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Sanierungsfall Deutschland «Bleibe im Land und wehre dich täglich»: Wie 1989 in der DDR: Runde Tische, parteiunabhängig ein Zielbild für Deutschland in 15 oder 30 Jahren diskutieren & Schritte dahin

13. Sept.
4 Min. Lesezeit

(Verleger Holger Friedrich über den Sanierungsfall Deutschland: Herausgeber der Berliner Zeitung, der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, Berliner Kurier und der Weltbühne).


Aus dem Video, Minute 22: "Meine Meinung nach und das haben wir damals 1989 und 90 gut gezeigt, sollte man sowas ein Format wie runde Tische generieren, wo man unabhängig von den Parteien, unabhängig von den sozialen Strukturen darüber diskutiert, wie ein Zielbild für Deutschland in 15, 10, 15, 20 oder 30 Jahren ausseht und was sind die wesentlichen Parameter, auf die wir uns verständigen sollten. Und dann sollte in einer zweiten Runde diskutiert werden, wie man dahinkommt und was man dazu benötigt. So und das sollte Überpartei nicht stattfinden, das sollte ähm kompetenzbasiert erfolgen. und im Rahmen ganz wichtiger, also auch durchzusetzender Werte, die da heißen, also Gewaltfreiheit, Generationengerechtigkeit, das soziale Versprechen, also auch den sozialen Ausgleich gewährleisten, also alles Dinge, die aus einer humanistischen Perspektive selbstverständlich sind, die auch gar nicht so schwer sind, die aber übersteuern sollten, die partikularen Interessen von Parteistrukturen, von Verwaltungsstrukturen, auch von geopolitischen ähm Teilnehmern, die in Deutschland der durchaus ihre Interessen versuchen zu erhalten oder durchzusetzen. So und wenn wir das nicht in der Lage sind hinzubekommen, wird sehr sehr mühsam und die Deutschen und die Ostdeutschen sind darauf trainiert und könnten so ein Format völlig problemlass von heute und morgen zur Verfügung stellen. Es müsste nur zugelassen und das daraus folgende dann auch ertragen werden. Und da fehlt dann wiederum die Demut."




Holger Friedrich (* 22. September 1966 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Unternehmer und Verleger. Er war Mitgründer der SPM Technologies GmbH, die 2004 von der Dresdener SAP-SI, nach 2006 Teil des Software-Konzerns SAP, aufgekauft wurde. Seit 2019 ist er, zusammen mit seiner Frau Silke Friedrich, Besitzer des Berliner Verlags, zu dem die Berliner Zeitung gehört. 2025 übernahm er die Rechte für die Herausgabe des historisch bedeutenden Magazins Die Weltbühne. 2026 gründete er die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung mit Sitz in Dresden.

Kindheit und Ausbildung

Holger Friedrich wuchs im Ostberliner Heinrich-Heine-Viertel in Berlin-Mitte in der Nähe der Berliner Mauer auf.[1] Seine Eltern trennten sich, als Holger sieben Jahre alt war. Seine Mutter war Lehrerin in einer Sonderschule, sein leiblicher Vater Außenhändler. Sein Stiefvater war Architekt und arbeitete als Abteilungsleiter in der Bauakademie der DDR.[2] Nach einer Facharbeiterausbildung als Anlagenmonteur[3] absolvierte Holger Friedrich als Freiwilliger seinen Dienst in der Nationalen Volksarmee, wo er unter anderem für die Büroarbeit zuständig war und, nach eigener Darstellung, durch gefälschte Urlaubsscheine für die Kameraden und Notizen zu Details der sogenannten Protokollstrecke negativ auffiel.[3] Er nahm an der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 teil, die er als „Sternstunde der Menschheit“ bezeichnete.[3]

Werdegang nach 1989

Nach dem Abitur, das er in Potsdam ablegte, begann er ein Germanistik- und Informatikstudium an der Universität Potsdam, das er jedoch nicht abschloss. Er arbeitete als Werkstudent bei Siemens (Siemens Nixdorf[4]).[5]

Als IT-Unternehmer war er Mitgründer der SPM – Systementwicklung Projektmanagement GmbH – später SPM Technologies GmbH –, die 2004 von der Dresdener SAP-SI, nach 2006 Teil des Software-Konzern SAP, aufgekauft wurde.[6] Er war anschließend bis 2006 für die SAP-SI und SAP in leitender Position tätig.[7][8][9] 2019 kauften seine Frau und er die Berliner Zeitung.

