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J.Beaud: Westen will keine Verhandlungen, weil die Ukraine gewinne. Das Gegenteil ist aber richtig.

23. Apr. 2023
4 Min. Lesezeit

Jaques Beaud: Im Moment sagen viele Politiker und Entscheidungsträger in Europa, warum sollten wir Verhandlungen anfangen, wenn die Ukraine gewinnt und Russland keine Truppen, Panzer, Raketen oder Munition mehr hat? Russland sei am Verlieren, das sei nicht der Moment zu verhandeln. Dabei ist die Realität genau umgekehrt. Auf dem Schlachtfeld verlieren die Ukrainer trotz aller Informationen, die sie von der Luftaufklärung der Amerikaner, Engländer und Franzose erhalten. Was wir im Westen machen ist einfach, die Ukraine noch weiter ins Problem zu stoßen, das finde ich pervers. Ich glaube, dass viele Forscher und Journalisten nicht aus den Mainstreammedien, sondern aus den alternativen Medien eine viel vernünftigere Sicht des Konflikts haben. Das würde erlauben, heute eine politische Lösung zu finden. Aber weil wir von falschen Annahmen ausgehen, ist man nicht bereit, eine politische Lösung anzustreben.


Ich halte Jaques Beaud als eine der zuverlässigsten, objektiven Quellen zum Krieg in der Ukraine. Es lohnt sich ihn aufmerksam zu lesen; seine Beobachtungen widersprechen zumeist fundamental dem, was uns westliche Medien und Politiker erzählen. WL. Jacques Baud war Oberst der Schweizer Armee, arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst, die Vereinten Nationen und für die Nato in der Ukraine.

Man müsste eigentlich annehmen, dass das Pentagon, das britische Verteidigungsministerium oder auch die Geheimdienste wissen, wie die Situation in Wirklichkeit ist.

Jacques Baud: Das ist eben die Frage. Genau deswegen sind die Dokumente wichtig, weil sie zeigen, dass viele Informationen der amerikanischen Nachrichtendienste aus ukrainischer Propaganda und nicht aus eigenen Quellen kommen.

Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass Soldaten aus Sondereinheiten der USA, Großbritannien, Frankreich, Lettland und den Niederlanden in der Ukraine im Einsatz sind. Vermutlich sind auch amerikanische, britische und französische Geheimdienstmitarbeiter in der Ukraine. Müssten die dann nicht einen richtigeren Blick auf die Wirklichkeit haben?

Jacques Baud: Ich glaube nicht. Oder besser gesagt, nicht unbedingt. Wenn diese Spione oder Agenten Informationen direkt vom Generalstab haben, dann könnten sie das wissen. Aber diese Special Forces sind im Feld. Die sehen nur die taktische oder operative Situation, aber haben nicht unbedingt eine strategische Sicht.

Jacques Baud: Man sieht aber auf dem Schlachtfeld, dass die Ukrainer trotz aller Informationen, die sie von der Luftaufklärung der Amerikaner, Engländer und Franzose erhalten, verlieren. Das heißt, sie haben keinen Vorteil auf dem Schlachtfeld. Sie können vielleicht einen sehr punktuellen Erfolg erzielen, aber für Manöver genügt das nicht. Was fehlt an all die? Die Manövrierfähigkeit ist der große Vorteil der Russen in diesem Krieg. Die Russen sind Meister der sogenannte operative Kunst seit dem Zweiten Weltkrieg. Meines Erachtens haben die Russen aus dem, was die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs entwickelt haben, sehr viel gelernt. Und heute sind die Russen die Meister in dieser Kunst.

Wenn das stimmt, warum kommen sie da nicht schneller voran?

