Tiefgreifendster Wandel in der Bewertung des Militärs in Deutschland nach dem Weltkrieg: Merz plant Aufbau der stärksten Armee Europas.Der 19.größte Staat der Welt hat schon das 4.größte Militärbudget
- Wolfgang Lieberknecht

- 7. Aug. 2025
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Berliner Zeitung: Mit der Stationierung einer Panzerbrigade in Litauen vollzieht Deutschland den tiefgreifendsten Wandel seiner Sicherheitspolitik seit Ende des Kalten Krieges. Rund 5000 Soldaten sollen bis 2027 dauerhaft in dem baltischen Nato-Partnerland stationiert werden – der erste Auslandseinsatz dieser Art seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Maßnahme ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung der Bundeswehr, die laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ ausgebaut werden soll.
Wie The Economist berichtet, ist die Brigade in Litauen das sichtbarste Symbol für die sicherheitspolitische Zeitenwende, die zunächst 2022 von Merz’ Vorgänger Olaf Scholz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eingeleitet worden war. Während Scholz noch vorsichtig auftrat, treibt Merz die Modernisierung der Streitkräfte nun offensiv voran, heißt es in dem Bericht.
Bereits jetzt verfügt Deutschland laut dem Stockholm International Peace Research Institute über das weltweit vierthöchste Verteidigungsbudget. Mit der geplanten Anhebung der Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – plus 1,5 Prozent für militärische Infrastruktur – würde das jährliche Budget auf über 200 Milliarden Euro steigen.
Grundlage dafür ist eine Lockerung der Schuldenbremse, die Merz als sicherheitspolitische Notwendigkeit begründet hatte.
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Ein langfristiger Engpass bleibt das Personal. Die Truppenstärke liegt aktuell bei rund 182.000 – das Ziel seien 203.000, möglicherweise mehr nach dem Nato-Gipfel. Laut General Breuer braucht Deutschland bis 2029 zusätzlich 100.000 Soldaten und Reservisten. Das deckt sich mit den Zahlen, die Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Anfang Juli nannte. Der Minister kündigte in dem Zusammenhang an, die Bundeswehr wolle bis dahin rund 114.000 Wehrdienstleistende rekrutieren.
Zur Vorbereitung prüft die Bundesregierung aktuell verpflichtende Fragebögen für 18-jährige Männer. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht – ausgesetzt seit 2011 – wird zunehmend diskutiert. (..)
Dennoch bleibt die sicherheitspolitische Neuausrichtung nicht unumstritten: Bei einer Veranstaltung im ostdeutschen Görlitz zeigten sich viele Bürger skeptisch gegenüber Nato und Aufrüstung, andere wiederum betonten ihre Unterstützung für das neue sicherheitspolitische Selbstverständnis.
Kanzler Merz betonte in Litauen: „Die Sicherheit Litauens ist auch unsere Sicherheit.“ Für viele Deutsche, so The Economist, ist diese Botschaft erst jetzt wirklich angekommen.



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