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Können wir uns aus dem Stadium des "Kleinen Mannes" und einer manipulierbaren Masse herausarbeiten

15. Juni 2023
10 Min. Lesezeit

Lulas Regierung sucht dazu nach Wegen, nachdem sie erfahren haben, dass

Sozialpolitik allein keine Garantie ist, dass politische Strömungen und politische Persönlichkeiten von vielen Menschen unterstützt werden, die die sozialen und demokratischen Errungenschaften abschaffen wollen. Weder in den Ländern, die den Sozialismus aufbauen wollten, noch in den sozialdemokratischen Ländern Westeuropas konnte und kann das Aufkommen von politischen Strömungen verhindert werden, die soziale Errungenschaften in Frage stellen oder gar beseitigen. Dagegen gäbe es nur eine Sicherheit: Sehr viele aufgeklärte, engagierte Menschen. Die Regierung Lula hat sich vorgenommen, sie in Brasilien zu schaffen und dazu das Kommunikationssystem und die Bildung von Multiplikatoren zu nutzen. Dazu ist u.a. ein Verständnis der Methode der Massenpsychologie zur Führung von Menschen nötig, die Le Bon entwickelt hat. Hitler etwa hat sie genutzt. Wilhelm Reich hat sich mit der Psychologie von uns "Kleinen Leuten" beschäftigt und Paolo Freire u.a. mit Methoden, wie wir uns aus diesem Stadium des "Kleinen Mannes" oder der Masse herausarbeiten können. Hier haben wir dazu einige Erkenntnisse zusammengestellt.


Frei Betto in Amerika21 schreibt: Brasilien: Verändert die Sozialpolitik die Denkweise der Menschen? Meine Antwort auf diese Frage lautet Nein. In den 70 Jahren des Bestehens der Sowjetunion haben die Menschen Rechte erhalten, die im Westen immer noch nicht errungen worden sind. Männer und Frauen verrichteten die gleichen Tätigkeiten und erhielten den gleichen Lohn. In den 1920er Jahren bekleideten nicht weniger als 600 Frauen ein Amt, das dem eines Bürgermeisters entsprach, während sie in den meisten westlichen Ländern noch nicht einmal das Wahlrecht hatten. Die Sowjetunion war das erste Land in Europa, das sich für reproduktive Rechte einsetzte. Die Frauen hatten die volle Kontrolle über ihren Körper. Die Schul- und Hochschulbildung war kostenlos. Die Regierung versorgte die Schüler mit Lehrbüchern und Schulmaterial. Auch das Gesundheitssystem war völlig kostenlos. Die Zahl der Drogenkonsumenten war äußerst gering, und die wenigen, die sich Drogen beschafften, taten dies vermittels von Touristen, die sie hereinschmuggelten. Es waren die Soldaten, die gegen Ende der 1980er Jahre Afghanistan besetzten, die den Sowjetblock mit Drogen überschwemmten. Dennoch ist die UdSSR zusammengebrochen, ohne dass ein Schuss gefallen ist. Die Bevölkerung begrüßte den Kapitalismus. Heute gehört Russland zu den Ländern, in denen die soziale Ungleichheit alarmierend ist. Dem sowjetischen Sozialismus ist es nicht gelungen, die Denkweise der Menschen so zu verändern, dass sie für eine eine solidarische Gesellschaft einstehen. Und auch der im "christlichen" Europa bis zum Fall der Berliner Mauer vorherrschende Wohlfahrtsstaat vermochte das Denken der Bevölkerung nicht zu verändern.

Antonio Cándido hat einmal gesagt, dass die größte Errungenschaft des Sozialismus nicht in den Ländern stattgefunden hat, die ihn eingeführt haben, sondern in Westeuropa, wo die Angst vor dem Kommunismus die Bourgeoisie dazu gebracht hat, auf die Ringe zu verzichten, um ihre Finger nicht zu verlieren. Nach der Implosion des Sozialismus war die Bourgeoisie wieder ermutigt und zeigte ihr wahres Gesicht: Vorrang der Privilegien des Kapitals vor den Menschenrechten, Zurückweisung von Flüchtlingen, Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, Ausrichtung auf die kriegstreiberische Politik der USA.

