Das andere Israel: Israelische Journalisten enthüllen im Dokumentarfilm NAZA anhand von Interviews von 24 israelischen Geheimdienstmitarbeitern Israels Tötungsmaschine für Palästinenser in GAZA.
Die Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor beleuchten in «NAZA» mutmassliche Mechanismen hinter den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen. Die Filmemacher zeigen in der Dokumentation anonymisierte Interviews mit 24 israelischen Geheimdienstmitarbeitern, die detaillierte Einblicke in ihre Operationen geben. Sie wurden nachts auf Dächern in Tel Aviv befragt.
Offiziere berichten in nüchternem Ton von Tötungen
Der Titel «NAZA» bezeichnet demnach einen internen Code des israelischen Geheimdienstes. Dieser Begriff steht als militärisches Kürzel für die Anzahl von Zivilisten, die bei einem Angriff sterben.
Die Aussagen der befragten Geheimdienst-Offiziere dürften besondere Aufmerksamkeit erregen. Sie erklären die technische und logistische Vorgehensweise bei der Zielerfassung in Gaza in einem auffallend nüchternen, bürokratischen Tonfall. In den Gesprächen fallen distanzierende Phrasen wie «Ich bin nur ein kleines Rädchen» oder «Ich kann nur sagen, dass wir die Mission erfüllen».
Ganz vereinzelt sind aber auch selbstkritische Worte zu hören. Ein Offizier sagt am Anfang, er müsse anonym bleiben, weil er in Israel sonst ins Gefängnis käme.
Ein Film von zwei jüdischen Israelis
Die Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor sind israelische Juden. «Das scheint mir die Art von Film zu sein, die nur israelische Filmemacher und Regisseure hätten drehen können», sagte der «Guardian»-Journalist und Produzent Paul Lewis.
Abraham fügte hinzu: «Wir befassen uns mit einem System, von dem wir wissen, dass wir darin Privilegien geniessen, dass wir darin eine gewisse Macht haben – einem System, das wir ablehnen und dessen Zustand wir für ungerecht halten –, um das, was wir aus unserer Position heraus tun können, zu nutzen.»
Israel betont immer wieder, seine Angriffe im Gazastreifen zielten nur auf Mitglieder von Terrororganisationen, man bemühe sich, zivile Opfer zu vermeiden. Die im Film interviewten Offiziere sagen, zivile Opfer seien stets in Kauf genommen worden.
Bezug zum Holocaust-Film von Claude Lanzmann
Der Film bezieht sich an einer Stelle auf den Filmemacher Claude Lanzmann, der in seinem Dokumentarfilm «Shoah» Zeitzeugen zum Holocaust befragte. «Wenn wir sagen: ‹Nie wieder›, wenn wir sagen, dass wir aus den Ereignissen des Holocaust lernen wollen, dann besteht der Weg dahin darin, über Muster nachzudenken, die übertragbar sind und in unserer Gegenwart erkennbar und beobachtbar sind», sagte Abraham.
Er wolle damit nicht sagen, dass der Holocaust und das Vorgehen des israelischen Militärs im Gazastreifen vergleichbar sind, ergänzte er. «Ich glaube nicht, dass es das ist. Ich denke, was wir sagen und tun sollten, ist, ähnliche Muster der Entmenschlichung zu erkennen.»

NAZA ist ein Dokumentarfilm von Yuval Abraham und Rachel Szor aus dem Jahr 2026. Die britische Produktion entstand in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung The Guardian. Der Titel soll auf ein hebräisches Militärkürzel für „Kollateralschaden“ zurückgehen. NAZA wurde im September 2026 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt.
Inhalt
Innerhalb von drei Jahren wurden nachts auf den Dächern der israelischen Küstenstadt Tel Aviv geheime Interviews mit israelischen Soldaten geführt. Diese belegen, dass Israel systematisch und „gezielt massenhaft Tötungen an palästinensischen Zivilisten in Gaza“ durchgeführt habe. Ca. 40.000 Zivilisten sollen so etwa bei Bombardierungen von Wohnhäusern zu Tode gekommen sein.
Viele der im Film zusammengeführten Enthüllungen wurden bereits in den Monaten nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 vom +972 Magazine und Local Call in Zusammenarbeit mit der britischen Tageszeitung The Guardian veröffentlicht.[1]
Titelgebend für den Film war ein Akronym aus dem israelischen Militärjargon. Nach Aussage der Regisseure wird es „euphemistisch“ verwendet, wenn die Zahl der Zivilisten angegeben wird, die bei einem israelischen Luftangriff voraussichtlich getötet werden.[2]
Hintergrund
NAZA ist der zweite Langfilm der israelischen Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor. Beide haben bereits zuvor als Regisseure des vielfach preisgekrönten Dokumentarfilms No Other Land (2024) auf sich aufmerksam gemacht. Der Inhalt von NAZA basiert auf Enthüllungen, die zwischen 2023 und 2025 zuerst vom palästinensisch-israelischen Online-Portal +972 Magazine, der hebräischsprachigen Nachrichten-Webseite Local Call (hebräisch שיחה מקומית Sicha Mekomit) und The Guardian veröffentlicht wurden. Die britische Tageszeitung trat neben James Wilson (JW Films) bei dem Filmprojekt auch als Produzent auf. Wilson wiederum hatte gemeinsam mit Regisseur Jonathan Glazer an dem Oscar-prämierten Spielfilm The Zone of Interest (2023) zusammengearbeitet. Glazer war als Executive Producer an NAZA beteiligt. Ebenfalls unterstützt wurde das Projekt von den Unternehmen Placeholder Films und Unseen Hand.[2]
weiter: NAZA (Film) – Wikipedia





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