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Die 1200 Kilometer lange Leitung quer über die Arabische Halbinsel war seit Kriegsbeginn der Rettungsanker des weltgrößten Ölexporteurs. Jetzt ist er abgerissen! Die Weltölproduktion sinkt um sechs %.

14. Sept.
2 Min. Lesezeit

Wer den Gegner nach seinem Budget bewertet, so ein Bonmot in der Sicherheitspolitik, hat den Krieg schon halb verloren. An diesem Wochenende ist dieser Satz zur Rechnung geworden. Und diese Rechnung wird nicht in Sanaa bezahlt, sondern an Tankstellen in Ohio, in Frachtkalkulationen in Rotterdam und in den Renditeaufschlägen für US-Staatsanleihen, die inzwischen auf Niveaus stehen, die man seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesehen hat.

Die Faktenlage ist unübersichtlich, aber der harte Kern ist belastbar. Das saudische Energieministerium hat über die staatliche Nachrichtenagentur SPA bestätigt, dass die Ost-West-Pipeline in den Regionen Riad und Medina am Morgen des 10. Septembers mehrfach angegriffen und anschließend vorsorglich abgeschaltet wurde; es gab Verletzte, technische Teams prüfen die Anlage.


Die saudische Ölroute ist wichtig für die Weltwirtschaft

Das ist eine amtliche Bestätigung, keine Spekulation – und sie wiegt schwer, denn diese 1200 Kilometer lange Leitung quer über die Arabische Halbinsel war seit Kriegsbeginn im Februar der Rettungsanker des weltgrößten Ölexporteurs.

Rund vier Millionen Barrel pro Tag, etwa vier Prozent des globalen Angebots, wurden über sie an der blockierten Straße von Hormus vorbei nach Yanbu ans Rote Meer geleitet. Saudische Ölkäufer und Händler taxieren die Bestände in Yanbu nach Angaben von Reuters auf fünf bis sieben Exporttage. Danach wird es rechnerisch dünn.


Die Reparaturdauer ist offen; die Schätzungen reichen von Tagen bis zu fünf, sechs Wochen. Und der Angriff auf die Pipeline war, nach allem, was Riad und Bagdad sagen, kein Houthi-Angriff: Die Drohnen starteten aus irakischem Gebiet, mutmaßlich aus der Provinz Maysan, deren Operationskommandeur Ministerpräsident Ali Al-Zaidi inzwischen entlassen hat. Eine Organisation hat sich nicht bekannt.

Und trotzdem – genau hier liegt der Punkt, den man verstehen muss – ist dieser Angriff Teil derselben Geschichte.


Energiepolitisch schließlich, und das ist der vierte Punkt, bleibt die Prognose unangenehm schlicht. Die Standardmarke Brent schloss bei 104,61 US-Dollar, war am Donnerstag bei rund 108 US‑Dollar. Die Weltölproduktion sinkt nach IEA-Angaben 2026 um 5,7 Millionen Barrel pro Tag oder sechs Prozent. Saudi-Arabiens Förderung fiel von 10,9 auf 6,2 Millionen Barrel.

Die Internationale Energiebehörde nennt das die größte Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Bleibt die Pipeline zwei Wochen oder länger tot, sind dreistellige Preise nicht die Obergrenze, sondern der Boden. Trumps Ansage, der Krieg ende nach den Midterms und der Ölpreis werde dann „einstürzen“, ist Wahlkampf, keine Analyse.

Die eigentliche Lehre dieses Wochenendes ist unbequemer als jede Preisprognose. Eine Miliz mit einem Bruchteil des saudischen Verteidigungshaushalts hat es geschafft, gleichzeitig an zwei der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft zu sitzen – nicht weil sie so stark ist, sondern weil das System, das sie bedroht, so teuer, so zentralisiert und so berechenbar gebaut wurde.

 
 
 

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