US-Politiker scheinen die finale Entscheidung mit China zu suchen, um ihre Vorherrschaft zu erhalten

Aktualisiert: 29. Nov. 2021

Conrad Schuhler: Die Friedensbewegungen sollten dem Aufbau des Feindbildes China und der Aufrüstung zur Vorbereitung eines Krieges gegen das Land entgegenwirken und und eine neue Entspannungspolitik einfordern und durchzusetzen versuchen: eine neue Entspannungspolitik: Angesichts der atomaren Bewaffnung beider Staaten geht es um nicht weniger als die Sicherung des Überlebens der Menschheit.


Wir befassen uns mit der gefährlichen globalen Auseinandersetzung bei der Friedens-Vernetzungswerkstatt der IFFW am Freitag, 3. Dezember, um 19 Uhr über ZOOM. Ihr seid herzlich eingeladen: Der Link: https://us02web.zoom.us/j/3216854044 Das Treffen ist in Englisch. Wir wollen es aber demnächst auch noch in Deutsch machen. Reiner Braun von der Kampagne Abrüsten statt Aufrüsten wird bei dem Treffen die hohe Dringlichkeit der Forderung nach einer neuen Entspannungspolitik beschreiben. Die Beiträge von Conrad Schuhler und Noam Chomsky und von Reiner Braun zum Koalitionsvertrag dienen für Interessierte zur Vorbereitung.


Die Einschätzung von Conrad Schuhler, der auch das Buch mit dem obigen Titel verfasst hat, das unten besprochen wird.



Die USA nach dem Afghanistan-Desaster: Mit aller Kraft gegen den systemischen Feind China – droht ein großer Krieg? 17. November 2021 Conrad Schuhler


