Von der "Zeitenwende" zum "Epochenbruch"! Wer Krieg sprachlich normalisiert, kann dazu beitragen, dass eine Gesellschaft militärische Auseinandersetzungen zunehmend als unvermeidlich akzeptiert.
Beginnt ein Krieg bereits mit den Worten, die wir verwenden? „Kriegstüchtigkeit“, „Zeitenwende“, „Epochenbruch“, „Sondervermögen“ – Begriffe, die längst zum politischen Alltag gehören. Doch was bewirken sie in unserem Denken? Der Publizist und Osteuropa-Kenner Dr. Leo Ensel untersucht in seinem Buch „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“, wie politische Sprache unsere Wahrnehmung von Krieg und Frieden verändert. Seine These: Wer die Sprache verändert, verändert auch das Denken. Und wer Krieg sprachlich normalisiert, kann dazu beitragen, dass eine Gesellschaft militärische Auseinandersetzungen zunehmend als unvermeidlich akzeptiert. Im Gespräch mit Patrik Baab analysiert Leo Ensel die Sprache von Politikern, Militärs und Journalisten. Er zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie Begriffe umgedeutet, Feindbilder geschaffen und politische Entscheidungen moralisch aufgeladen werden. Was bedeutet es, wenn Deutschland wieder „kriegstüchtig“ werden soll? Warum sprechen Politiker von einer „Zeitenwende“ oder einem „Epochenbruch“? Und welche Folgen hat es, wenn die Grenze zwischen Krieg und Frieden sprachlich verwischt wird? Ein Schwerpunkt ist die Rolle der Medien. Leo Ensel kritisiert, dass Journalisten durch ihre Wortwahl häufig politische Deutungsmuster übernehmen und damit zur gesellschaftlichen Gewöhnung an Aufrüstung und militärische Eskalation beitragen. Er beschreibt außerdem, warum die tatsächlichen Opfer des Krieges in der öffentlichen Berichterstattung oft unsichtbar bleiben. Im Gespräch geht es unter anderem um: – Das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit – Die politische Macht von Sprache und Begriffen – Kriegstüchtigkeit, Zeitenwende und Epochenbruch – Die Rolle von Politik und Medien bei der Kriegsvorbereitung – Propaganda, Framing und politische Feindbilder – Die Gefahr eines Krieges zwischen NATO und Russland – Günther Anders und die Apokalypse-Blindheit – Die Normalisierung militärischer Eskalation – Die Sprache der deutschen Außenpolitik – Die Rolle der Journalisten und transatlantischer Netzwerke – Die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda – Die Krise der deutschen Friedensbewegung – Wehrpflicht, Jugend und gesellschaftlicher Widerstand – Digitalisierung, Konzentrationsverlust und Meinungsfreiheit – Die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen – Diplomatie als Alternative zur militärischen Konfrontation Besonders eindringlich spricht Leo Ensel über die jüngere Generation. Während ältere Menschen noch mit der Angst vor einem Atomkrieg aufgewachsen sind, fehlt vielen Jüngeren diese Erfahrung. Gleichzeitig sieht er Hoffnung in den Protesten junger Menschen gegen die Wehrpflicht. Warum bleibt der gesellschaftliche Widerstand gegen die Aufrüstung dennoch vergleichsweise schwach? Weshalb spricht Leo Ensel von einer Friedensbewegung, die zur „Rentnerband“ geworden sei? Zum Abschluss entwickelt er konkrete Vorschläge für eine Rückkehr zur Diplomatie. Er fordert eine neue europäische Friedensordnung und eine politische Sprache, die nicht auf militärische Konfrontation, sondern auf Verständigung ausgerichtet ist. Seine Antwort auf die Frage, wie sich die gesellschaftliche Entwicklung verändern lässt, lautet: Aufklärung. Ein Gespräch über die Macht der Worte, politische Propaganda, die Gefahr eines neuen Krieges und die Verantwortung für den Frieden. Link zum Buch: https://mediashop.at/buecher/woerterb... Kapitel: 00:00 Intro 04:08 Von „Zeitenwende“ bis „Epochenbruch“: Semantische Aufrüstung 08:04 Wehrpflicht & die Reaktionen der jüngeren Generation 11:20 Günther Anders & das Phänomen der „Apokalypse-Blindheit“ 13:40 Kampf um Begriffe & Kognitive Kriegsführung (Cognitive Warfare) 20:38 Unsichtbares Kriegsleid: Warum Bilder der Realität fehlen 22:08 Mediale Doppelmoral & Betreutes Denken 25:00 Das Verwischen der Grenze zwischen Krieg und Frieden 28:10 Feindbilder, Dämonisierung & Prinzipien der Kriegspropaganda 37:15 Frühere Friedensbewegung vs. heutige Gleichgültigkeit 41:15 Digitale Medien, Aufmerksamkeitsspanne & Affektökonomie 47:45 Diplomatie statt Eskalation: Auswege & Aufklärung





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