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Endlich mal ein direktes Gespräch ohne Diffamierung: Online-Diskussion mit Nico Lange von der Münchener Sicherheitskonferenz, Thomas Röper (Anti-Spiegel) & Dirk Pohlmann über den Ukraine-Konflikt

9. Nov. 2024
4 Min. Lesezeit

Am Freitagabend fand zwischen Thomas Röper und Dirk Pohlmann einerseits und Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz, andererseits eine Online-Diskussion über den Ukraine-Konflikt und seine Gründe statt, die nun online ist.

von Anti-Spiegel

9. November 2024 08:00 Uhr

Ich wurde vor einiger Zeit gefragt, ob ich bereit wäre, an einer Online-Diskussion mit Nico Lange von der Münchener Sicherheitskonferenz über den Ukraine-Konflikt teilzunehmen. Da ich immer kritisiere, dass Vertreter des deutschen medialen Mainstreams oder der Bundesregierung oder ganz allgemein der Vertreter der Transatlantiker nicht zu Diskussionen mit ihren Kritikern aus den sogenannten alternativen Medien bereit sind, habe ich sofort und begeistert zugesagt.

Nico Lange ist Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz und war von 2012 bis 2017 in Leitungspositionen für die Konrad-Adenauer-Stiftung, anschließend in der saarländischen Staatskanzlei und in der Zentrale der CDU tätig. Bis 2022 war er Leiter des Leitungsstabs im Bundesverteidigungsministerium. Seit Juli 2022 ist er Senior Fellow für die Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz und ist einer der beiden Moderatoren des „Zeitenwende Podcast“, mit dem die Münchener Sicherheitskonferenz die von Bundeskanzler Scholz ausgerufene „Zeitenwende“ im Lande populär machen will und dazu unter anderem sogenannte Townhall-Gespräche mit interessierten Bürgern veranstaltet.


Endlich mal ein direktes Gespräch

Ich sage vorweg, dass es wenig überraschend ist, dass Herr Lange und ich nicht auf einen Nenner gekommen sind, aber ich möchte ihm auch hier noch einmal ausdrücklich dafür danken, dass er bereit war, an einer solchen Diskussion mit den Kritikern der deutschen und westlichen Politik teilzunehmen.

Außer mir war auch noch Dirk Pohlmann eingeladen und die Diskussion fand in einer Zoom-Konferenz statt, bei der auch Zuschauer eingeladen waren, die am Ende Fragen stellen konnten. Ich habe vorher nicht darüber berichtet und den Einladungslink nicht online gestellt, weil nicht endgültig geklärt war, ob die Veranstaltung aufgenommen und veröffentlicht werden kann. Das war erst im fast letzten Moment sichergestellt, weshalb ich am Ende dieses Artikels den Link zu der Diskussion veröffentliche.

Vorher will ich kurz über meine Eindrücke sprechen. Die Diskussion war sachlich, man hat sich grundsätzlich ausreden lassen (nur ich habe einmal gesündigt), aber leider – so mein Eindruck – ist Herr Lange kaum auf das eingegangen, was Dirk Pohlmann und ich ihm erwidert haben. Nur ein Beispiel: Herr Lange hat kürzlich ein Interview gegeben, in dem er behauptet hat, Putin hätte immer wieder gesagt, er wolle „die Ukraine vernichten“ und er wolle „überhaupt nicht reden“.

Das hat Putin nie gesagt und ich habe Herrn Lange daher nach einer Quellenangabe für Putins angebliche Aussage gebeten, worauf er erwiderte, er habe nie behauptet, dass Putin das gesagt hätte, sondern das wäre seine, Herrn Langes, Interpretation. Das war das einzige Mal, dafür entschuldige ich mich, dass ich Herrn Lange unterbrechen wollte, um ihn mit seinem Zitat aus dem Interview zu konfrontieren, was ich dann aber zurückgestellt habe, um ihn ausreden zu lassen. In dem Interview wurde Herr Lange nämlich wie folgt zitiert:

„Die Wahrheit ist: Es gibt sehr viele, die immer wieder versucht haben vor Kriegsbeginn, seit Kriegsbeginn und auch jetzt, mit Wladimir Putin zu sprechen, der sagt: Ich will die Ukraine vernichten, ich will überhaupt nicht reden.“

Nachdem ich das in meiner Gegenrede zitiert habe, ist Herr Lange leider nicht mehr darauf eingegangen, ob er vom BR falsch zitiert wurde – dann müsste er eigentlich darauf drängen, dass die das korrigieren – oder ob er es doch so gesagt hat, obwohl er weiß, dass Putin diese Aussage nie gemacht hat.


Gerne wieder!

Insgesamt war es in meinen Augen aber trotzdem eine sehr interessante Veranstaltung, denn zumindest saßen die Vertreter der verschiedenen Ansichten zu Russland und dem Ukraine-Konflikt mal „an einem Tisch“ und konnten ihre Ansichten direkt austauschen und miteinander reden, anstatt nur übereinander zu reden, wie es heutzutage im Westen leider üblich geworden ist.

Im Falle einer erneuten Veranstaltung dieser Art wäre ich sehr dafür, dass es eine Diskussion im Format von Präsidentschaftsdebatten wird, bei der ein Moderator durch die Diskussion führt und man sich direkt gegenseitig und mit gleicher Redezeit antworten kann, denn leider war mein Eindruck, dass Herr Lange alle meine, und auch Dirk Pohlmanns, Einwände, für die wir auch Quellen angegeben haben, einfach ignoriert hat.

Ich habe mir Notizen gemacht, während der Herr Lange seine Ausführungen machte, und bin in meinen Gegenreden konkret auf seine Argumente eingegangen und habe mit Quellen erklärt, warum ich zu vollkommen anderen Schlüssen komme und in vielen Fällen der Meinung bin, dass er unwahre Tatsachenbehauptungen aufgestellt hat. Leider ist er danach praktisch nicht auf meine Hinweise und Quellen eingegangen, sondern hat sich – so zumindest mein Eindruck – oft vor Antworten gedrückt. Indem er meine Argumente fast alle ignoriert hat, hat er sich leider die Möglichkeit genommen, dem Publikum und auch mir aufzuzeigen, warum mein Standpunkt auf falschen Annahmen beruht.

Das wäre in einer fair moderierten Zweier-Diskussion, in der man sein Gegenüber zu den einzelnen Themen hätte konkret fragen und auch nachhaken können, wenn man das (vielleicht ja auch unberechtigte) Gefühl hat, dass der andere einer Antwort ausweicht, nicht so einfach gewesen. Oder es wäre dem Publikum sofort aufgefallen, was leider nicht gegeben ist, wenn jede Seite in einem zehnminütigen Monolog mehrere Themen ansprechen kann, denn dabei kann man keinen einzigen Bestandteil des Konfliktes im Detail diskutieren und Argumente und Quellen austauschen, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich wirklich ein Bild von den Argumenten beider Seiten zu machen.

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn es war eine tolle Veranstaltung und ich wiederhole, dass ich es Herrn Lange hoch anrechne, dass er einer der sehr wenigen Vertreter der transatlantischen Sichtweise ist, der sich überhaupt auf eine solche Diskussion eingelassen hat. Ich für meinen Teil wiederhole, dass ich gerne bereit bin, so etwas zu wiederholen und zu vertiefen.

Nun können Sie sich die Diskussion anschauen und entscheiden, ob Sie danach einen anderen Eindruck von dem Gespräch haben, als ich es hier beschrieben habe.


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

 
 
 

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