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Eine Mutter: „Unsere Jugend braucht eine Zukunft, dafür müssen wir kämpfen... und die Polizei rüstet auf, als wäre sie im Krieg.“ Dienstag ist der nächste große Protesttag in Frankreich

vor 3 Minuten
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Auszüge aus dem Handelsblatt: Seit zwei Wochen demonstrieren Schüler und Studenten gegen Unterrichtsausfall und schlechte Lernbedingungen. Allein am Dienstag gingen 250.000 Menschen auf die Straße – der bisherige Höhepunkt der Protestwelle. Dass junge Menschen für mehr Bildung demonstrieren, ist an sich schon ein politisches Alarmsignal. Sie fordern damit etwas ein, das der Staat ihnen eigentlich selbstverständlich garantieren sollte.


Doch die Proteste haben schon jetzt tiefe Spuren hinterlassen. Frankreich ringt mit einer doppelten Frage: Wie viel Vertrauen zwischen Staat und Bürgern ist noch übrig? Und welche Perspektive bietet das Land seiner Jugend überhaupt noch?

Die Wut vieler Jugendlicher speist sich aus einem Widerspruch, den sie täglich erleben: Sie verbringen Stunden in der Schule, teils länger als in Deutschland bis in den Abend. Der Staat verlangt Anwesenheit und Leistung – liefert aber nicht verlässlich den Unterricht, den junge Menschen dafür brauchen.

Es geht dabei um mehr als nur ausgefallene Stunden. Viele Jugendliche haben das Gefühl, dass der Staat ein zentrales Versprechen nicht mehr einlöst: gleiche Chancen für alle.


Der 17-jährige Abdelkader Abderrahman aus Créteil kritisiert, dass der französische Leitspruch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, der an vielen Schulen steht, für Schüler nicht in gleicher Weise gelte. Wer in einem Vorort zur Schule gehe, habe nicht dieselben Lernbedingungen und Chancen wie Jugendliche in Paris, sagte er dem Sender Franceinfo.


Überschattet wird die Protestbewegung allerdings auch von Gewalt. Laut Innenministerium verliefen die Demonstrationen zwar überwiegend friedlich. Dennoch kam es immer wieder zu schweren Zusammenstößen.

Auch der Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen mischt sich in die Proteste.

Doch nicht nur die Gewalt aufseiten einzelner Demonstranten sorgt für Empörung. Auch das Vorgehen der Polizei steht zunehmend in der Kritik. Französische Medien zeigen Bilder von Teenagern, die Polizisten in Kampfmontur gegenüberstehen. Besonders schockierend war der Fall eines 14-Jährigen, dessen Kiefer und mehrere Zähne nach dem Einschlag einer Tränengasgranate zertrümmert wurden.

In Lens verlor ein 15-Jähriger bei einem Vorfall mit einer Polizeigranate eine Hand. Die Kritik am Polizeieinsatz wird deshalb immer lauter.


Sophie, eine Mutter aus Paris, blickt entsetzt auf die Bilder der vergangenen Tage. „Es geht doch um unsere Jugend, und die Polizei rüstet auf, als wäre sie im Krieg“, sagt die Mittfünfzigerin. Ihre beiden Kinder sind 25 und 27 Jahre alt und nicht mehr in der Schule. „Unsere Jugend braucht eine Zukunft, dafür müssen wir kämpfen.“ In Umfragen unterstützen fast 50 Prozent die Demonstranten.


Nachdem die Empörung weiter gewachsen war, setzte Innenminister Laurent Nuñez den Einsatz bestimmter Blendgranaten gegen Schüler vorerst aus. Die Regierung kündigte inzwischen auch einen „Notfallplan“ an, um die Lage zu beruhigen. Kurzfristig sollen mehr als 3000 Vertretungslehrer eingesetzt werden, auch mehr Mittel seien möglich.

Doch nach Entspannung sieht es nicht aus. Für Dienstag ist bereits der nächste große Protesttag angekündigt. Inzwischen greift die Bewegung auf andere Länder über. Auch in Belgien sind Schüler für mehr Chancengleichheit auf die Straße gegangen.

 
 
 

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