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Jetzt schließen in Ostdeutschland ganze Werke: „Diese Jobs kommen nicht zurück“. Und das schwächt oft ganze Regionen dauerhaft. Ein wachsendes Problem. Überalterte Belegschaften.

13. Okt.
2 Min. Lesezeit

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (Auszüge): Im Osten verschwinden derzeit Hunderte Industriearbeitsplätze. Insolvenzverwalter warnen inzwischen, dass viele davon dauerhaft verloren sein könnten. Allein in Gardelegen und Harzgerode in Sachsen-Anhalt stehen durch zwei gescheiterte beziehungsweise scheiternde Sanierungen mehr als 1000 Jobs auf dem Spiel.

Dabei sieht die Insolvenzstatistik für Ostdeutschland auf den ersten Blick sogar besser aus. Nach Berechnungen der Berliner Zeitung auf Grundlage von Destatis-Daten wurden von Januar bis Juli 2026 einschließlich Berlin 3,6 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen registriert als im Vorjahreszeitraum.

Doch dieser Rückgang geht vor allem auf Berlin zurück: Dort sank die Zahl der Verfahren um rund 14 Prozent. Ohne die Hauptstadt stiegen die Unternehmensinsolvenzen in den fünf ostdeutschen Flächenländern dagegen um 5,1 Prozent.

Anchor-Experten: Im Osten kann eine Insolvenz eine ganze Region schwächen

Auf Nachfrage dieser Zeitung sagen zwei Insolvenzexperten der Kanzlei Anchor, dass die Statistik darüber hinwegtäuschen könne, wie tief einzelne Insolvenzen vor allem in Ostdeutschland ganze Regionen treffen. Besonders problematisch sei es, wenn ein Unternehmen zu den wenigen größeren Arbeitgebern vor Ort gehört und Ersatzarbeitsplätze fehlen.


Eine fatale Kettenreaktion zeigt sich gerade in Gardelegen in Sachsen-Anhalt. Dort sitzt die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH. Der Autozulieferer stellt Kunststoffteile unter anderem für die Fahrzeugindustrie her und beschäftigte am Standort in Sachsen-Anhalt zuletzt rund 330 Menschen. Vom Hauptkunden Volkswagen kämen keine Aufträge, heißt es aus dem Unternehmen. Im März 2025 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die Produktion lief zunächst weiter, Insolvenzverwalter Silvio Höfer von der Anchor-Kanzlei suchte nach einem Investor.


Etwas über 100 Kilometer weiter kam Ende September die Ansage von Bohai-Automotive in Harzgerode, sein Werk zum 31. Januar 2027 schließen zu wollen. Auch das kostet die Region rund 550 Jobs. Mitgerissen werden die Schlote-Standorte in Harzgerode und Wernigerode mit weiteren rund 180 Beschäftigten, weil Bohai als Auftraggeber wegfällt. Der Bürgermeister spricht von der „größtmöglichen Katastrophe“ für den Harz. In Harzgerode endet damit zudem eine über 150-jährige Industriegeschichte.

Die Fälle zeigen, warum die reine Zahl der Verfahren wenig darüber aussagt, wie hart eine Insolvenz eine Region trifft. Schließlich geht ein Werk mit hundert Beschäftigten genauso in die Statistik ein wie die Insolvenz eines kleineren Betriebs. Besonders in Regionen mit wenigen großen Arbeitgebern können die Folgen verheerend sein.


Überalterte Belegschaften erschweren Übernahmen durch Käufer

In seiner Praxis beobachtet Insolvenzverwalter Silvio Höfer außerdem, dass sich für insolvente Industriebetriebe in strukturschwachen Regionen immer häufiger keine Käufer mehr fänden. Arbeitsplätze würden so dauerhaft verschwinden. „Diese Industriearbeitsplätze kommen nicht zurück“, sagt Höfer im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Schon heute treffe Höfer in klassischen Produktionsunternehmen im Osten auf überalterte Belegschaften, in denen ein Durchschnittsalter von mehr als 50 Jahren keine Seltenheit mehr sei, so der Anwalt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt lag Ende 2025 bei 48,4 Jahren und damit 3,4 Jahre über dem Bundesdurchschnitt.


 
 
 

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