Im September 2022 wurde Friedrich Prokurist der N26 Bank GmbH[10], hielt die Position aber nur für eine kurze Zeit.[11]

Seit Mai 2025 ist Friedrich Verleger einer Neuausgabe der Weltbühne, als Herausgeber fungieren Thomas Fasbender und Behzad Karim Khani.[12][13]

IT-Beratungsfirma Core SE 2009

Nach einer Tätigkeit als Berater für McKinsey und als Vorstand der Software AG war Friedrich 2009 an der Gründung der IT-Beratungsfirma für Technologiethemen Core SE beteiligt, mit der er auch an der Log-In-Plattform Verimi beteiligt war.[14][7][15] Er ist außerdem mit seiner Frau an der internationalen Schule Berlin Metropolitan School beteiligt und war Eigentümer des E-Werks.[16][17][15] Die Geschäftsaktivitäten bündelt Friedrich in der Holding CCG-Commercial Coordination Germany GmbH, deren Beteiligungsfelder Technologie, Bildung, Veranstaltungen und seit November 2019 Medien sind.[18]

Die Core SE residiert unter anderem in der Villa Schwabacher am Sandwerder in Berlin-Wannsee, in der Werke der Core Art Collection von Karl-Heinz Adler, Norbert Bisky, Ruprecht von Kaufmann, Karl Lagerfeld, Jonathan Meese, David Schnell und Heidi Specker aushängen.[18][19][20][21]

Kauf der Berliner Zeitung

Im September 2019 kauften Holger und Silke Friedrich überraschend als Branchenfremde die Berliner Zeitung als Teil des Berliner Verlags vom DuMont Verlag, nach eigenem Bekunden aus „zivilgesellschaftlichem Engagement in bewegten Zeiten“.[19][22] Gegenüber dem RBB erläuterte Holger Friedrich im Interview, der Kauf sei, wie die taz getitelt habe, sowohl aus Profitinteressen als auch aus Idealismus erfolgt und sei zudem „Zonengabis Rache“.[15][23] Der Tagesspiegel spekulierte, der Verkaufserlös für DuMont der einstigen SED-Zeitung sei möglicherweise sehr niedrig gewesen, wenn „nicht sogar ein negativer Kaufpreis für den defizitär arbeitenden Hauptstadtverlag vereinbart wurde“.[24] Gegenüber Alexander Osang kommentierte Friedrich im Spiegel, er habe „sechs Millionen, vielleicht sieben“ investiert.[5] Zum Verlegerwechsel veröffentlichten die beiden Käufer Friedrich in ihrem Blatt einen medial kritisch rezipierten Essay (Was wir wollen), an dem der ehemalige Chefredakteur der Berliner Zeitung Uwe Vorkötter und einzelne Kritiker Parallelen zu AfD- und Pegida-Rhetorik beanstandeten.[19][25][26][2][27][28][29][30] In dem Manifest zeigte das Ehepaar Friedrich unter anderem Verständnis für Wladimir Putins Politik und formulierte vehemente EU-Skepsis. Zudem forderte Friedrich Dankbarkeit gegenüber Egon Krenz, „weil er damals, als die Mauer fiel, nicht habe schießen lassen“.[31][26][2]

Nutzungspläne von BerlinOnline

In der NZZ erklärte Friedrich, zentraler „Hebel“ und der „eigentliche Schatz unseres Deals“ sei das zum Berliner Verlag gehörende Stadtportal BerlinOnline, eine zentrale Plattform, die für jede Dienstleistung in der Berliner Verwaltung als eine Art digitales Bürgeramt genutzt werden könne.[19][32][33][34][18] Daraufhin wiesen die Berliner Staatssekretärin Sabine Smentek und die zuständige Berliner Senatskanzlei Friedrichs Pläne zurück und teilten mit, sie seien „weit davon entfernt, einem privaten Unternehmen tiefere Einblicke in die sensiblen Daten der Berlinerinnen und Berliner zu gewähren.“[35][36] Der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller, ergänzte, „[i]rgendeine Form von Datenweitergabe war nie unser Ansatz“, man wolle künftig „direkte Eingriffs- und Zugriffsmöglichkeiten“ wahrnehmen und habe daher den 1998 zwischen Senat und BerlinOnline für das Stadtportal „berlin.de“ geschlossenen Vertrag zu Dezember 2021 gekündigt.[37][36] Laut Christian Gaebler plane die Stadt Berlin zukünftig die „vollständige Kommunalisierung“ des Portals.[38][39]


 
 
 

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