Die Regierungen der Arbeiterpartei (PT) in Brasilien Brasilien hatte 13 Jahre lang PT-Regierungen, die der einkommensschwachen Bevölkerung verschiedene Leistungen garantierten: Familienbeihilfeprogramm Bolsa Familia, Mindestlohn, der jährlich oberhalb der Inflationsrate korrigiert wurde, Strom für alle, Wohnungsprogramm Mi Casa, mi Vida, Fonds zur Studienförderung, Universitätsquoten, drastische Verringerung von Elend, Armut und Arbeitslosigkeit, Erhöhung des Schulbesuches usw. Dennoch wurde Dilma Rousseff abgesetzt, ohne dass das Volk auf die Straße ging, um die Regierung zu verteidigen. Und 2018 wurde [Jair] Bolsonaro gewählt. Im Jahr 2022 verlor er gegen Lula da Silva mit einem Vorsprung von nur zwei Millionen Stimmen von insgesamt 156 Millionen Wählern.

Freud und Chomsky Freud zufolge ist "die Masse außerordentlich beeinflussbar und leichtgläubig, sie ist unkritisch, das Unwahrscheinliche existiert für sie nicht (...) Die Gefühle der Masse sind immer sehr einfach und überschwänglich. Sie kennt weder Zweifel noch Unsicherheit. Sie ist schnell zum Äußersten bereit; ein äußerer Verdacht verwandelt sich sofort in unbestreitbare Gewissheit; ein Keim von Antipathie wird zu wildem Hass. Wer sie beeinflussen will, braucht keine logischen Argumente, sondern muss starke Bilder verwenden, übertreiben und immer dieselben Worte wiederholen. (...) Die Masse respektiert die Stärke und lässt sich nur mäßig von der Güte beeinflussen, die sie als eine Art Schwäche betrachtet. Sie verlangt von ihren Helden Stärke, ja sogar Gewalt. Sie will beherrscht und unterdrückt werden, sie will ihre Herren fürchten. Im Grunde ihres Herzens vollkommen konservativ, hat sie eine tiefe Abneigung gegen jegliche Fortschritte und Innovationen und eine grenzenlose Ehrfurcht vor der Tradition".

Es ist der Kapitalismus, der die Denkweise der Menschen verändert und unsere individualistischste und narzisstischste Seite fördert. Und der 24 Stunden am Tag gegen die Bildung der Gesellschaft agiert, indem er das Konsumverhalten, den Wettbewerb sowie das Streben nach Reichtum und das "Rette sich, wer kann" stimuliert. Noam Chomsky listet die Mittel des Systems auf, um kritisches Bewusstsein zu vermeiden: die ständige Unterhaltung (man schaue sich nur das Fernsehprogramm an); die Verschleierung von Missständen als Notwendigkeiten, wie die Erhöhung der Fahrpreise ("Maßnahmen, die in Wirklichkeit schädlich für die Bevölkerung sind, weil sie die versteckten Interessen einer Minderheit begünstigen, werden beschlossen, als ob sie einen allgemeinen Nutzen sichern würden"); die Allgemeinheit in Unwissenheit und Mittelmäßigkeit halten, wie mit der verschlüsselten Sprache, die in Artikeln über die Wirtschaft verwendet wird; Selbstbezichtigung (ich bin allein für mein Scheitern oder meinen Erfolg verantwortlich); davon überzeugen, dass die großen Medien alles besser wissen als irgendjemand anderes, usw. Dies nennt Chomsky "die lautlosen Waffen für leise Kriege" (Silent Weapons for Quiet Wars). Die PT hat vier Legislaturperioden lang die Gemeinden Marica (Bundesstaat Río de Janeiro) und Ipatinga (Bundesstaat Minas Gerais) regiert und der Bevölkerung erhebliche Vorteile garantiert. Dennoch hat im Jahr 2022 Bolsonaro beide Wahlgänge in beiden Städten gewonnen. Das bedeutet, dass die reale Gefahr besteht, dass die Rechte im Jahr 2026 an die Spitze der Republik zurückkehrt, ganz gleich, wie viele Vorteile die Regierung Lula dem brasilianischen Volk garantiert. Was also ist der Ausweg? Wie kann verhindert werden, dass dies geschieht?

