Friedenspreisträger Sands:Die in Deutschland existierende»Debattenbeschränkungen«zum Vorgehen Israels ist »beunruhigend«.»Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung.Warum also das Schweigen?«
Der Spiegel, Auszüge. In seiner Dankesrede warf Preisträger Sands der deutschen Bundesregierung am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche unanständiges Schweigen zum Vorgehen Israels im Gazastreifen und gegen Palästinenser vor. Deutschland habe in der Vergangenheit viele Gräuel angeprangert und sei aktiv geworden: »Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut«, sagte er.
Sands verwies auf das Beispiel anderer Staaten wie Großbritannien und Frankreich, die anders als Deutschland Palästina als Staat anerkannt haben. Der britische Außenminister habe Israels Handlung in den besetzten Gebieten auch als »ethnische Säuberung« bezeichnet, sagte Sands. Mit Blick auf die deutschen Verbrechen an Juden im Nationalsozialismus sagte der neue Friedenspreisträger weiter, »Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum also das Schweigen?«

Es könne schwierig sein, die Wahrheit zu sagen. Aber auch für Kritik an Israel müsse gelten: »Es ist nicht antisemitisch, es ist nicht Anti-Israel, es ist die Wahrheit.« Eine nicht rassistische Staatsräson für Deutschland, 80 Jahre nach den Nürnberger Prozessen, müsse doch wohl das Schweigen über Völkerstraftaten brechen, wo auch immer sie geschehen. »Auch wenn es Freunde sind, vor allem wenn es Freunde sind.«
Der Jurist und Schriftsteller nannte dabei seiner Meinung nach in Deutschland existierende »Debattenbeschränkungen« zum Vorgehen Israels »beunruhigend«.
Die Frage, ob Israel an den Palästinensern einen Genozid verübe oder nicht, sei "ein nutzloses Ablenkungsmanöver", setzte Sands fort: "Es gibt keine Hierarchie unter den verschiedenen Völkerstraftaten." Sie müssten angeprangert werden "und diejenigen, die anprangern - ganz gleich, welche Bezeichnung sie verwenden -, sollten nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden, nur weil sie ihre Rede- und Meinungsfreiheit ausüben."




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