EU-Mitglied Lettland verschärft den Hunger. Es will Getreideexporte über die Ostsee erschweren. Russland sucht wegen der Angriffe der Ukraine auf seine Schiffe im Schwarzen Meer neue Ausfuhrrouten.
- iffw77
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Über Ostseehäfen beliefert Russland Märkte in Afrika, Asien und Lateinamerika, darunter Algerien, Marokko, Nigeria und Brasilien.

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Lettland plant einen Tarif von 300 Prozent auf Getreideladungen aus Russland und Belarus sowie deren Abwicklung in lettischen Häfen und Terminals. Das kündigte Ministerpräsident Andris Kulbergs am Montag an. Zugleich sollen Transitladungen stärker kontrolliert und die Herkunft des Getreides genauer überprüft werden.
Der Schritt fügt sich in einen seit längerem deutlich verschärften Kurs Lettlands gegenüber russischen und belarussischen Produkten ein. Die Pläne treffen Russland, während es verstärkt nach Alternativen für seine Getreidelieferungen sucht. In Rostow am Don, Russlands „Tor zum Asowschen Meer“, gilt nach Angaben der Behörden inzwischen der regionale Notstand: Nach ukrainischen Angriffen stockt der Getreideexport und an den Hafenterminals laufen die Lager voll.
Wie der öffentlich-rechtliche lettische Rundfunk LSM unter Berufung auf Ministerpräsident Andris Kulbergs berichtet, will die Regierung nicht nur den 300-Prozent-Tarif einführen. Lettland soll künftig außerdem die Möglichkeit bekommen, Transitladungen aus Russland systematischer zu kontrollieren.
Gemeinsam mit ukrainischen Behörden und Laboren soll geprüft werden können, aus welchem Land das Getreide stammt. Hintergrund sind Warnungen aus der Ukraine, wonach Russland auch Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten exportieren könnte.
Bereits seit März 2024 verbietet Lettland die Einfuhr bestimmter Agrar- und Futtermittel aus Russland und Belarus. Das Parlament verlängerte dieses Verbot im April bis zum 1. Juli 2027.
Das bestehende Verbot betrifft vor allem die Einfuhr in den lettischen Markt. Transitlieferungen durch Lettland sowie Lieferungen für Empfänger in anderen EU-Mitgliedstaaten waren bislang davon ausgenommen. Der neue Vorstoß könnte auch Getreideströme treffen, die Lettland lediglich auf dem Weg zu anderen Märkten passieren.
Für Russland kommt der lettische Vorstoß zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wichtige Exportwege über das Schwarze und Asowsche Meer sind derzeit beeinträchtigt. Über die dortigen Häfen wurden in der Saison von Juli 2025 bis Juni 2026 laut Reuters rund 46,3 Millionen Tonnen Getreide verschifft. Das entsprach etwa 90 Prozent der russischen Getreideexporte auf dem Seeweg.
Russische Ostseehäfen beliefern bereits Märkte in Afrika, Asien und Lateinamerika, darunter Algerien, Marokko, Nigeria und Brasilien. Ein Vorteil der Ostseeroute: Die dortigen Terminals können größere Getreidefrachter abfertigen, wodurch sich längere Transportwege teilweise ausgleichen lassen.




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