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In seinem Buch»Der verwaltete Mensch«führt H. G. Adler anhand von Gestapo-Akte vor Augen, wie Hunderttausende Menschen mit Hilfe ausgefeilter bürokratischer Verfahren entrechtet und ermordet wurden.

19. Okt.
2 Min. Lesezeit

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Als die deutsche Regierung Anfang 1945 erkannte, dass sie den Krieg verlieren werde, wurden sämtliche Gestapo-Dienststellen angewiesen, ihre „Judensachen“ zu verbrennen. Nur in einer Stadt blieben sie erhalten, in Würzburg. Diese Gestapo-Außenstelle war zuständig für Unterfranken, ein großes Gebiet. Aus deren Unterlagen hat H. G. Adler, ein Prager Jude, der vier Jahre in KZs und Arbeitslagern überlebte, das Buch geschrieben. Der Akt der Deportation ist der Dreh- und Angelpunkt zwischen Leben und Tod. Adler hat aus all den Akten zusammengetragen, wie Arbeitsamtsbeamte, Dorfbürgermeister, Stadtpolizisten mitmachten. Man liest, wie es in aller Öffentlichkeit geschah, am helllichten Tage. Wie die Juden aus den Häusern geholt wurden, wie hinterher ihr Eigentum verteilt wurde. Die Transporte wurden von Ordnungspolizei begleitet. Fahrkarten gab es dafür. In Listen, Berichten und Fotoalben ist dokumentiert, wie die Bürger Menschen aus ihrer Mitte verschwinden sahen. Götz Aly: „Ohne dieses Buch hat man vom Holocaust nur die Hälfte verstanden“


Der verwaltete Mensch

Studien zur Deportation der Juden aus Deutschland

Das bahnbrechende Werk des jüdischen Schriftstellers und Denkers H. G. Adler erschien 1974 in kleiner Auflage und war bald vergriffen. Nun ist es nach mehr als 50 Jahren wieder zugänglich – neu gestaltet und mit einem Vorwort versehen, das die eigentümliche Entstehungsgeschichte dieses Buches erzählt.

H. G. Adler, 1910 in Prag geboren, widmete sich nach fast vierjähriger KZ-Haft der Aufgabe, die Methoden der von ihm selbst erfahrenen mörderischen Verfolgung darzustellen. In seinem Buch »Der verwaltete Mensch« führt er vor Augen, wie Hunderttausende Menschen mit Hilfe ausgefeilter administrativer Verfahren entrechtet und ermordet wurden. Die wichtigste seiner vielen Quellen bilden die mehr als tausend Akten der Gestapoaußenstelle Würzburg zur sozialen Isolation, zur heimtückischen Quälerei und zur schließlich bürokratisch-arbeitsteilig abgewickelten Deportation der mainfränkischen Juden. Überall sonst wurden diese Dokumente kurz vor Kriegsende vernichtet. Adler dokumentiert den Verwaltungsvorgang der Deportation als Dreh- und Angelpunkt zwischen Leben und Tod. Mit unvergleichlicher Präzision veranschaulicht er, wie Massenmord zur Verwaltungsaufgabe von Dorf- und Oberbürgermeistern wurde, von Gemeindepolizisten, Finanzbeamten und Gestapomännern, von Bürgerämtern und Wohlfahrtsorganisationen, von Arbeits- und Grundbuchämtern, von Sparkassenangestellten, Bahnbeamten und Fuhrunternehmern. Sie alle und viele andere waren daran beteiligt.

Zu den bekanntesten Lesern von Adlers Werk zählen Hermann Broch, Theodor W. Adorno, Hannah Arendt und W. G. Sebald.



 
 
 

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