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Kiews Bürgermeister ruft die Bürger zur Flucht auf: Weitere Millionen Ukrainer könnten nach Deutschland kommen. Kiew vor dem Versorgungskollaps und immer weniger Schutz vor Bomben und Kälte.

10. Okt.
3 Min. Lesezeit

Warum unternimmt die Bundesregierung nicht auch deshalb alles, um einen nachhaltigen Frieden durch Kompromisse zu fördern, statt auf der Forderung nach einem Sieg über Russland zu bestehen. Dies brachte bereits und bringt nur immer mehr menschliches Leid und mehr Kosten auch für Europa und Deutschland. Und noch etwas zur europäischen Menschlichkeit: Wehrpflichtige ukrainische Männer erhalten in der EU nur noch Schutz, wenn sie eine legale Ausreisegenehmigung nachweisen können. In der Ukraine gilt während des Kriegsrechts eine Wehrpflicht für Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren; wehrfähige Männer zwischen 23 und 60 Jahren unterliegen einem Ausreiseverbot und müssen ihren Militärstatus nachweisen.


Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Wer Freunde oder Verwandte außerhalb Kiews habe, solle erwägen, den Winter dort zu verbringen, sagte Klitschko am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Die russischen Angriffe würden immer heftiger: „Jeden Tag gibt es neue Berichte über zerstörte Gebäude, Verletzte und Tote.“ Sein Fazit: „Jetzt geht es ums Überleben.“



Eine vollständige Evakuierung lehnt der Bürgermeister ab, menschenleere Städte seien Putins Ziel. Die Stadt legt Vorräte an Treibstoff, Lebensmitteln und Trinkwasser an und bereitet zusätzliche Heizsysteme vor. Versagt die Luftverteidigung, könnten diese Maßnahmen zu wenig sein, räumt Klitschko ein. Kiew hat offiziell rund 2,6 Millionen Einwohner, tagsüber halten sich mit Pendlern etwa 3,5 Millionen Menschen in der Stadt auf.


Dieser Winter dürfte viele Menschen in Bewegung setzen. Das Institut Gradus befragte im September 1000 ukrainische Stadtbewohner zwischen 18 und 60 Jahren. 40 Prozent würden bei deutlich schlechteren Lebensbedingungen einen Umzug erwägen. Fast jeder Zweite von ihnen nennt eine andere Region der Ukraine als Ziel, jeder Fünfte das Ausland.


Die Ausweichziele im Inland sind bereits jetzt am Limit. Die Ukraine zählt 3,9 Millionen Binnenvertriebene, Unterkünfte, Schulen und Sozialeinrichtungen im Westen des Landes sind seit Jahren überlastet. Trifft der russische Plan auch Lwiw, die größte Stadt im Westen, fällt das wichtigste Ziel der Binnenflucht weg.

Der nächste Ausweg führt dann in die EU. Bremsend wirken die Kosten einer Flucht, die viele Familien nach mehr als vier Kriegsjahren kaum noch tragen können, sowie eine Regel, die seit dem Sommer gilt: Wehrpflichtige ukrainische Männer erhalten in der EU nur noch Schutz, wenn sie eine legale Ausreisegenehmigung nachweisen können.


In Deutschland sinkt die Zuwanderung aus der Ukraine bislang. Laut Statistischem Bundesamt lag der Wanderungsüberschuss im Juli 2026 bei rund 4000 Menschen, zwei Jahre zuvor bei etwa 12.000. Monatlich kehren mehrere Tausend Ukrainer zurück. Für wochenlange Ausfälle von Strom und Heizung bei eiskalten Wintertemperaturen in mehreren Millionenstädten fehlt allerdings ein Vergleichswert.


Und diese Bereitschaft schwindet rapide. In Polen, wo knapp eine Million Ukrainer leben, sank die Zustimmung zur Unterstützung der Ukraine von 95 auf 48 Prozent, im Februar schaffte Warschau die Sonderregeln für ukrainische Flüchtlinge ab.


Parteien vom politischen Rand, die den bisherigen Ukraine-Kurs ablehnen, gewinnen in Europa eine Wahl nach der anderen. In Berlin streitet die Koalition seit dem Kabinettsbeschluss im November über den sogenannten Rechtskreiswechsel: Ukrainer, die nach dem 1. April 2025 eingereist sind, sollen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz statt Bürgergeld erhalten. Das Gesetz steckt im Verfahren fest. Der Bund rechnet mit Einsparungen, Länder und Kommunen rechnen mit Mehrkosten.


Die Lage erhöht zugleich den politischen Druck auf Europas Regierungen. Das abgefangene Papier, die sinkenden Abfangquoten und Klitschkos Warnung erreichen jene Hauptstädte, die über weitere Waffenlieferungen und Hilfen entscheiden.



 
 
 

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