Der Abzug der US- und aller Nato-Truppen aus Afghanistan wurde von Trump im März 2020 in Doha mit den Taliban zum 1. Mai 2021 ausgehandelt und von Präsident Biden dann im September 2021 vollzogen. (20) Diese Daten offenbaren die komplette Unfähigkeit der deutschen Außen- und Militärpolitik, die sich noch anderthalb Jahre nach dem Doha-Abkommen vom Abzug der US-Truppen überrascht zeigte. Während die USA 98% ihrer lokalen Hilfskräfte ausfliegen konnten, ließen die deutschen Truppen mindestens 80% ihrer über 30.000 Ortskräfte in den Händen der Taliban zurück. Biden hatte den Abzug mit der vollkommen neuen strategischen Außen- und Militärpolitik begründet: „Man muss eine kritische Sache verstehen: Die Welt ist dabei, sich zu ändern. Wir sind in einem ernsten Wettbewerb mit China. Wir müssen mit Drohungen an verschiedenen Fronten mit Russland umgehen… Wir müssen Amerikas Wettbewerbsfähigkeit steigern, um diese neuen Herausforderungen im Wettbewerb des 21. Jahrhunderts zu bestehen.“ Und er setzte hinzu: „Die Entscheidung über Afghanistan ist nicht einfach über Afghanistan. Es geht um das Ende einer Ära größerer Militäroperationen, um andere Länder umzubauen“. Das bedeutet einmal die strategische Umorientierung der Kräfte des Landes auf die strategischen Hauptfeinde, Nr.1 China, Nr. 2 Russland. Schon im Programm der Demokraten im Wahlkampf gegen Trump wie später in den „Prioritäten“ der Biden-Harris-Regierung werden die beiden Ziele nebeneinandergestellt: Das in tiefer sozialer Ungleichheit zerrissene Land soll geeint und so mit neuer Kraft in den Kampf gegen den antagonistischen, „autoritären“ Gegner China mit seinem ersten Adjutanten Russland geführt werden. „Größere Militäroperationen zum Umbau anderer Länder“ übersteigen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der wankenden Supermacht USA. Afghanistan kostete die USA, wie Biden vorrechnet, 20 Jahre lang jeden Tag 300 Millionen $; dort kämpften über die Jahre 800.000 Mann und Frau an Truppen, die großenteils traumatisiert in die Heimat zurückkehrten; rund 21.000 Verwundete und 2.461 Tote waren zu beklagen. Weder politisch – die Toten, Verwundeten und Traumatisierten kommen aus der unteren Mittelschicht, als deren Vertreter sich Biden ansieht – noch wirtschaftlich können die USA diese Last eines Weltpolizisten auf die alte Art leisten. Das Land liegt, gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP), längst hinter China und wird von diesem jedes Jahr weiter distanziert. Rangliste der Volkswirtschaften (BIP) nach Anteilen am Welt-BIP LandRang2020 (Billionen $)2021 (Bio $)Anteil am Welt-BIP (2020)China124,226,719,1 %USA220.821,915,7 %Indien38,79,76,9 %Japan45,25,83,9 %Deutschland54,54,73,4 %Quelle: statisticstimes.com; Daten für 2021: Prognosen des IWFChina und die USA führen mit weitem Abstand. Nach Einschätzung der US-Regierung zerfällt die Welt in zwei Blöcke, die Demokratien, worunter der Westen zu verstehen ist, und die Autokratien, wozu vor allem China und Russland zu zählen sind. Biden will „die Sicherheitskräfte stärken, die demokratischen Allianzen rund um den Globus wieder aufbauen, die amerikanischen Werte und Menschenrechte an die Spitze führen und die amerikanische Mittelklasse ausstatten, in der Weltwirtschaft zu führen“. Also kein nation building mehr rund um den Globus, um überall den american way of life einzuführen, da wären die Kosten an Geld und Leben für die USA zu hoch. Aber durchaus „Sicherheitskräfte“, die schnell und gründlich zuschlagen können und die auch womöglich keine langfristig vor Ort stationierten Truppen mehr brauchen, kann doch ein Großteil der militärischen Drecksarbeit von Drohnen und anderer Art präziser ferngesteuerter Waffentechnik übernommen werden. Dabei werden die USA, erläuterte Biden im September 2021 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, einen Fokus richten „auf die Regionen, die wie der Indopazifik heute und morgen zu den wichtigsten gehören, so werden wir dies mit unseren Alliierten und Partnern tun. Und wie die USA versuchen, die Welt zur Aktion aufzurütteln, so werden wir dies nicht nur mit dem Beispiel unserer Macht tun, sondern auch, so Gott will, mit der Macht unseres Beispiels.