Politische Bildung Es gibt nur eine Alternative: eine intensive Aufklärungsarbeit nach der Methode von Paulo Freire1 unter Nutzung der beiden wertvollsten Ressourcen, über welche die Regierung verfügt: die weit verzweigte Struktur und das Kommunikationssystem. Die Paulo-Freire-Pädagogik muss bei der Ausbildung der staatlichen Bediensteten, die mit den bedürftigsten Bevölkerungsgruppen in Kontakt sind, wie im Gesundheitsministerium, im Brasilianischen Institut für Geographie und Statistik, in der Brasilianischen Gesellschaft für landwirtschaftliche Forschung usw., zur Anwendung kommen. Warum nicht zusätzlich zu Schulbildung und Impfungen eine dritte Bedingung in Bolsa Familia aufnehmen? Diese Bedingung wäre die Berufsausbildung. Neben der Möglichkeit, sich zu qualifizieren, um ein Einkommen zu erzielen, würden die Ausbildungsworkshops die Methode von Paulo Freire anwenden,die ein kritisches Bewusstsein weckt.

Das Kommunikationsnetz der Bundesregierung Die andere Ressource ist die Empresa Brasileira de Comunicação (EBC), ein leistungsfähiges Kommunikationssystem in den Händen der Bundesregierung, ausgehend von dem Radiosender “Voz de Brasil”, der täglich von 70 Millionen Menschen gehört wird. Einzelheiten zum Kommunikationsnetz in Brasilien über den Link: Der Leser oder die Leserin stelle sich vor, dass dieses ganze Netzwerk darauf abzielt, das kritische Bewusstsein der Öffentlichkeit zu wecken. Es genügt, den erkenntnistheoretischen Schlüssel zu ändern, der nur auf die sozialen Probleme ausgerichtet ist, und eine dialektische Logik anzunehmen, die sich auf die Ursachen dieser Probleme konzentriert. Wenn wir im Fernsehen Kampagnen zugunsten von Hungernden sehen, werden in der Regel Orte für die Sammlung von Lebensmitteln oder das Spenden von Körben mit Grundnahrungsmitteln genannt. An keiner Stelle werden in den Nachrichtensendungen Fragen gestellt wie: Warum gibt es überhaupt Menschen, die hungern? Warum haben sie keinen Zugang zu Lebensmitteln? Ist es natürlich, dass es Satte und Hungernde gibt? Wie können wir diese Ungleichheit überwinden?

Es gibt viel zu tun, um in der brasilianischen Bevölkerung ein Bewusstsein zu erzeugen, sie zu organisieren und zu mobilisieren. Die Ressourcen sind da. Und der politische Wille ist bei Lula und dem Generalsekretariat der Präsidentschaft der Republik, das von Minister Márcio Macedo geleitet wird, vorhanden. Alles, was fehlt, ist das Engagement, die Produktion von Materialien für die Träger der sozialen Kommunikation und Haushaltsmittel, damit die Regierung über ein Netz von popularen Erziehern (educadores populares) bestehend aus mindestens 50.000 Personen verfügt. Brasilien: Verändert die Sozialpolitik die Denkweise der Menschen? | amerika21

1.Paulo Freire war ein Pädagoge der Befreiung aus Brasilien.





Zur "Psychologie der Massen" von Le Bon





Wilhelm Reichs Rede an den kleinen Mann als Hörbuch

Der österreichische Psychoanalytiker und Widerständler Wilhelm Reich war in vielfältiger Hinsicht ein bemerkenswerter psychoanalytischer und wissenschaftlicher Autor. Seine Massenpsychologie des Faschismus, 1933 erschienen, war eine fulminante, wortgewaltige und klarsichtige Analyse des Faschismus. Sie richtete sich nicht nur gegen den Nationalsozialismus sondern gleichermaßen gegen den Stalinismus.



