Die „Energievorherrschaft der USA für das nächste Jahrhundert“ sichern. Wir werden enorme Reichtümer aus dem Boden holen“, so Donald Trump nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro.

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Acht Monate später ist klar: Der US-Präsident hat die Ankündigung ernst gemeint. Als direkte Folge jener Aggression steht nun ein Öl-Deal zwischen Washington und der Übergangsregierung in Caracas, der von der einen Seite als „historisch“ gefeiert und von der anderen als neokoloniale „Plünderung“ gebrandmarkt wird.
Die Verkündung erfolgte auf die für Trump typische Weise. Am 30. August pries er auf Truth Social „den größten Öl-Deal der Weltgeschichte“, den er mit der „hochgeschätzten Interimspräsidentin“ Delcy Rodríguez ausgehandelt habe. Er sichere den USA die Kontrolle über 65 Milliarden Barrel nachgewiesener venezolanischer Ölreserven, verteilt auf 17 Förderfelder – für 100 Jahre. Tags darauf nannte Trump das Öl, immerhin rund ein Fünftel der venezolanischen Gesamtreserven, „ein Geschenk Venezuelas an das Volk der USA“. Das südamerikanische Land verfügt mit geschätzt 303 Milliarden Barrel über die größten nachgewiesenen Vorkommen der Welt.
Kontrolle statt Partnerschaft
Am Montag benannte das Weiße Haus das Unternehmen, über das der Deal laufen soll. North American Blue Energy Partners (Nabep), zweitgrößter privater Ölproduzent Venezuelas. Kontrolliert wird es vom venezolanischen Millionär Alejandro Betancourt, gegen den in der Schweiz und in Spanien wegen Geldwäsche ermittelt wird. Betancourt steht Rodríguez nahe und fungierte zudem als Mittelsmann für Mauricio Claver-Carone, der bis vor kurzem für das US-Außenministerium in Venezuela tätig war.
Der Ökonom Francisco Rodríguez erklärte bei Democracy Now, keine venezolanische Regierung hätte je ein solches Abkommen unterschrieben, „wäre das Land nicht zuvor Opfer einer Invasion geworden, und wären seine Behörden nicht mit Waffengewalt unter Druck gesetzt worden“; er sprach von „Diplomatie mit Waffengewalt“.
Bemerkenswert ist, dass der Vorwurf des Neokolonialismus keineswegs nur von links kommt. Elliott Abrams, der früher selbst als Trumps Sonderbeauftragter für Venezuela und Iran tätig war, nannte das Abkommen schlicht „furchtbar“. Er glaube, Übergangspräsidentin Rodríguez erfülle „lediglich die Forderungen, die aus Washington gestellt werden“. Die Konditionen seien derart einseitig, dass der Deal einem „Fiebertraum von Kolonialismus“ gleichkomme.
Auch wenn Trump bei der Ankündigung des Deals behauptete, dieser werde „den Amerikanern“ zugutekommen: Profiteure werden in erster Linie private Akteure wie Betancourt, aber auch US-Ölkonzerne sein, die künftig bevorzugten Zugang zu venezolanischem Rohöl erhalten sollen. Das Wall Street Journal nannte zunächst zwei Namen: den Ölkonzern Chevron, den einzigen US-Konzern, der Venezuela nie ganz verlassen hatte, sowie den Dienstleister rund um die Ölförderung Halliburton. Passend dazu kündigte Chevron am Dienstag an, seine Produktion in Venezuela in den kommenden fünf Jahren auf 600.000 Barrel täglich mehr als verdoppeln zu wollen. Dafür sollten mehr als sieben Milliarden US-Dollar investiert werden.
Der US-Regierung geht es darum, sich unabhängig vom Nahen Osten zu machen, indem sie versucht, das geopolitische Zentrum der globalen Energiemärkte zurück in den Westen zu holen. Damit agiert sie gemäß der Ende 2025 veröffentlichten nationalen Sicherheitsstrategie, in der der eigene Einflussbereich auf die westliche Hemisphäre konzentriert wird. Lateinamerika und insbesondere der Teil, den die Trump-Regierung als „Groß-Nordamerika“ bezeichnet, kommt dabei eine zentrale Rolle zu.
Doch der Deal zielt nicht allein auf Energiesicherheit, sondern ausdrücklich auch auf die Verdrängung chinesischen und russischen Einflusses aus der Region. Ein an den Verhandlungen beteiligter US-Beamter formulierte das gegenüber Reuters unverblümt. Der Deal eröffne nicht nur lukrative Gewinnmöglichkeiten für US-Ölkonzerne, sondern mache die USA zugleich zum Absatzmarkt für Öl, das zuvor nach China geflossen sei.
Von den 17 Feldern, die an Nabep übergehen sollen, wurden laut Reuters fünf zuvor von chinesischen Unternehmen betrieben, darunter die staatliche CNPC und die in Hongkong registrierte China Concord Petroleum. Ein weiteres Feld lag in einem Joint Venture zwischen der staatlichen PDVSA und einem russischen Unternehmen. Aufgrund des langjährigen US-Embargos waren es gerade chinesische und russische Firmen, die in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle im venezolanischen Energiesektor gespielt hatten.
Hatte sich Peking nach der US-Intervention im Januar noch auffallend zurückgehalten, reagierte es nun deutlich schärfer. Außenamtssprecher Guo Jiakun betonte, Chinas Aktivitäten in Venezuela seien „durch das Völkerrecht und die Gesetze beider Länder geschützt“, und forderte, Chinas „legitime Rechte und Interessen in Venezuela“ müssten gewahrt bleiben.
Wie explizit die geopolitische Stoßrichtung gemeint ist, macht ein „Fact Sheet“ des Weißen Hauses deutlich. Darin heißt es, der Deal solle die „Energievorherrschaft der USA für das nächste Jahrhundert“ sichern und „böswilligen ausländischen Einfluss aus unserem Hinterhof verbannen“ – indem China und Russland von den Ölfeldern des Landes mit den weltweit größten nachgewiesenen Reserven ausgeschlossen werden. Der Deal sei Teil der Bemühungen, die „Monroe-Doktrin wieder durchzusetzen“. Das Nachsehen haben die Länder Lateinamerikas




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