“ Biden ruft also den Indopazifik offiziell zur Hauptkampflinie zwischen den im antagonistischen Wettbewerb stehenden Blöcken aus. Dies ist einerseits aus der Perspektive des US-Präsidenten verständlich, sind doch vier der fünf Haupt-Wirtschaftsmächte der Welt rund um den Pazifik angesiedelt: die USA, Japan, Indien und China. Mit Russland und Indonesien folgen hinter Deutschland zwei weitere auf den Plätzen sechs und sieben. Der Indopazifik ist die bestimmende globale Region, so wie es der Transatlantik die Jahrhunderte zuvor war. Dass die USA hier aber mit der Macht ihres Beispiels, also ihrer eigenen gesellschaftlichen Verfassung punkten könnten, diesen ideologischen Überlegenheitsanspruch lassen die eigenen BürgerInnen ihrer Regierung nicht durchgehen. Das Pew Research Center hat Ende Oktober 2021 eine Untersuchung der politischen Haltungen der Bevölkerungen in 17 hochentwickelten Ländern untersucht. Ihren Befund haben die Forscher so überschrieben: „Die Bürger in hochentwickelten Volkswirtschaften wollen signifikante Wechsel in ihren politischen Systemen“. Im Durchschnitt der 17 Bevölkerungen sprachen sich 56 % für größere Reformen oder für die komplette Umgestaltung ihrer politischen Systeme aus. In den USA waren es 85 %, womit sie nur noch von Italien (89) und Spanien (86) übertroffen wurden. Deutschland erwies sich mit 52 % für grundlegende Reformen als relativ konservativ (auf einer Stufe mit Großbritannien oder Taiwan). In den USA aber sind beinahe fünf von sechs BürgerInnen grundsätzlich unzufrieden. Und drei von fünf zweifeln daran, dass das System diesen notwendigen Wandel herstellt. Diese Untersuchung wurde in der Frühzeit der Präsidentschaft Bidens durchgeführt. Damals, im Februar 2021, waren 57 % der WählerInnen zufrieden mit Bidens Amtsführung. Im Oktober 2021 sind es nur noch 42 %. Während sich die Programme für den gelinden Wandel im Innern der USA im Kongress totlaufen, treibt Biden seine außen- und sicherheitspolitischen Vorstellungen schnell voran. David Vine bilanziert, in Anspielung auf die Building Back Better-Propaganda der Biden-Truppe: „When It Comes to China, Biden Builds Back Worse“, was China anbelangt, ist Bidens Rückbau schlechter. https://www.laprogressive.com/biden-builds-back-worse/ Schon Trump hatte im „Quad“ Australien, Indien, Japan und die USA zu einem politisch-militärischen Block gegen China zusammengeschlossen. Biden ging mit AUKUS, einem militärisch geprägten Bündnis zwischen Australien, dem United Kingdom (Großbritannien) und den USA, einen großen Schritt weiter. Zum Einstand stießen die USA ihren französischen NATO-Partner aus einem Waffendeal mit Australien, dem nun acht atomgetriebene U-Boote von den USA geliefert werden. Solche U-Boote sind Offensivwaffen, da sie monatelang vor Chinas Küsten unter Wasser bleiben und kaum entdeckt werden können. Zudem wird durch den Vertrag die Weitergabe von Atomtechnologie und hoch angereichertem Uran an Australien möglich, das damit seine U-Boote mit Treibstoff versorgen kann. Die Vertragsparteien nennen China als ihr wesentliches Ziel, sie bringen damit die Welt „an den Rand des Abgrunds“. Was wäre, schreibt Vine, wenn China und Russland Venezuela mit atomgetriebenen U-Booten versorgten, die atomar bestückt und schwer zu orten unter Wasser vor der Küste der USA manövrierten? Wir könnten sicher sein, sie würden wie 1962 in der Kuba-Krise mit der vollen Mobilisierung ihres Atomwaffenpotentials reagieren, damals die unmittelbare Drohung eines Dritten, diesmal mit einem alles vernichtenden Weltkrieg. Obwohl China seine Reaktionen relativ zurückhaltend dosiert, treiben die USA ihre militärische Hochrüstung gegen China schnell voran. Zwei Ziele stehen jetzt im Vordergrund. Erstens soll Kanada in die Front gegen China eingereiht werden, der AUKUS soll zum CAUKUS werden. In „The Diplomat“, einer dem Pentagon nahestehenden Publikation, in der Autoren des Chicago Council on Global Affairs veröffentlichen – ein Think Tank der US-Superpower-Strategen – wird vorgerechnet, dass Kanada die längste Küstenlinie der Welt hat, viermal so lang wie die Australiens, seine Bevölkerung fast doppelt so groß sei wie die Australiens und dennoch sein Rüstungsetat geringer sei. Überhaupt: Canada is Missing in Action. Das müsse sich schleunigst ändern, Kanada müsse seine Rolle als pazifische Macht wahrnehmen und an der Seite der USA sich einreihen. Das zweite Ziel der Pentagonplaner ist Indien, eines der Quad-Mitglieder. Bisher treibe Indien eine Schaukelpolitik zwischen den USA und Russland, was man schon an der