top of page

Die 100 größten Rüstungskonzerne weltweit stehen vor gewaltigem Aufschwung. Rheinmetall will Umsatz von 2023 bis 2026 verdoppeln.

25. Dez. 2023
5 Min. Lesezeit

"Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen." SIPRI veröffentlicht Ranking der Top 100 Rüstungskonzerne Von Fred Schmid am 13. Dezember 2023



SIPRI: Die 100 größten Rüstungskonzerne weltweit stehen vor gewaltigem Aufschwung . Rheinmetall will Umsatz von 2023 bis 2026 verdoppeln. Rüstungsexporte aus Deutschland nach Israel fast verzehnfacht. Um 3,5 Prozent auf 597 Milliarden Dollar (preisbereinigt) gingen die aggregierten Umsätze der globalen Top 100 Waffenfabrikanten im Jahr 2022 zurück, berichtet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI Anfang Dezember, 2023.[1] Der Rückgang ist aber nicht etwa der Einstieg in die Abrüstung. Im Gegenteil. Die Dividenden steigen, und die Proletarier fallen. Rosa Luxemburg, Die Krise der Sozialdemokratie "Die Nachfrage ist stark gestiegen", schreibt SIPRI. Es ist eher wie das Luftholen vor einer großen Kraftanstrengung. Denn der im Februar begonnene Krieg um die Ukraine sorgte erst einmal für prallvolle Auftragsbücher, die erst noch in handfeste Rüstungs"güter" (so der Jargon der Branche) umgesetzt werden müssen, damit der Auftrags-Boom sich in Umsatz- und Profitzahlen niederschlägt. "Wir sehen allmählich einen Zustrom neuer Aufträge im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, und einige große US-Unternehmen, darunter Lockheed Martin und Raytheon Technologies, haben infolgedessen neue Aufträge erhalten", sagte Nan Tian, leitender SIPRI-Forscher. "Allerdings werden sich die Einnahmen aus diesen Aufträgen aufgrund der bestehenden Auftragsbestände dieser Unternehmen und der Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktionskapazitäten wahrscheinlich erst in zwei bis drei Jahren in den Bilanzen niederschlagen." Und im SIPRI Fact Sheet heißt es: "Ausstehende Bestellungen und eine Welle neuer Verträge signalisieren, dass die globalen Waffenumsätze in den nächsten paar Jahren wesentlich wachsen könnten". Der vorjährige Umsatzeinbruch ist zudem fast ausschließlich auf ein Minus bei den US-Rüstungskonzernen zurück zu führen: "Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktionskapazitäten", "anhaltende Lieferkettenprobleme und Arbeitskräftemangel aufgrund der Covid-19-Pandemie" seien die Ursachen. Dennoch bleiben die USA das waffenstarrendste Land auf der Erde: Bei nur 4% der Weltbevölkerung, kommen die US-Amerikaner auf 39 Prozent der Weltmilitärausgaben und 51 Prozent der gesamten Rüstungsgeschäfte der Top 100 Waffenfabriken. 42 der Top 100 Rüstungskonzerne haben ihren Sitz in den USA und bringen es zusammen auf 302 Milliarden Dollar Waffen-Verkäufe. Anteil an den Gesamteinnahmen aus dem Rüstungsgeschäft der Top 100

Profitquelle Krieg in der Ukraine Viele Unternehmen erhielten infolge des Krieges in der Ukraine neue Aufträge. Außerdem erfolgen wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine Nachbestellungen. Aufträge aus der Ukraine gingen bereits jetzt an Lockheed Martin und Raytheon Technologies, Nummer 1 und Nummer 2 im globalen Rüstungs-Ranking. Es folgen in der Spitzengruppe: Northrop Grumman, Boeing, General Dynamics. Diese Konzerne belegen seit Jahren die ersten fünf Plätze im Rüstungsranking, mit einem addierten Rüstungsumsatz von 191,9 Mrd. Dollar. Auf die fünf Top-US-Konzerne entfallen 32 Prozent, also fast ein Drittel des Gesamt-Rüstungsumsatzes der Top 100. Ausgewählte Hersteller von Waffen mit hoher Nachfrage in Europa und den Vereinigten Staaten im Jahr 2022

