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Über die Nordseestadt sollen im Ernstfall Truppen und schweres Gerät der Verbündeten schnell nach Osten verlegt werden.Unterkünfte &Verpflegungsmöglichkeiten für Zehntausende Soldaten sollen entstehen

vor 22 Minuten
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Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Als Boris Pistorius am Dienstag am Bremer Rathaus vorfuhr, hatte der Verteidigungsminister viel Geld im Gepäck. Bis zu 1,35 Milliarden Euro will der Bund in Bremerhaven investieren, um den Hafen bis 2031 zur zentralen Drehscheibe für Nato-Truppen auszubauen. Gemeinsam mit dem Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte, seinem SPD-Parteikollegen, unterzeichnete Pistorius eine Absichtserklärung. Über die Nordseestadt sollen im Ernstfall Truppen und schweres Gerät der Verbündeten schnell nach Osten verlegt werden.


Nicht alle in der Stadt teilen die Freude. Die Bremerhavener Nordsee-Zeitung berichtete von lautstarkem Protest mit Parolen wie „Kriegstreiber“ und „Wir wollen keine Zielscheibe werden“. Und die Rechnung für die Aufrüstung könnte bald an anderer Stelle auftauchen, denn Bovenschulte wirbt bereits für eine Vermögensteuer.


Mehr als 40 Projekte für den Ernstfall

Insgesamt sind rund 1,55 Milliarden Euro vorgesehen. Der Bund trägt 1,35 Milliarden, Bremen steuert 200 Millionen Euro bei, dazu kommen private Investoren. Geplant sind mehr als 40 Einzelprojekte, darunter Schwerlastbrücken und -flächen, ein Verbindungskanal mit Drehbrücke, tiefere Hafenbecken, neue Binnenkaianlagen, bessere Anschlüsse an Schiene und Straße sowie eine Feuerwache im Hafengebiet.Auch Logistikflächen am Bremer Flughafen gehören dazu. Laut Ministerium sollen in Bremerhaven künftig Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten für Zehntausende Soldaten und außerdem Kraftstoff, Abstellflächen und Wartung für Tausende Fahrzeuge auf dem Weg an die Nato-Ostflanke bereitstehen. Straßen und Brücken müssen dann nicht mehr nur Autos, sondern schwere Panzer tragen können. Pistorius erinnerte zudem an die langjährige Zusammenarbeit mit den amerikanischen Streitkräften in Bremerhaven.


Militärs sehen den Hafen als Ziel

Die Kassen in Bremen und Niedersachsen klingeln also. Trotzdem gibt es eine Schattenseite, über die an diesem Tag nicht gesprochen wurde. Die Nordsee-Zeitung brachte die Sorge vieler Bürger mit ihrer Schlagzeile „Pistorius-Deal im Hafen: Wird Bremerhaven jetzt Putins Zielscheibe?“ auf den Punkt.


Unbegründet ist diese Frage nicht. Ben Hodges, früherer Kommandeur der US Army Europe, sagte der Welt am Sonntag: „Bremerhaven wäre im Falle eines russischen Angriffs auf ein Nato-Land ein zentrales Ziel, weil über diesen Hafen amerikanische und andere alliierte Kräfte nach Europa verlegt würden.“


Schon 2022 hatte der frühere Luftwaffengeneral Harald Kujat im Gespräch mit dem Focus gewarnt, russische Angriffe könnten sich gegen „Ziele wie etwa den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz oder den Überseehafen in Bremerhaven, den die USA für Verstärkungen, also Truppen- und Waffentransporte nach Europa, nutzen“, richten. Der Ausbau zum Hauptumschlagplatz dürfte dieses Risiko weiter erhöhen.


Der Geldsegen tut dem kleinsten Bundesland gut und könnte auch wirtschaftlich zum Faktor werden. Der Ausbau der Hafeninfrastruktur dürfte zu einem ökonomischen Aufschwung führen. Ebenso klar ist aber, dass Bremerhaven damit eine neue Rolle bekommt, auch in den Augen feindlich gesinnter Militärs.



 
 
 

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