Ausrüstung der indischen Armee sähe. Dieses Nebeneinander von russischen und von US-Waffen könne nicht weitergehen, sei auch von der Informationstechnik her nicht mehr möglich. Indien müsse aufrüsten und zweitens ein aktiver Teil der westlichen Bündnisse gegen China und Russland werden. Drittens will Washington seine transatlantischen Partner auf den Kreuzzug gegen China einschwören. Bei Deutschland fiel ihm dies einerseits nicht schwer. Schon im Dezember 2020 hat die Bundesregierung „Indo-Pazifik-Leitlinien“ beschlossen, in denen sie unverhüllt ihr strategisches Interesse an der Region und daraus entspringende militärische Konsequenzen kundtat: „Als offene, global ausgerichtete Volkswirtschaft sind für Deutschland freie Handelswege und maritime Sicherheit von vitaler Bedeutung. Über 20 % des deutschen Handelsaustausches findet im indopazifischen Raum statt. Das deutsche Handelsvolumen mit der Region hat sich in den letzten 15 Jahren nahezu verdoppelt.“ Zwar weise die Mehrzahl der Staaten des Indo-Pazifiks „ein hohes Maß an innerer Stabilität auf“, doch gäbe es auch „ungelöste Territorialfragen sowohl zu Lande als auch zu See, Konflikte um natürliche Ressourcen und die sich verschärfenden Gegensätze zwischen China und den USA“. Vor wenigen Jahren noch war der damalige Bundespräsident Köhler wegen einer ähnlichen Äußerung – Deutschland müsse seine Handelswege im Zweifel auch militärisch sichern – aus dem Amt gejagt worden. Diesmal sandte die Bundesregierung die Fregatte „Bayern“ als „aktiven Beitrag zur Stärkung der internationalen Ordnung“ in die umkämpfte Region. China hat der Fregatte auf ihrer Ordnungsfahrt die Einfahrt in den Hafen von Shanghai untersagt. Mit den indopazifischen Leitlinien wird die fernöstliche Region zum Aufgabengebiet von Bundeswehr und NATO erklärt. Im Gegenzug könnten die Chinesen jetzt mit derselben Begründung ihre Kriegsschiffe in Nordsee und Mittelmeer kreuzen lassen. Der Weg zum großen Konflikt würde immer weiter geöffnet. Allerdings zeigt gerade die Begründung der deutschen Regierung, dass ihre Interessen anders liegen als die der US-Regierung. China ist seit 2016 der größte Handelspartner Deutschlands. Die Säulen der Industrie des deutschen Exportweltmeisters – Kraftwagen und Maschinenbau – finden einen einem immer größeren Teil ihrer Umsätze in China. Eine harte Konfrontation, wie von den USA gewünscht, liefe den deutschen Interessen zuwider. Auch Frankreich läuft seit Jahren Sturm gegen das Diktat aus Washington, der AUKUS-Coup der USA hatte Frankreich dazu gebracht, seinen Botschafter aus den USA zeitweilig abzuberufen. Im Kampf gegen China werden die USA ihren Block nicht in Reih und Glied hinter sich versammeln können. In Wahrheit geht die Gefahr nicht von China, sondern von der aggressiven Politik der USA aus, die von Trump begonnen wurde und von Biden sogar noch zugespitzt wird. Die USA haben einen fast dreimal höheren Rüstungsetat als China; sie haben sieben Militärstützpunkte allein in Australien und fast 300 weitere in Ostasien, sie bauen jetzt Quad und AUKUS zu Militärpakten aus, die China militärisch einschnüren und reif machen sollen für einen Erstschlag. Biden hat im Oktober 2021 die Drohung wiederholt, bei einem Konflikt mit China sofort Taiwan – das von China als abgefallene Provinz betrachtet wird, die von den USA vom ersten Tage an subventioniert wird – militärisch zu unterstützen. Vor den Vereinten Nationen hat Biden zwar erklärt, das Letzte, was er wolle, sei „ein neuer kalter Krieg oder eine Welt, die in rigide Blöcke eingeteilt“ sei. Aber das ist bloße Rhetorik, die Wahrheit steckt in diesen Taten – einer rapiden Hochrüstung, immer schärfer zugespitzt auf ein Ziel: China. In der Weltöffentlichkeit haben sich zwei Probleme zu Recht in den Vordergrund gedrängt: erstens die Ruinierung des Planeten durch Plünderung der Ressourcen und durch Vergiftung der Umwelt und zweitens die Reservierung des Reichtums für das Top 1% und die soziale Unsicherheit für den Rest und Armut und Not für immer mehr. Als drittes muss hinzutreten: der Kampf gegen die Kriegstreiberei und Aggressionspolitik der USA und ihrer Alliierten. Nach einem Atomkrieg hätte dieser Planet für die Spezies Mensch keine Zukunft mehr. Die USA nach dem Afghanistan-Desaster: Mit aller Kraft gegen den systemischen Feind China – droht ein großer Krieg? – isw München (isw-muenchen.de)