Rheinmetall-Aktienkurs 3 Jahre, 8. Dezember 2023 Die hohen Aktienkurse widerspiegeln Gewinnerwartungen der Aktionäre. Sie dürften nicht enttäuscht werden. Auf der diesjährigen Bilanz-Pressekonferenz verkündete Konzernchef Papperger bereits für 2022 einen "Rekordgewinn" (Papperger) und eine Mords-Dividende. Rheinmetall-Rekordzahlen für das Geschäftsjahr 2022 – Bilanz-Pressekonferenz: • Umsatz Gesamtkonzern: 6,4 Mrd. Euro (+13%) • Rüstungs-Umsatz: 67% des Gesamtumsatzes: 4,55 Mrd. Dollar (+ 6%) • Nettogewinn: 469 Mio. Euro + 61% • Dividende: 4,30 Euro + 30% • Auftragsbestand 26,6 Mrd. Euro = Vierfache Jahresproduktion. rheinmetall-titan-der-ruestungsindustrie Munition im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro "Die Preise für Ausrüstung und Munition schießen in die Höhe", beklagt sich der niederländische Admiral Rob Bauer, der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses. Die NATO-Staaten müssten "immer mehr" Geld ausgeben, nur um dafür "das Gleiche" an Munition und Ausrüstung beschaffen zu können. So hat Rheinmetall die Preise für die im Ukraine-Konflikt gefragte 155-Millimeter-Munition seit Beginn des Krieges um mehr als das 1,5-fache erhöht, berichtete die Zeitung The Epoch Times am 24. Oktober. Am 10. Juli hatte sich der Konzern in einem Rahmenabkommen mit dem Bundesverteidigungsministerium verpflichtet, bis 2029 Munition im Wet von 1,2 Milliarden Euro zu liefern. Aus dem von der Zeitung zitierten Dokument geht hervor, dass Rheinmetall im Rahmen des Vertrags 333.333 Granaten zu einem durchschnittlichen Preis von 3.600 Euro pro Munition liefern wird. Vor Beginn des Ukraine-Kriegs lag der Stückpreis noch bei rund 2.000 Euro pro Geschoss. Das entspricht einer Preissteigerung von mindestens 80 Prozent. "Kapazitäten hochfahren" "Handschlagqualitäten" verspricht sich Rheinmetall-Chef Papperger vom neuen Kriegsminister Boris Pistorius. Bei der Waffenbeschaffung für die Bundeswehr soll es also künftig zugehen wie am Viehmarkt: Rasche Auswahl, "schnelle Beschaffungswege" und "schnelle Genehmigungsverfahren" – Einigung per Handschlag! Pistorius signalisierte gleich bei Amtsantritt, er habe "keine Berührungsängste" mit den Rüstungsindustriellen, es müsse alles nur schnell gehen: Munition und neue Panzer. Schnell die "Kapazitäten hochfahren" ist seitdem der Schlüsselbegriff von Rüstungsmanagern und Regierung. Von einem Spitzengespräch mit dem Kanzler nimmt Hensoldt-Boss Thomas Müller den Auftrag mit: "Wir sollen die Kapazitäten hochfahren und so schnell wie möglich liefern". Bei Rheinmetall werden die Rüstungsgeschäfte riesig aufgestockt. Der Umsatz soll sich bis 2025 auf 12 Milliarden Euro verdoppeln. Der Düsseldorfer Konzern wäre dann unter den Top 20 der Welt-Rüstungsbranche zu finden. Der Schwerpunkt liegt auf Panzer aller Raubkatzen (Leopard, Gepard, Marder, Puma, Lynx, Panther,…) und Munition. Der Konzern lässt es krachen: er hat jetzt für 1,2 Mrd. Euro den spanischen Munitionsproduzenten Expal übernommen; in Ungarn wird ein neues Munitionswerk gebaut, ein Werk für Granaten und Geschosse in Sachsen und in der Munitionsfabrik in Unterlüß werden die Kapazitäten erweitert. Im Jahr 2024 will Rheinmetall durch den Ausbau der Produktionskapazitäten in