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Die Frage lautet nicht mehr, ob Muslime Teil des Landes sind.Dies ist längst beantwortet.Wer hat keinen muslimischen Kollegen,Mitschüler, Mannschaftskameraden?Ist Deutschland bereit, das anzuerkennen?

29. Sept.
3 Min. Lesezeit

Es gibt eine politische Kultur, die dieser Realität noch immer nicht gerecht wird. Eine Kultur, die bei Terroranschlägen auf Moscheen (oder westlichen Angriffskriegen gegen muslimische Länder) schweigt, aber bei Einzeltaten von Muslimen laut wird. Die einen muslimischen Helden feiert und ihm dann die Abschiebung androht. Die mit zweierlei Maß misst – in der Innen- wie in der Außenpolitik.

Gewalt gegen Muslime steigt seit Jahren an! Wer berichtet darüber, wer diskutiert es und sucht Wege das zu stoppen?
Gewalt gegen Muslime steigt seit Jahren an! Wer berichtet darüber, wer diskutiert es und sucht Wege das zu stoppen?

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Jeder vierte Bundesbürger hat einen Migrationshintergrund. Wie aus einer aktuellen Untersuchung des Forschungszentrums im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervorgeht, lebten im Jahr 2025 zwischen 6,6 und 7 Millionen Muslime im Bundesgebiet. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil zwischen acht und 8,5 Prozent.


Dennoch wirkt die öffentliche Debatte so, als wäre die muslimische Gemeinschaft wahlweise eine Randerscheinung oder ein Phänomen des Extremismus, das es zu erklären, einzuhegen und zu kontrollieren gilt.


Berlin hat gewählt, auch die muslimischen Berlinerinnen und Berliner. Die Forschungsgruppe Wahlen hat noch am Wahlsonntag eine repräsentative Wahltagsbefragung durchgeführt, aufgeschlüsselt auch nach Religionszugehörigkeit.

Das Ergebnis ist eindeutig, zudem mit einer für Muslime überdurchschnittlichen Wahlbeteiligung. Die Linke erhielt die absolute Mehrheit, doppelt so viel wie ihr Berliner Gesamtergebnis. Dass die Linke in Berlin rund zwei Prozentpunkte mehr holte als erwartet, verdankt sie damit zu einem beachtlichen Teil den Muslimen.

Das BSW kam in dieser Gruppe auf das Dreifache seines Gesamtergebnisses, verpasste aber dennoch den Einzug ins Abgeordnetenhaus. Die SPD liegt unter Muslimen nahe an ihrem Berliner Durchschnitt, alle anderen Parteien deutlich darunter. Die FDP taucht gar nicht mehr auf. Die Grünen, die sich durchaus mit größerer Migrationskompetenz präsentieren, wurden von muslimischen Wählern dennoch links liegen gelassen und landeten nur auf dem vorletzten Platz.

Bei Katholiken und Protestanten ist das Bild anders. Die CDU ist dort mit Abstand stärkste Kraft, die Linke liegt unter ihrem Gesamtergebnis, schneidet aber weiterhin beachtlich ab. SPD, Linke, Grüne und AfD liegen nah beieinander, das BSW erhält in beiden Gruppen nur drei Prozent. Bei den Konfessionslosen kommt das Wahlergebnis dem Gesamtergebnis am nächsten.


Knapp sieben Millionen. Deutsch. Selbstbewusst, zunehmend auch fremd im eigenen Land. Ein wachsender Teil besitzt mehr als einen Pass. Viele haben deutsche und europäische Hochschulen besucht, sind akademisch gebildet, wirtschaftlich unabhängig. Die Vorstellung von der „muslimischen Gemeinschaft“ als einer Randgruppe, die auf Integration wartet, gehört der Vergangenheit an. Sie stimmt nicht mehr – wenn sie überhaupt je gestimmt hat.


Die muslimische Bevölkerung in Europa ist jung, sie ist vielfältig, sie wird ökonomisch selbständiger – und sie schaut zunehmend nüchtern auf eine Gesellschaft, die ihr noch immer mit zweierlei Maß begegnet. Das lässt sich nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa, exemplarisch für Großbritannien, belegen.


Muslime fühlen sich deutsch. Sie sind deutsch. Nur hat ein Teil der Mehrheitsgesellschaft das noch nicht verstanden. Die Deutschen muslimischen Glaubens scheren sich auch zunehmend weniger darum, was die Islamdebatte-Bubbles des Landes über sie denken. Die zahlreichen Islamkritiker und selbsternannten Experten, die seit Jahren an der Realität vorbeischreiben und -reden, verlieren an Einfluss. Nicht weil ihre Stimmen kleiner werden, sondern weil ihr Publikum – verzahnter mit der Realität, ja vielleicht auch verwandter – ihnen entwächst.


Seit Jahren beobachten wir eine zunehmende Zahl von Bedrohungen, Übergriffen und Anschlägen gegen muslimische Einrichtungen und gegen Muslime selbst. Die Täter fühlen sich zunehmend durch ein gesellschaftliches Klima legitimiert, das von rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräften, aber auch von Teilen vermeintlich konservativer Politiker der etablierten Parteien mitgetragen wird. Die fortwährende Gleichsetzung von Islam und Muslimen mit Extremismus sowie die Verbreitung des Narrativs, muslimisches Leben sei angeblich mit der hiesigen Werteordnung nicht vereinbar, haben dazu beigetragen, Ressentiments und Hass bis tief in die gesellschaftliche Mitte zu tragen.


Deutschland steht an einem Scheideweg.Auf der einen Seite gibt es eine wachsende, selbstbewusste, vielfältige muslimische Gemeinschaft, die sich als integralen Teil dieses Landes versteht, die stolz auf Deutschland ist, deutsche Werte lebt, in Deutschland investiert, studiert, Familien gründet, Verantwortung übernimmt.


Die Muslime Europas warten nicht mehr auf Anerkennung. Sie schaffen sich ihre eigenen Strukturen, ihre eigene Öffentlichkeit, ihre eigenen politischen Stimmen. Der Wandel, den Großbritannien in seiner Volkszählung dokumentiert, vollzieht sich auch in Deutschland. Die Frage lautet nicht mehr, ob Muslime ein Teil des Landes sind. Die ist längst beantwortet. Die Frage lautet: Ist Deutschland bereit, das anzuerkennen?


 
 
 

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