J.Beaud: Russland intervenierte zum Schutz der Bevölkerung im Donbass, nicht aus imperialen Gründen
Ich halte Jaques Beaud als eine der zuverlässigsten, objektiven Quellen zum Krieg in der Ukraine. Es lohnt sich ihn aufmerksam zu lesen; seine Beobachtungen widersprechen zumeist fundamental dem, was uns westliche Medien und Politiker erzählen. WL

Jacques Baud war Oberst der Schweizer Armee, arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst, die Vereinten Nationen und für die Nato in der Ukraine.
Man wirft Putin immer vor, er habe diese imperialistischen Großträume und wolle über die Ukraine hinaus auch noch Moldawien und andere Staaten einnehmen. Ist da was dran?
Jacques Baud: Nein, ich glaube nicht. Es gibt einige Leute in Russland, die das im Sinn haben. Alexander Dugin zum Beispiel. Das sind Leute, die meinen, Russland müsse mehr Einfluss und mehr Territorium erlangen. Aber man muss auch sehen, dass der Grund, warum Russland in die Ukraine interveniert hat, der Schutz der Bevölkerung des Donbass war. Das werden die Russen politisch in möglichen Verhandlungen später ausnützen, um andere Ziele zu erreichen, wie die Problematik der Erweiterung der NATO. Aber der Grund für die Intervention war die Bedrohung der Bevölkerung des Donbass. Man muss sich auch erinnern, dass Putin in den russischen Medien kritisiert wurde, weil er im Jahre 2014 nicht interveniert hat.
Man vergisst in Europa, dass viele ethnische Russen in den neuen Ländern wie den baltischen Staaten oder Georgien geblieben sind, wo sie plötzlich zu einer Minderheit wurden, während sie in der Sowjetunion die Mehrheit waren. In diesen neuen Staaten entstand das Problem, dass man sich gegen die Minderheit revanchieren wollte. Das sieht man in den baltischen Staaten, in denen die Russen nicht eingebürgert wurden. Wie die russischen Minderheiten in diesen Ländern behandelt wurden, hat die öffentliche Meinung in Russland sehr stark beeindruckt.
Das zeigte sich 2021 auch in der Ukraine, als die Rechte der indigenen Völker gesetzlich geregelt wurden. Die Krimtataren, Karäer und Krimtschaken wurden als indigene Völker der Ukraine anerkannt, aber nicht die Russen. In Europa hat niemand davon gesprochen, obwohl das ähnlich ist wie mit den sogenannten Nürnberger Gesetzen 1935. In Russland hat das die Menschen stark beeindruckt. Deshalb hat übrigens Wladimir Putin zwölf Tage, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist, einen Artikel veröffentlicht. Die meisten haben den Artikel nicht gelesen, aber wenn man ihn liest, sieht man, dass es gar nicht darum geht, dass das ukrainische Volk nicht existiert, im Gegenteil. Putin sagte, man müsse akzeptieren, dass eine Minderheit da ist, die zur Geschichte der Ukraine wie die anderen Minderheiten gehört. Ein Volk besteht aus Minderheiten. Und übrigens, ist das auch der der Fall in Russland. Die Russen stellen zwar die Mehrheit dar, aber Russland selbst besteht aus Minderheiten. Für einen Russen ist es selbstverständlich, dass man ein Land wie eine große Familie betrachtet, in dem es nicht Bürger gibt, die mehr Rechte als andere haben. Das war auch so in der Sowjetunion übrigens. Das heißt, wir unterschlagen diese Themen im Großen und Ganzen und unterstützen ein Verhalten, das total gegen unsere Werte ist. Das ist das Paradox.
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Jacques Baud war Oberst der Schweizer Armee, arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst, die Vereinten Nationen und für die Nato in der Ukraine.





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