Um der Sowjetunion "ihr Vietnam" zu organisieren, machten die USA Muslime zu Djihadisten

Aktualisiert: Juli 9

Dieser Plan kostete 111 000 Zivilisten seit 2009 das Leben oder wurden verletzt. Die amerikanischen Streitkräfte beklagen 2442 Todesopfer, das afghanische Militär allein zwischen 2014 und 2019 45 000. Die Zahl der getöteten Taliban-Kämpfer wird auf 50 000 geschätzt. Auch die Kosten waren horrend. Insgesamt gaben die Bürger:innen der USA mehr als zwei Billionen Dollar aus, viel davon kreditfinanziert. Damit legten sie selbst das Fundament für den islamistischen Terror, mit dem sie seither ihre Kriege in den rohstoffreichen und strategisch wichtigen Ländern der Welt rechtfertigen. Das Geschäftsmodell ist für die Vermögenden im Westen zu lukrativ, um von ihm zu lassen. Zudem sahen US-Politiker vom Beginn ihrer Zusammenarbeit mit den Islamisten eine geopolitischen Nutzen darin. US-Politikberater Brzezinski wollte damit erreichen, dass die Sowjetunion das erleben, was die US-Amerikaner in Vietnam erlebt haben: Eine strategische Niederlage in einem Land des Südens. Wie in Vietnam auf Kosten von Millionen Menschen, die in diesen unmenschlichen Schachspiel nicht zählen (unten ist das Interview zu lesen).

Das Geschäftsmodell ist für die Vermögenden im Westen zu lukrativ, um von ihm zu lassen und für der politische Führer von zu großen machpolitischen Nutzen, um andere Länder schwächen zu können.

Es sei denn, wir Bürger:innen im Westen machen da nicht mehr mit im Angesicht all der menschlichen Katastrophen, die ihre Kriegspolitik verursacht hat. Dazu wäre eine starke Friedensbewegung nötig.

NZZ: Nach dem sowjetischen Einmarsch belieferten die USA die Mujahedin mit Waffen. Sie handelten nach dem Grundsatz «Der Feind unseres Feindes ist unser Freund», bloss dass damals diese Freunde Islamisten waren.


Nach dem Angriff auf die Twin Tours sah die US-Elite die Chance, von der eigenen Bevölkerung wieder Unterstützung für einen Krieg zu erhalten: eine Unterstützung, die sie nach dem Vietnamkrieg verloren hatten. Zunächst sprach Präsident Bush nur von «sorgfältigen, gezielten Aktionen» gegen Ausbildungslager der Terroristen von al-Kaida. Die US-Regierung überging Kritiker, die von Anfang an gewarnt hatten, dass man einen Terroranschlag nicht mit einem Angriff auf ein Land beantworten könne, auch wenn dieses Land Usama bin Ladin beherbergt habe (mit denen die USA gegen die Sowjetunion zusammengearbeitet hatten und seine Truppe mit nach Afghanistan aufgebaut hatte).

Der UN-Vermittler in Afghanistan, Brahimi, erklärte, dass die Taliban zudem wohl bereit gewesen wären, Bin Laden ausliefern, wenn die USA wirkliche Beweise für seine Schuld vorgelegt hätten. Sie taten es nicht und Brahimi schätzt, dass es den USA gar nicht zuerst um Afghanistan ging, sondern sie das als Sprungbrett sahen in den rohstoffreichen Irak.


Vieles spricht dafür, dass die westlichen Staaten das Unrecht, was Menschen in anderen Staaten angetan wird, nur als Vorwand nehmen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Nicht nur die Mujaheddin waren die Verbündeten des Westens, sondern lange auch Saddam Hussein.


Selbst wenn man dem Westen aber gute Motive für sein Eingreifen zubilligen will: Die Intervention in Afghanistan, hat wie die im Irak haben gezeigt: zwar konnte ein Unrechtsregime gestürzt werden, aber in beiden Ländern vergrößerte sich das Leid der Menschen in den Ländern: Und die Interventionen kreierten sogar neue islamistische Bedrohungen für den Westen wie den Islamischen Staat. Anführen könnte man auch den Sturz von Ghadhafi in Libyen und die Militärintervention in Somalia oder in Mali oder Burkina Faso.