Conrad Schuhler ist Leiter des ISW.

Im Juni 1990 haben kritische Wirtschafts- und SozialwissenschaftlerInnen zusammen mit GewerkschafterInnen in München das isw – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. gegründet. Seitdem haben wir fast zweihundert Studien und Berichte veröffentlicht.

Das isw versteht sich als Wirtschaftsforschungs-Institut, das alternativ zum neoliberalen Mainstream Analysen, Argumente und Fakten für die wissenschaftliche und soziale Auseinandersetzung anbietet. Unsere Themen und Forschungen beziehen sich deshalb in besonderem Maß auf die „Bedürfnisse“ von Gewerkschaften und von sozialen, ökologischen und Friedensbewegungen. Unser Anspruch ist, Wissenschaft in verständlicher Form darzustellen und anschaulich aufzubereiten. Deshalb sind isw-Ausarbeitungen auch besonders geeignet für Unterricht und Schulungsarbeit und als Grundlage für Referate und Diskussionen. Die Mehrheit unserer LeserInnen, AbonnentInnen und Förder-Mitglieder sind Menschen, die sich in Bewegungen und Gewerkschaften engagieren.

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Wie weit noch bis zum Krieg?“ – eine Rezension 6. Dezember 2020 Ulli Sander


Conrad Schuhler hat ein wichtiges Buch über die Neuverteilung der Hegemonieposten in der Welt vorgelegt. Er fragt, wann mit einem großen Krieg gerechnet werden kann, muss. Und er untersucht die Chancen des Widerstands dagegen. Es ist allen Friedensaktivisten und –initiativen zu empfehlen, das gleich vorweg, das Buch von Conrad Schuhler „Wie weit noch bis zum Krieg?“ Es ist dramatisch – und notwendig. Was viele schon insgeheim befürchteten, dass es zum großen atomaren Krieg kommen könnte, wagt Schuhler auszusprechen. Nicht weit zum Krieg, aber noch mit Fragezeichen. Ausführlich erörtert wird die Gefahr eines „Dritten Weltkriegs“ als Neuauflage der „Falle des Thukydides“ (454 v. Chr. bis 396 v. Chr.), wonach ein Herausforderer den alten Hegemon der Weltordnung nur durch einen Krieg ablösen könne. China weist diese Zumutung von sich. Chinas Militärkraft wäre für solches Tun auch unzureichend. Jedoch Chinas Spurt an die Spitze der Weltwirtschaft hat wissenschaftliche und publizistische Meinungsmacher im Westen irritiert. Und die Führer des Westens alarmiert. Der Autor untersucht die Argumente der westlichen Wissenschaft der gegen Chinas ökonomisches und gesellschaftliches Wachstum und erläutert das chinesische Konzept vom guten Leben als Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaftspolitik. Vorgestellt wird die „Neue Seidenstraße“ als „Globalisierung auf Chinesisch“. Die Hauptgefahr sieht Schuhler darin, dass die USA ihre globalen Führungsansprüche auf die Dauer nicht mehr mit „zivilen“ Mitteln durchsetzen und somit in Versuchung geraten können, ihre weit überlegenen militärischen Mittel einzusetzen. Das Buch ist auch nach der US-Wahl von Bedeutung, denn die Hauptströme der US-Politik verlaufen auch unter Biden wie vorher. Was die Entwicklung besonders dramatisch macht, ist die alte und neue Unterwürfigkeit der deutschen Politik gegenüber den USA. Annegret Kamp Karrenbauer laut „Ruhrnachrichten“ vom 18.11.20: Europa könne sich auf absehbare Zeit nicht ohne die USA verteidigen. AKK will ein klares Bekenntnis Deutschlands zur atomaren Abschreckung der Nato; eine gemeinsam Strategie mit den USA gegenüber China; eine weitere Erhöhung der Rüstungsausgaben (2 % des BIP). Es wird die russische und chinesische Gefahr an die Wand gemalt, wie zu Adenauers Zeiten, in denen der Kanzler von Mal zu Mal „Ich sage nur China, China, China!“ ausrief und vor der UdSSR warnte. Konrad Adenauer sagte im Jahr 1952, als er die westdeutsche Aufrüstung als notwendig beschwor: Es gelte, „mitzutun und mit zu handeln“ im Kampf darum, „ob Europa christlich bleibt oder heidnisch wird.“ Daher müsse „ein Damm“ errichtet werden gegen den „sowjetrussischen Nationalismus“ – der „besonders gefährlich“ sei, weil er „getragen“ werde „vom Kommunismus, der die Herrschaft der Welt erstrebt“. Der Kommunismus ist fort, aber der Nationalismus der Russen noch da. Daher die Einkreisungspolitik auch heute noch. Westdeutschland, so Adenauer 1952 im Bundestag, müsse rüsten, und wer dagegen sei, liefere „die Völker Westeuropas, insbesondere unser deutsches Volk, der Knechtschaft durch den Bolschewismus aus“[1]. Zu China schreibt Schuhler bereits in der Einleitung, die Fortexistenz des ideologischen Klassenkampfes betonend: „Die Chinesen konkurrieren nicht nur mit ihrem Bruttoinlandsprodukt, sie konkurrieren mit ihrer Ideologie. Und sie scheinen mit ihrer Praxis zu belegen, dass der Markt, wenn er nach den Vorschriften der privaten Profitmaximierung eingesetzt wird, gegen einen sozial orientierten ‚Sozialismus chinesischer Prägung‘ verliert.“ Der Autor untersucht die Argumente der westlichen Wissenschaft gegen Chinas ökonomisches und gesellschaftliches Wachstum und erläutert das chinesische Konzept vom guten Leben als Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaftspolitik. Vorgestellt wird die „Neue Seidenstraße“ als „Globalisierung auf Chinesisch“. Eine Chance auf Zukunft gibt es für den Autor, wenn die Bewegungen für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Umwelt das globale Kapital mit seinen rücksichtslosen Verwertungsinteressen als gemeinsamen (!) Gegner erkennen und bekämpfen. Schuhler warnt: „Die stillen chronischen Bedrohungen durch Luftverschmutzung, Wassermangel und Klimawandel werden sich deutlich bemerkbar machen und viel öfter als in der Vergangenheit zu Zusammenstößen führen.“[2] „Es ist Atomkriegszeit,“ warnt Schuhler. Die Friedensbewegung habe in den 1980er Jahren, als sie die USA und die Sowjetunion zum INF-Vertrag drängte, Erfolg gehabt. Es kam zum Verbot landgestützter Atom-Mittelstrecken. Auch diesen Vertrag haben die USA aufgekündigt, sie wollen in Osteuropa und Asien Atomraketen stationieren. Jedoch: „Die Woge des globalen Protestes gegen Klimakatastrophe und Umweltverschmutzung gibt Hoffnung. Ob Frieden, Klima oder der Horror, der Flüchtlinge aus ihrem Land treibt – die Ursache liegt in den Imperativen der globalen Kapitalverwertung. Wenn die sozialen Bewegungen daraus die Konsequenz ziehen, gemeinsam zu kämpfen, haben wir eine Chance auf Zukunft“[3]. Conrad Schuhler: Wie weit noch bis zum Krieg? Die USA, China, die EU und der Weltfrieden Paperback, 143 Seiten, € 12,90 PapyRossa Verlag, Köln 2020 ISBN 978-3-89438-727-3 Conrad Schuhler, *1940, Diplom-Volkswirt. Hat an den Universitäten München und Manchester sowie an der Yale University und in Berkeley / USA studiert. Langjähriger Vorsitzender des Instituts für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) in München. [1] lt. Gösta v. Uexküll (1987): Konrad Adenauer, S. 78/79. Reinbek [2] Conrad Schuhler (2020): Wie weit noch bis zum Krieg?, S. 115. Papyrossa [3] ebd., S. 9

