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Was sind das für Zeiten,wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist,weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! Zufällig bin ich verschont.Wenn mein Glück aussetzt,bin ich verloren

vor 1 Stunde
3 Min. Lesezeit

Inhalt und zentrale Themen

Brecht beginnt mit der berühmten Zeile: „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!“ und beschreibt die moralische Zerrissenheit und die Not der Menschen in einer von Gewalt und Unterdrückung geprägten Gesellschaft lyrikline.org+1. Er reflektiert über:

  • Moralische Verantwortung: Das Schweigen über Untaten und die eigene Unfähigkeit, das Unrecht vollständig zu verhindern.

  • Zufall und Glück: Die eigene Verschonung wird als zufällig dargestellt, während andere leiden.

  • Exil und Widerstand: Brecht thematisiert die Ohnmacht gegenüber den Herrschenden und die Notwendigkeit, sich moralisch zu positionieren.

  • Appell an die Nachgeborenen: Das Gedicht richtet sich an zukünftige Generationen, um Verständnis für die schwierigen Entscheidungen der



Das Gedicht:

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Das arglose Wort ist töricht.

Eine glatte StirnDeutet auf Unempfindlichkeit hin.

Der Lachende

Hat die furchtbare Nachricht

Nur noch nicht empfangen.


Was sind das für Zeiten, wo

Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.

Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

Der dort ruhig über die Straße geht

Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde

Die in Not sind?


Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt

Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nicht

Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu, mich satt zu essen.

Zufällig bin ich verschont. (Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren.)


Man sagt mir: iss und trink du!

Sei froh, dass du hast!

Aber wie kann ich essen und trinken, wenn

Ich dem Hungernden entreiße, was ich esse, und

Mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt?

Und doch esse und trinke ich.


Ich wäre gerne auch weise.

In den alten Büchern steht, was weise ist:

Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit

Ohne Furcht verbringen.

Auch ohne Gewalt auskommen,Böses mit Gutem vergelten

Seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen,

Gilt für weise.

Alles das kann ich nicht:

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!


II

In die Städte kam ich zur Zeit der Unordnung

Als da Hunger herrschte.

Unter die Menschen kam ich zur Zeit des Aufruhrs

Und ich empörte mich mit ihnen.

So verging meine Zeit,

Die auf Erden mir gegeben war.


Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten.

Schlafen legte ich mich unter die Mörder.

Der Liebe pflegte ich achtlos

Und die Natur sah ich ohne Geduld.

So verging meine Zeit,

Die auf Erden mir gegeben war.


Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit.

Die Sprache verriet mich dem Schlächter.

Ich vermochte nur wenig. Aber die Herrschenden

Saßen ohne mich sicherer, das hoffte ich.

So verging meine Zeit,

Die auf Erden mir gegeben war.


Die Kräfte waren gering. Das Ziel

Lag in großer Ferne

Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich

Kaum zu erreichen.

So verging meine Zeit,

Die auf Erden mir gegeben war.


III

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut

In der wir untergegangen sind

Gedenkt

Wenn ihr von unseren Schwächen sprecht

Auch der finsteren Zeit

Der ihr entronnen seid.


Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd

Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt

Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

Dabei wissen wir doch:

Auch der Hass gegen die Niedrigkeitverzerrt die Züge.

Auch der Zorn über das Unrecht

Macht die Stimme heiser. Ach, wir

Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit

Konnten selber nicht freundlich sein.


Ihr aber, wenn es so weit sein wird

Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist

Gedenkt unsererMit Nachsicht.


 
 
 

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