den Werken in Deutschland, Spanien, Südafrika und Australien eine jährliche Produktion von bis zu 700.000 Artilleriegeschossen sicherstellen. Der Konzern will zudem bereits in Kürze die Produktion in der Ukraine aufnehmen. Vorstandschef Armin Papperger will dort "nach etwa sechs bis sieben Monaten das erste radgetriebene Fahrzeug fertig haben – und nach zwölf bis 13 Monaten den ersten [Schützenpanzer] Lynx". Daneben setzt das Unternehmen stark auf die Vereinigten Staaten, deren Streitkräfte es schon lange beliefert. Die Beziehungen sind mittlerweile so eng, dass Rheinmetall den Auftrag erhalten hat, für das Exportmodell des Kampfjets F-35A Lightning II Rumpfmittelteile zu bauen; der F-35 wird unter Führung des US-Konzerns Lockheed Martin, des mit einigem Abstand umsatzstärksten Rüstungsunternehmens weltweit, hergestellt. Bestärkt wurde der Konzern in seinen Vorhaben durch den "Munitionsgipfel" Ende vergangenen Jahres im Kanzleramt. Wenn es noch einer Illustration des "Militär-Industrie-Komplexes" bedurfte, dann mit dieser Runde. Die Spitzen von Politik, Militär und Rüstungsindustriellen trafen sich im exklusivsten Regierungsgebäude, um zu beraten wie man schnell und in großen Mengen Pulver, Patronen und Granaten beschaffen könne. Rüstung hat Vorrang Mit jeder abgeschossenen Artilleriegranate fliegen drei Kindergartenplätze durch die Luft. Mit jedem Schuss eines Puma-Panzers explodieren zwei Bürgergeld-Regelsätze. Für 20 Milliarden Euro will die Bundesregierung schnellstens Munition beschaffen; kaum weniger als im Bundesetat 2023 für das Ressort "Bildung und Forschung" vorgesehen sind: 20,5 Milliarden Euro. Pisa lässt grüßen! Gemetzel in Gaza mit deutscher Unterstützung. Rüstungsexporte aus Deutschland nach Israel fast verzehnfacht Die Bundesregierung gibt dem Gemetzel der israelischen Armee in Gaza nicht nur diplomatische, politische und mediale Unterstützung, sondern liefert auch Rüstungsgüter. Die Bundesregierung hat bis Anfang November dieses Jahres deutlich mehr Rüstungsexporte nach Israel genehmigt als im Vorjahr. Der Wert der Waren stieg von 32 auf 303 Millionen Euro. Der Großteil wurde seit Beginn des israelischen Vernichtungskrieges in Gaza bewilligt. Details zu Lieferungen nennt die Bundesregierung grundsätzlich nicht, auch, damit beteiligte deutsche Unternehmen nicht erkennbar sind. Etwas Licht in das Dunkel bringt: Der israelische Merkava-Panzer, der in Gaza Wohn- und Krankenhäuser, Einrichtungen der UN und Schulen dem Boden gleichmacht, wird mit einem Dieselmotor angetrieben, der in den Konstruktionsbüros der deutschen MTU entwickelt wurde. Die 120-Millimeter-Kanone entspricht der im deutschen Leopard 2. Der Panzer Leopard 2 ist eine Entwicklung von Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Rheinmetall steuert unter anderem die Kanone und das Feuerleitsystem bei, während KMW unter anderem das Fahrgestell produziert. Zudem hat Israel die Bundesregierung um Munition für Kriegsschiffe gebeten. Rheinmetall kann liefern. [1] The SIPRI Top 100 Arms-producing and Military Services Companies, 2022 https://www.sipri.org/publications/2023/sipri-fact-sheets/sipri-top-100-arms-producing-and-military-services-companies-2022

 
 
 

Kommentare


bottom of page