Von Roland Kaufhold Der Psychotherapeut und Psychoanalysehistoriker Andreas Peglau ist der profundeste Reich-Forscher im deutschsprachigen Raum. 2013 legte er die umfangreiche (635 S.) und detailgenaue Studie Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus vor. Diese Studie „zerstörte“ standesgeschichtliche Mythen über den vorgeblichen „Widerstand“ der Psychoanalyse gegen den Nationalsozialismus: Es gab einige linke Psychoanalytiker, die sich antifaschistisch gegen die Nationalsozialisten „auflehnten“; zu nennen sind neben Reich vor allem Ernst Federn (Kaufhold 2014) sowie die Berliner Psychoanalytikerin Edith Jacobson. Diese hat ihren Überlebenskampf, vor dem Hintergrund ihrer jüdischen Biografie sowie ihrer Gestapohaft (1935 – 1938), in ihren berührenden Gefängnisaufzeichnungen (vgl. Kessler & Kaufhold 2015, Kessler 2015) dokumentiert. Kürzlich ist in einer sehr umfangreichen Studie die ganze Breite des psychoanalytischen Widerstandes sowie des Verrates vieler Psychoanalytiker an ihren widerständigen KollegInnen dokumentiert worden (Kaufhold & Hristeva 2021). Im Sommer 1946 verfasste Wilhelm Reich, der zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Desillusionierungen hatte durchmachen und verarbeiten müssen, in den USA einen anrührenden Text: Eine „Rede an den kleinen Mann“. Dieser war anfangs nicht zur Veröffentlichung vorgesehen; Reich hatte ihn für das Archiv seines Orgon-Instituts verfasst. Es war das Ergebnis besagter politischer und persönlicher Desillusionierungen. Wilhelm Reich erlebte als Zeitzeuge und, letztlich wehrloser, Akteur, anfangs mit ungläubigem Staunen und dann mit Entsetzen, wie der „kleine Mann“ – also auch der deutsche bzw. österreichische Kommunist - anfangs litt, dann seine Feinde verehrte und schließlich in durchaus nicht wenigen Fällen zu ihnen überlief. Reich war in Wien und Berlin anfangs noch KPD-Mitglied und wurde von diesen dann 1933 aus politischen Gründen ausgeschlossen. Wilhelm Reichs Werk erschien dann 1948 in den USA unter dem Titel Listen, Little Man! und 1984 auf deutsch unter dem Titel: Rede an den kleinen Mann. Sieben Jahre später, 1955, ordnete ein amerikanisches Gericht ein Verbot von Reichs Orgonakkumulatoren sowie eine Vernichtung seiner Geräte und Bücher an. Dann wurde Reich in den USA angeklagt. Reichs Freund und langjähriger Briefpartner Alexander Sutherland Neill (1883-1973), Begründer der legendären libertären Summerhill-Reformschule, war entsetzt: „Reich, ich liebe Dich. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß Du mit einer irrsinnigen Gefängnishaft bestraft wirst. Du würdest es nicht aushalten, und Du weißt das“ (Reich & Neill 2023), schrieb er seinem Freund und Seelenverwandten Reich. Wenige Jahre zuvor waren sich Neill und der ehemalige KPD-Redner Reich bereits einig gewesen über das totalitäre Wesen von Hitler und Stalin. Reich schrieb an Alexander Neill: „Der Kampf Stalins gegen Hitler beweist nicht, daß sein System kein Hitlersches ist. […] Natürlich, jetzt kämpft er, weil er muß, aber ich glaube, Du zweifelst doch nicht daran, daß er es viel lieber gehabt hätte, an Hitlers Seite gegen die Demokratien kämpfen zu können. […] Wir müssen zwar gegen Hitler kämpfen, wo wir können, aber wir müssen nicht für Stalin kämpfen“ (Neill/Reich 1989, S. 100f.) Neills Besorgnis bewahrheitete sich kurz danach: Der nicht unbedingt zu Zugeständnissen neigende Wilhelm Reich kam, weil er sich bestimmten gerichtlichen Anordnungen widersetzte, in Haft und verstarb 60-jährig in einem amerikanischen Gefängnis. Das Hörbuch Rede an den kleinen Mann Zurück zu Reichs anrührendem Werk Rede an den kleinen Mann: Soeben hat Andreas Peglau eine CD publiziert, auf der größere Auszüge aus Reichs persönlich gehaltenem Werk professionell (von Felix Würgler) gesprochen werden. Das Hörbuch kann auf Peglaus Website kostenlos gehört und auch heruntergeladen werden. Peglau hat seinem Reich-Hörbuch auch ein gesprochenes Vorwort beigefügt, in dem die Besonderheit dieses Werkes herausgehoben wird. 1939 war Wilhelm Reich mit großem Glück über Skandinavien die Flucht in die USA geglückt. 