Klimakrise in Zahlen - Politische Schlussfolgerungen aus den Berichten des IPCC und des UBA
Frau Dehning, seit vier Jahren koordinieren Sie das Jugendprojekt Locals United. Worum geht es dabei?
In dem Projekt Locals United wollen wir unterschiedliche Aspekte von Klimagerechtigkeit aufzeigen und mit jungen Menschen darüber nachdenken, wie eine solidarische, antirassistische und dekoloniale Gesellschaft aussehen kann
Dabei entstanden Workshops und diverse Bildungsmaterialien.
Ja, in unseren interaktiven Workshops schauen wir uns die Zusammenhänge zwischen der Klimakrise und sozialen Ungerechtigkeiten an und lassen uns dabei von unterschiedlichen Widerstandsbewegungen, vor allem von antikolonialen Kämpfen im Globalen Süden, inspirieren. Neben den Workshops haben wir zum Beispiel die Broschüre »Kolonialismus & Klimakrise – Über 500 Jahre Widerstand« erstellt.
Was hat die Klimakrise mit Kolonialismus zu tun?
Im Kolonialismus liegt aus vielfachen Gründen der Ursprung der Klimakrise. Die koloniale Praxis äußerte sich durch den Raub an Ressourcen, Versklavung von Menschen und die Ausbeutung der Natur. Natur als »Ressource« für die Produktion von Waren für den europäischen Markt, wie Zuckerrohr oder Tabak, mit stetiger Profitsteigerung maximal auszubeuten, zerstörte ganze Ökosysteme, die als CO2-Speicher dienten. Vielfältige Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen wurden dadurch ausgeblendet. Mit dem Reichtum, den europäische Kolonialmächte erlangten, wurde die Industrialisierung erst ermöglicht. Die intensive Nutzung von Steinkohle als Treibstoff der Industrialisierung führte zu stark steigenden CO2-Emissionen und gilt als Startpunkt der großflächigen Nutzung fossiler Brennstoffe. 1830 erwärmten sich bereits die Arktis und die tropischen Ozeane. Mit der Zeit wurden immer mehr fossile Brennstoffe vor allem aus dem Globalen Süden für die Produktion im Globalen Norden abgebaut und verbrannt. Länder des Globalen Nordens sind für mehr als zwei Drittel aller historischen Emissionen verantwortlich. Demgegenüber sind Länder des Globalen Südens zwei- bis dreimal stärker durch Klimawandelfolgen gefährdet.
ür Klimagerechtigkeit brauchen wir Lösungen, die nicht auf der Ausbeutung von Mensch und Natur und dem kapitalistischen Wirtschaftssystem basieren. Das können nur Lösungen sein, die das Problem an der Wurzel packen und nicht profitorientiert sind. Wichtig dabei ist, dass vor allem reiche Länder und große Unternehmen Verantwortung für die Folgen des Kolonialismus und der Klimakrise übernehmen und Klimareparationen an die am stärksten betroffenen Gemeinschaften zahlen. Eine Utopie wäre eine Gesellschaft, die Sorgearbeit für Menschen, Tiere und Pflanzen ins Zentrum stellt, indigenes Wissen und Widerstand würdigt. Gleichzeitig brauchen wir eine Umverteilung von Reichtum und Entscheidungsmacht, um eine gerechte Gesellschaft aufzubauen.





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