Alle diese Operationen zeigen, dass sich eine politische Ordnung, die immer mit den gesellschaftlichen Strukturen verflochten ist, nicht einfach in Richtung Demokratie umwandeln lässt. Einmal mehr hat sich Immanuel Kants These bestätigt, dass Verbesserungen von den Kräfte in jedem Land selbst errungen werden müssen. Andere Länder können das am besten dadurch unterstützen, dass sie ein gutes Beispiel sind, wie es besser sein kann und dadurch den Menschen gute Argumente gegen ihre Machthaber geben können.


In Afghanistan hat der Westen dagegen den militärischen Weg gewählt. Um überhaupt Fuß fassen zu können, gingen die USA zuerst Bündnisse mit islamitischen Gruppen und Regimen ein, später dann im Kampf gegen sie mit Warlords und stützten so – im Namen des Nation-Building – auch Kriegsverbrecher.

Nach zwanzig Jahren zieht Präsident Biden die amerikanischen Truppen aus Afghanistan zurück. Regierung und Armee Afghanistans sind ohne internationale Hilfe kaum überlebensfähig. Die Taliban rücken immer weiter vor.


111 000 Zivilisten wurden seit 2009 getötet oder verletzt. Die amerikanischen Streitkräfte beklagen 2442 Todesopfer, das afghanische Militär allein zwischen 2014 und 2019 45 000. Die Zahl der getöteten Taliban-Kämpfer wird auf 50 000 geschätzt. Auch die Kosten waren horrend. Insgesamt gaben die Bürger:innen der USA mehr als zwei Billionen Dollar aus, viele kreditfinanziert.


Es ist nicht damit zu rechnen, dass der Westen lernt; dazu haben die Kriege den Vermögenden zu gute Einnahmen gebracht. Nach dem liberalen republikanischen Politiker Ron Paul war das vor allem ein Wohlstandsprogramm für die Vermögenden. Mit dem Krieg konnten astronomische Summen aus dem Staatshaushalt für die Aufrüstung begründet werden und in den Rüstungssektor geleitet werden.

Und die Kriege haben die Nationalstaatsbildung, die nach der Unabhängigkeit von den Kolonialmächten erreicht worden war, zurückgeworfen und die Staaten geschwächt. Und sie haben das in den 70er Jahren entstehende Gegengewicht zu den Industrieländern durch den Zusammenschluss etwa in der der Blockfreienbewegung stark erheblich verringern können, v.a auch durch den Sturz Gaddafis.


Lernen wird der Westen nur, wenn sich in ihm Kräfte durchsetzen, die für die Umsetzung der UNO-Charta eintreten: Kriege sind verboten, Konflikte dürfen nur mit friedlichen Mitteln gelöst werden. Kräfte die sich für eine solidarische Zusammenarbeit einsetzen für die Umsetzung der Menschenrechtserklärung mit friedlichen Mitteln, nach der alle Menschen weltweit als Mitglieder der einen menschlichen Familie ein Recht auf menschenwürdiges Leben haben.

Ob das gelingt, hängt von uns allen ab.


Zu den westlichen Motiven für die Unterstützung von Al Kaida ist noch dieses Interview aufschlussreicht mit Brzezinski, dem nationalen Sicherheitsberater von Präsident Carter.


https://dgibbs.faculty.arizona.edu/brzezinski_interview


Frage: Der ehemalige Direktor der CIA, Robert Gates, hat in seinen Memoiren erklärt, dass die amerikanischen Geheimdienste sechs Monate vor der sowjetischen Intervention begannen, die Mudschahiddin in Afghanistan zu unterstützen. In dieser Zeit waren Sie der nationale Sicherheitsberater von Präsident Carter. Sie spielten also eine Schlüsselrolle in dieser Angelegenheit. Ist das korrekt?


Brzezinski: Ja. Nach der offiziellen Version der Geschichte begann die CIA-Hilfe für die Mudschahiddin im Laufe des Jahres 1980, also nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee in Afghanistan am 24. Dezember 1979. Aber die Realität, die bis heute streng gehütet wird, ist völlig anders: Tatsächlich war es der 3. Juli 1979, als Präsident Carter die erste Direktive für geheime Hilfe an die Gegner des prosowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnete. Und noch am selben Tag schrieb ich eine Notiz an den Präsidenten, in der ich ihm erklärte, dass diese Hilfe meiner Meinung nach eine sowjetische Militärintervention herbeiführen würde [Hervorhebung durchgehend].


