Kriegspartei? Sobald sie operationelle Logistik sicherstellen und Ziele für die Artillerie festlegen
Länder wie Großbritannien, Amerika, Polen, Litauen und Frankreich sind am Krieg beteiligt. Es ist egal, ob Sie sich 20 Meter außerhalb der Ukraine oder auf ukrainischem Boden befinden: Sobald sie die operationelle Logistik sicherstellen und die Ziele für die Artillerie festlegen, sind sie ein aktiver Konfliktteilnehmer. Der einzige Unterschied ist, dass die Russen sie nicht erreichen können, aber ich denke, für sie sind diejenigen, die diese Aufgaben erfüllen, aktive Konfliktteilnehmer.
Ich halte Jaques Beaud als eine der zuverlässigsten, objektiven Quellen zum Krieg in der Ukraine. Es lohnt sich ihn aufmerksam zu lesen; seine Beobachtungen widersprechen zumeist fundamental dem, was uns westliche Medien und Politiker erzählen. WL. Jacques Baud war Oberst der Schweizer Armee, arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst, die Vereinten Nationen und für die Nato in der Ukraine.

Was macht ein Land zur Kriegspartei?
Das Pentagon sagt, dass sie sich nicht an den Kämpfen beteiligen, sondern nur zum Schutz der Botschaft eingesetzt seien. Das ist wohl eine Ausrede?
Jacques Baud: Ich habe jetzt gerade die Zahlen nicht im Kopf.
Es gibt nach dem Dokument 14 amerikanische Mitglieder von Spezialeinheiten, aber es sind noch 100 andere Soldaten in der Ukraine. Das sind wahrscheinlich eher diejenigen, die an der Botschaft eingesetzt werden.
Jacques Baud: Ja, das ist immer schwierig. In den Dokumenten stehen die Zahlen für das Militärpersonal vom Pentagon. Aber es gibt auch viele Contractors, die mit Privatverträgen da sind und von denen man nicht genau weiß, was sie tun. Vermutlich haben sie eine beratende oder vielleicht sogar operative Funktion, etwa bei den HIMARS-Systemen oder den M-777-Haubitzen für die Integration von Daten aus der amerikanischen Luftaufklärung. Da gibt es viele Leute für solche Arbeiten. Ob sie direkt im Feld beteiligt sind, ist mir nicht bekannt. Das weiß ich nicht.
Das Pentagon hat zugegeben, dass es ein kleines Militärkontingent in der Ukraine hat. Werden mit den „boots on the ground“ die USA und die Nato zur Kriegspartei?
Jacques Baud: Ich glaube, das Problem, ob boots on the ground ein Land zur Kriegspartei machen oder nicht, ist ein Wortspiel, wenn eine Armee oder ein Land operationelle Daten in Echtzeit liefert, um auf Russen zu feuern. Wenn man Werkstätten an der Grenze von der Ukraine auf polnischem oder rumänischem Territorium betreibt, die Material reparieren, dann sind die Mitarbeiter nicht direkt in Ukraine, aber sie sind am Krieg beteiligt. Länder wie Großbritannien, Amerika, Polen, Litauen und Frankreich sind am Krieg beteiligt. Es ist egal, ob Sie sich 20 Meter außerhalb der Ukraine oder auf ukrainischem Boden befinden: Sobald sie die operationelle Logistik sicherstellen und die Ziele für die Artillerie festlegen, sind sie ein aktiver Konfliktteilnehmer. Der einzige Unterschied ist, dass die Russen sie nicht erreichen können, aber ich denke, für sie sind diejenigen, die diese Aufgaben erfüllen, aktive Konfliktteilnehmer.
Eine Frage im Zusammenhang mit den Waffenlieferungen und Aufklärung ist, warum die russischen Truppen nicht die Waffenlieferungen aus dem Westen unterbrechen. Es sollte doch nicht so schwer sein, die Zugverbindungen zu kappen oder gegen diese Lieferungen vorzugehen, die jeden Tag stattfinden müssen, auch was die Reparaturen betrifft. Vor allem wenn Panzer und andere schwere Geräte geliefert werden, warum macht da eigentlich Russland nichts? Das ist doch sehr verwunderlich.
Jacques Baud: Die Russen haben das versucht. Das ist auch der Grund, warum seit Oktober letzten Jahres so viele Angriffe auf die Energieversorgung gemacht wurden. Die meisten Transporte für die ukrainische Armee erfolgten mit der Eisenbahn, die in der Ukraine elektrifiziert ist. Weil die Stromwerke von den Russen zerstört wurden, hatte die Ukraine Probleme gehabt, Dieselloks zu finden. Davon gibt es nur wenige in der Ukraine. Und man kann keine europäischen Lokomotiven einsetzen, weil die Gleise unterschiedlich sind.
Vergangenes Jahr haben die westlichen Länder viele kleine Waffen, also Panzer- oder Flugabwehrwaffen geschickt. Sie wurden nach Polen gebracht und dort auf kleine Lieferwagen verteilt. Für die Russen ist es extrem schwierig zu wissen, welche Lieferwagen Waffen und welche nur zivile Güter transportieren. Mit den größeren Geräten ist das anders. Ich glaube, es wurden einige Konvois mit Haubitzen letztes Jahr in der Ukraine zerstört, bevor sie ihre Ziele erreicht haben. Das heißt, die Russen überwachen die Lieferungen. Das Problem ist, dass High-Resolution-Satelliten ein sehr kleines Sichtfeld haben. Wenn man genau weiß, was man in einem bestimmten Gebiet sucht, ist der Satellit nützlich. Aber um ein großes Gebiet wie die Ukraine zu überwachen, kann man keine High-Resolution-Satelliten verwenden. Die Amerikaner hatten im Irak und in Afghanistan das gleiche Problem.
Wenn man beispielsweise weiß, dass es in einem Dorf einen Kommandoposten gibt, kann man ohne Probleme einen Satelliten Aufnahmen des Dorfs machen lassen und den Kommandoposten herausfinden. Aber wenn man in einem Land wie der Ukraine einen Panzer sucht, der sich bewegt, dann ist das sehr schwierig. So kann man erklären, dass die Russen nicht alles wissen oder zerstören können.
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