top of page

Verfall der Getreidepreise durch ukrainische Lieferungen: Pro-Ukraine-Stimmung in Polen kippt

EU-Kommission verantwortlich?


Selenskyj kommt in einem kritischen Moment nach Polen. Denn die Stimmung in dem Nachbarland, dessen Bürger seit dem Überfall Putins der Ukraine solidarisch Hilfe leisteten, ist im Kippen. Zwar hat die Regierung in Warschau schon vor Monaten die meisten Hilfszahlungen an ukrainische Geflüchtete eingestellt, doch immer mehr Polen haben das Gefühl, deren Hilfsbereitschaft werde ausgenutzt.

Auf dem Land formiert sich sogar schon Widerstand. Denn die Idee der Europäischen Kommission, das ukrainische Getreide, das normalerweise über die Schwarzmeer-Häfen nach Asien und Afrika exportiert wird, per Bahn durch die EU zu schleusen und dann über EU-Häfen an ihren Bestimmungsort zu transportieren, war zwar gut, aber nicht zu Ende gedacht. Denn Polens Häfen haben gar nicht die Verladekapazitäten für zusätzliche Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine, die nun zum großen Teil in polnischen Silos liegen und zu einem massiven Preisverfall des polnischen Getreides geführt haben.


Landwirtschaftsminister tritt ab

Polens Landwirtschaftsminister Henryk Kowalczyk von der nationalpopulistischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) tritt am Besuchstag Selenskyjs zurück. Er schiebt die Schuld zwar auf die EU-Kommission, die weder seine Forderungen noch die der polnischen Bauern erfüllt habe. Doch kann er nicht erklären, warum er über viele Monate hinweg weder mit Janusz Wojciechowski (PiS), dem polnischen EU-Landwirtschaftskommissar, noch mit den Amtskollegen in Deutschland und den Niederlanden gesprochen und den Weizentransport aus der Ukraine neu geregelt hat.

Nicht entstanden ist auch bis heute der neue Getreideterminal, den Polens Regierung in Gdynia (Gdingen) bauen wollte. Als Donald Tusk, der Vorsitzende der liberalkonservativen Oppositionspartei Bürgerkoalition (KO), im Juni 2022 auf das Logistikproblem aufmerksam machte, warf ihm Premier Mateusz Morawiecki (PiS) vor, sich "im Sinne Putins" zu äußern.

Forderung in Sachen Wiederaufbau

Immer lauter werden auch die Forderungen, dass Polen und die Ukraine verbindliche Verträge über den Wiederaufbau des Landes nach Kriegsende unterzeichnen sollten. Es könne nicht sein, erklärte KO-Parlamentarier Paweł Kowal beim Radiosender Tok FM, dass Polen der Ukraine während des ganzen Kriegs Waffen- und humanitäre Hilfe leiste, nach dem Krieg aber westliche Staaten das große Geschäft mit dem Wiederaufbau machen würden. Gemünzt war dies wohl auf den deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck, der nur wenige Tage zuvor mit einer Delegation in Kiew war und aktuelle wie künftige deutsch-ukrainische Investitionen erörterte.

Am Abend wollte Selenskyj noch an einem sehr symbolischen Ort, dem wiederaufgebauten Warschauer Königsschloss, eine Dankesrede an alle Polen und Polinnen halten. (Gabriele Lesser aus Warschau, 5.4.2023)

5 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page