F: Trotz dieses Risikos waren Sie ein Befürworter dieser verdeckten Aktion. Aber vielleicht haben Sie selbst diesen sowjetischen Kriegseintritt gewünscht und einen Weg gesucht, ihn zu provozieren?


B: Es war nicht ganz so. Wir haben die Russen nicht dazu gedrängt, einzugreifen, aber wir haben wissentlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie es tun würden.


F: Als die Sowjets ihre Intervention mit der Behauptung rechtfertigten, sie wollten gegen die geheime US-Beteiligung in Afghanistan kämpfen, glaubte ihnen niemand. Es war jedoch ein Element der Wahrheit darin. Bedauern Sie heute nichts davon?


B: Was bereuen? Diese geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Sie hatte den Effekt, die Russen in die afghanische Falle zu locken und Sie wollen, dass ich es bereue? An dem Tag, als die Sowjets offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich an Präsident Carter, im Wesentlichen: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu schenken." In der Tat musste Moskau fast 10 Jahre lang einen Krieg führen, der für das Regime untragbar war, einen Konflikt, der die Demoralisierung und schließlich den Zerfall des Sowjetimperiums erkaufte.


F: Und Sie bereuen auch nicht, den islamischen Fundamentalismus unterstützt zu haben, der den zukünftigen Terroristen Waffen und Ratschläge gegeben hat?


B : Was ist wichtiger in der Weltgeschichte? Die Taliban oder der Zusammenbruch des Sowjetimperiums? Einige aufgewühlte Moslems oder die Befreiung Mitteleuropas und das Ende des Kalten Krieges?


F : "Einige aufgewiegelte Moslems"? Aber es wurde schon gesagt und wiederholt: Der islamische Fundamentalismus stellt heute eine Weltbedrohung dar...


B: Unsinn! Es wird gesagt, dass der Westen eine globale Politik in Bezug auf den Islam betreibt. Das ist Unsinn: Es gibt keinen globalen Islam. Betrachten Sie den Islam auf eine rationale Art und Weise, ohne Demagogie oder Emotionalität. Er ist die führende Religion der Welt mit 1,5 Milliarden Anhängern. Aber was eint das fundamentalistische Saudi-Arabien, das gemäßigte Marokko, das militaristische Pakistan, das pro-westliche Ägypten oder das säkularistische Zentralasien? Nichts mehr als das, was die christlichen Länder eint...


Warum war die Sowjetunion in Afghanistan:

Afghanistan war ein sehe armes Land und linke junge Afghanen, die vor allem im Westen studiert hatten, wollten das Land modernisieren und das praktisch dem Land mit einer bäuerlichen, muslimischen Bevölkerung aufzwingen. Die Monarchie war schwach; durch ihren Sturz hatte man nicht gewonnen, weil das politische System stark lokal und regional getragen war. Das hatte es von jeher und jetzt auch den Amerikanern schwer gemacht, das Land zu besiegen. Die Linken holten gegen den von den USA unterstützten Widerstand die UdSSR ins Land. Im ZK der KP gab es wohl nur eine nachdünne Mehrheit für die Invasion. aber es gab sie und die Sowjets marschierten ein - und erlebten, wie von den USA vorausgesehen - ihr Vietnam. Gegen Ende der Invasion hätte es vielleicht sogar - wenn der Westen es unterstützt hätte - eine für das Land gute Lösung geben können; die linke Sektierer waren in die Ecke gedrängt, es setzte sich in der linke Regierung mit Mohammad Najibullah ein Politiker durch, der begann die Gesellschaft mitzunehmen. ER wurde dann von den Mujahedin ermordet, weil der Westen keine gute nationale Lösung wollte und islamistische Hardliner unterstützte. Schade, dass diese Chance vergeben wurde. Das war nach meiner Erinnerung die Geschichte. Vielleicht kennt jemand sie besser und kann sie bestätigen oder kritisieren, denn es gilt aus ihr zu lernen.

So habe ich es in Erinnerung. WL

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