„Wie weit noch bis zum Krieg?“ – eine Rezension – isw München (isw-muenchen.de)

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Die USA des Joe Biden 3
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ähnliche Einschätzung der Gefahr von Noam Chomsky:

Chomsky verurteilt Bidens Provokationen gegen China: Sie sehen Chinas reine Existenz als Bedrohung


In der Außenpolitik setzt Biden Trumps Politik fort, sogar ihre extremsten Schritte. Wir brauchen einen Zusammenschluss der Völker und Staaten gegen das Bestreben der US-Politik, mit allen Mitteln und auch mit Krieg ihre Vorherrschaft behaupten zu wollen: In Zeitalter der Atomwaffen bedroht dieses Bestreben das Überleben der ganzen Menschheit. Wir wollten eine neue Entspannungs- und Abrüstungspolitik einfordern und durchsetzen. Wir sollten unsere Chancen nutzen und selbst den Vertrauensaufbau zwischen den Völkern, vor allen dem Menschen in den USA, Chinas und Russlands vorantreiben als Basis für den Übergang zu einer multipolaren Welt: dieser Übergang wurde bereits 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der UNO-Charta beschlossen, konnte sich aber bisher nicht durchsetzen, vor allem auch, weil der politische Druck der Bürger der Welt zu schwach sind, weil sich die meisten der Gefahren nicht bewusst sind, in der wir weltweit alle schweben durch den ungelösten Konflikt um die globale Vorherrschaft. Wir wollen in einer Veranstaltung über ZOOM am Freitag, 3. Dezember, ab 19 Uhr diskutieren, was die Friedensbewegung dazu beitragen kann, dass dieser Konflikt nicht eskaliert und im Sinne des Völkerrechts mit friedlichen Mitteln gelöst werden kann. Der Link zur Teilnahme an dem Treffen: https://us02web.zoom.us/j/3216854044

Chomsky condemns Bidens provocations against China: they see China's pure existence as a threat (internationale-friedensfabrik-wanfried.org)

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