1946, da war er 49, erschien in den USA die dritte, erweiterte Auflage seiner legendären Massenpsychologie des Faschismus. Zeitgleich verfasste er besagte Rede an den kleinen Mann. Diese Rede sei, schrieb Reich im Vorwort zu seinem Buch, „ein menschliches, kein wissenschaftliches Dokument“, solle „niemand überzeugen, gewinnen oder erobern“. Er nehme für sich nur jenes Recht zur „persönlichen Äußerung“ in Anspruch, welches „man dem Dichter oder Philosophen nie bestritten“ habe. Peglau zeichnet Reichs Enttäuschungen und Entillusionierenden nach. Sowohl die Linke als auch die große Mehrzahl der Psychoanalytiker waren – zumindest aus Reichs Sicht – politisch gescheitert. Reichs in mehreren Büchern dargestellten Erkenntnisse zu den Auswirkungen einer kleinbürgerlichen Sozialisation, die – wie sich Reich auch autobiografisch erinnerte – durch eine autoritäre, gefühls- und sexualunterdrückende Erziehung gekennzeichnet war, bildete für ihn eine Mitursache des gesellschaftlichen Scheiterns; des Sieges der Nationalsozialisten. Die anfängliche Hoffnung des ehemaligen KPD-Mitgliedes Reich, dass Russland sich in irgend einer Weise „vorteilhafter“ entwickeln würde als Nazideutschland, war Reich umfänglich entschwunden. Er hatte die KPD bereits Anfang der 1930er Jahre als eine autoritäre, antiemanzipatorische Partei erlebt und in seinen Studien auch in dieser Weise beschrieben. 1933 war er von der KPD vor allem wegen seiner soeben erst erschienenen Massenpsychologie des Faschismus ausgeschlossen worden – eine Erfahrung, die etwa der junge österreichisch-amerikanische Psychoanalytiker Rudolf Ekstein (Kaufhold 2001, 2020) 1937 mit ihm teilen sollte. Die folgenden Jahre verstärkten Reichs abgrundtiefe Enttäuschung. Reichs „Rede“ lasse sich, so Peglau, „daher zu Teilen auch verstehen als eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Lebensgeschichte, mit dem „Kleinen Mann“ in ihm selbst.“ Doch zugleich gehe es um viel mehr, so Peglau. Wer unterdrückender Erziehung und Sozialisation ausgesetzt sei, trage unvermeidlich schwerwiegende psychische Störungen davon, staue destruktives Potential in sich an. Dementsprechend schlussfolgerte Reich: „Man kann den faschistischen Amokläufer nicht unschädlich machen, wenn man ihn, je nach politischer Konjunktur, nur im Deutschen oder Italiener und nicht auch im Amerikaner und Chinesen sucht; wenn man ihn nicht in sich selbst aufspürt, wenn man nicht die sozialen Institutionen kennt, die ihn täglich ausbrüten“, so Peglau in seiner Einleitung zum Hörbuch. Wilhelm Reichs „Rede an den kleinen Mann“ (Auszüge) – Hörbuch kostenlos herunterladen und anhören: https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/ Literatur Federn, E. (2014): Versuche zur Psychologie des nationalsozialistischen Terrors. Hg. R. Kaufhold. Gießen: Psychosozial Verlag. Kaufhold, R. (2001): Bettelheim, Ekstein, Federn. Impulse für die psychoanalytisch-pädagogische Bewegung. Gießen: Psychosozial Verlag. Kaufhold, R. (2020): Rudolf Eksteins „Sexualpolitik des Faschismus“ (Mai 1937). Ein frühes Dokument des politischen Widerstandes eines angehenden Psychoanalytikers, haGalil, 17.6.2020: https://www.hagalil.com/2020/06/sexualpolitik-des-faschismus/. Kaufhold, R. & G. Hristeva (2021): „Das Leben ist aus. Abrechnung halten!“ Eine Erinnerung an vertriebene Psychoanalytiker unter besonderer Berücksichtigung von Wilhelm Reichs epochemachenden Faschismus-Analysen. In. Psychoanalyse im Widerspruch, H. 66/2021. Gießen: Psychosozial Verlag, S. 7 – 66. Kessler, J. & R. Kaufhold (Hg., 2015): Edith Jacobson (2015): Gefängnisaufzeichnungen. Gießen: Psychosozial Verlag. Kessler, J. (2015). Das schwarze Heft. Wie ich ein Vierteljahrhundert auf Edith Jacobsons Gefängnisnotizen saß, in: Kessler & Kaufhold (2015), S. 11-44. Peglau, A. (2013): Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Gießen: Psychosozial Verlag. https://buecher.hagalil.com/2014/10/wilhelm-reich/ Reich, W. (2020): Massenpsychologie des Faschismus: Der Originaltext von 1933. Mit einem Vorwort von Andreas Peglau. Gießen: Psychosozial Verlag. Reich, W. (1984): Rede an den kleinen Mann (Original: Listen, Little Man!). Fischer TB (Frankfurt/M.) Reich, W. & A. Neill (2023): Zeugnisse einer Freundschaft. Der Briefwechsel zwischen Wilhelm Reich und A. S. Neill 1936–1957. Gießen: Psychosozial Verlag.


 
 
 

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