Jacques Baud: Weil sie nicht wollen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass das Ziel der Russen nicht darin bestand, Territorium einzunehmen, sondern die Bedrohung der russischsprachigen Bevölkerung im Donbass zu zerstören. Das hat Wladimir Putin gesagt, als er von „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ sprach. Es ging darum, das militärische Potenzial (Demilitarisierung) und die fanatischen Truppen, die gegen die Bevölkerung eingesetzt wurden (Entnazifizierung), zu zerstören. Das Ziel der „Entnazifizierung“ wurde mit der Eroberung von Mariupol Ende März 2022 offiziell erreicht. Es gibt eine Dissymmetrie: Die Ukrainer verteidigen ein Territorium, während die Russen versuchen, ein Potenzial zu zerstören. Im Oktober letzten Jahres erklärte der russische General Surowikin, Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte in der Ukraine, dass sein Ziel nicht darin bestehe, große mobile Operationen durchzuführen, sondern das Potenzial der Ukraine zu zerschlagen. Weil wir nicht bereit waren, diese Dissymmetrie zu verstehen, verliert die Ukraine heute!

Verlustzahlen und Geheimdienstquellen

Es gibt ja dieses Dokument mit den Verlustzahlen, die manipuliert seien. Angeblich hätten die Russen deutlich weniger Verluste als die Ukraine. Richtig soll aber genau umgekehrt sein, dass die Russen mindestens doppelt so viele Verluste haben wie die Ukraine. Was würden Sie denn sagen?

Jacques Baud: Was die Verluste anbelangt: Niemand weiß das. Ich glaube, alle Zahlen sind Annahmen. Nur der ukrainische Generalstab und der russische Generalstab kennen die richtigen Zahlen und vermitteln diese Daten nicht.

Wenn man die Zahlen, die von der ukrainischen Propaganda vermittelt werden, anschaut, dann könnte man sagen, dass das die ukrainischen Verluste und umgekehrt sind. Ich zeige das in meinem nächsten Buch. Das ist sehr interessant. Eine Methode der Propaganda ist der Spiegeleffekt.

Und das gibt natürlich ein Bild für uns, das völlig falsch ist. Das ist sehr wichtig im Moment, weil viele Politiker und Entscheidungsträger in Europa sagen, warum sollten wir Verhandlungen anfangen, wenn die Ukraine gewinnt und Russland keine Truppen, Panzer, Raketen oder Munition mehr hat? Russland sei am Verlieren, das sei nicht der Moment zu verhandeln. Dabei ist die Realität genau umgekehrt. Was wir im Westen machen ist einfach, die Ukraine noch weiter ins Problem zu stoßen, das finde ich pervers. Ich glaube, dass viele Forscher und Journalisten nicht aus den Mainstreammedien, sondern aus den alternativen Medien eine viel vernünftigere Sicht des Konflikts haben. Das würde erlauben, heute eine politische Lösung zu finden. Aber weil wir von falschen Annahmen ausgehen, ist man nicht bereit, eine politische Lösung anzustreben.

Man müsste eigentlich annehmen, dass das Pentagon, das britische Verteidigungsministerium oder auch die Geheimdienste wissen, wie die Situation in Wirklichkeit ist.

Jacques Baud: Das ist eben die Frage. Genau deswegen sind die Dokumente wichtig, weil sie zeigen, dass viele Informationen der amerikanischen Nachrichtendienste aus ukrainischer Propaganda und nicht aus eigenen Quellen kommen.

Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass Soldaten aus Sondereinheiten der USA, Großbritannien, Frankreich, Lettland und den Niederlanden in der Ukraine im Einsatz sind. Vermutlich sind auch amerikanische, britische und französische Geheimdienstmitarbeiter in der Ukraine. Müssten die dann nicht einen richtigeren Blick auf die Wirklichkeit haben?

Jacques Baud: Ich glaube nicht. Oder besser gesagt, nicht unbedingt. Wenn diese Spione oder Agenten Informationen direkt vom Generalstab haben, dann könnten sie das wissen. Aber diese Special Forces sind im Feld. Die sehen nur die taktische oder operative Situation, aber haben nicht unbedingt eine strategische Sicht.

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