auch hier gilt jedoch die oben genannte Einschränkung: Es handelt sich um eine innerparteiliche Vorwahl, nicht um eine Wahl gegen Kandidaten anderer Parteien.

Nach seinem Sieg wandte sich El-Sayed über X an die Öffentlichkeit und wies Versuche zurück, ihn wegen seines Namens oder Glaubens als weniger amerikanisch darzustellen; er warb stattdessen für ein Amerika, das „alle einschließen kann, unabhängig davon, wie sie beten oder woher ihre Familien kommen“.


Umfragedaten stützen die These eines Generationswechsels: Gallup ermittelte für 2026, dass Demokraten die Palästinenser mittlerweile deutlich positiver bewerten als Israel (48 zu 34 Prozent) und die Sympathie für Israel insgesamt unter 50 Prozent gefallen ist. Das Meinungsforschungsinstitut Pew verzeichnete einen Anstieg der negativen Wahrnehmung Israels unter amerikanischen Erwachsenen von 53 auf 60 Prozent binnen eines Jahres, mit besonders ausgeprägter Skepsis bei den unter 50-Jährigen beider Parteien.

Die Entwicklung wird auf sichtbare Bilder von Zerstörung, Hunger und Vertreibung im Gazastreifen sowie auf Studierendenproteste zurückgeführt, die als Ausdruck eines breiteren gesellschaftlichen Bruchs mit älteren außenpolitischen Selbstverständlichkeiten interpretiert werden.

Gleichzeitig gibt es eine wichtige Einschränkung: Die Wahlerfolge einzelner Kandidaten wie Mamdani, Brad Lander, Claire Valdez oder Darializa Avila Chevalier signalisieren zwar eine Stimmungsverschiebung an der Parteibasis, bedeuten aber nicht automatisch eine strukturelle Kurskorrektur der amerikanischen Außenpolitik. Die sicherheitspolitische und militärische Verflechtung zwischen den USA und Israel – Waffentransfers, Geheimdienstkooperation, regionale Sicherheitsarchitektur – gilt als so tief verankert, dass selbst eine Präsidentin Harris daran voraussichtlich wenig ändern würde.


 
 
 

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