Selenskyjs ehemalige Sprecherin Julija Mendel wollte heute im EU-Parlament über Frieden und eine diplomatische Lösung sprechen. Nach Kritik an der ukrainischen Regierung flog sie kurzerhand raus.
Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Julija Mendel war einst eine der wichtigsten Figuren im engsten Kreis des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Journalistin wurde im Juni 2019, kurz nach Selenskyjs Amtsantritt, zu seiner Pressesprecherin ernannt. Sie blieb bis Juli 2021 in dieser Funktion und veröffentlichte später ein Buch über ihre Zeit im Umfeld des ukrainischen Präsidenten.
Inzwischen hat sich das Verhältnis grundlegend verändert. Mendel kritisiert Selenskyj und seine Regierung öffentlich und vertritt die Position, dass ein Ende des Krieges durch Verhandlungen stärker in den Mittelpunkt rücken müsse. Im Mai 2026 sorgte ein Interview mit dem US-Moderator Tucker Carlson für Aufsehen. Mendel erhob darin schwere Vorwürfe gegen Selenskyj und stellte unter anderem die ukrainische Politik während der Verhandlungen mit Russland infrage. Mehrere ihrer Aussagen wurden anschließend von ukrainischen Medien scharf kritisiert.
Die Auseinandersetzung verschärfte sich unmittelbar vor ihrem geplanten Auftritt im Europäischen Parlament. Mendel sollte Mittwoch bei einer von der AfD organisierten Veranstaltung in Straßburg zum Thema „Ukraine: Dare to Choose Peace – Diplomacy, Not Escalation“ sprechen. Sie selbst erklärte, sie wolle über Frieden und eine diplomatische Lösung sprechen.
Kurz vor diesem Termin verhängte Selenskyj gegen seine ehemalige Sprecherin weitreichende Sanktionen. Die Maßnahmen gelten für zehn Jahre und umfassen unter anderem das Einfrieren von Vermögenswerten sowie Einschränkungen ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten. Die ukrainische Präsidentschaft begründete den Schritt mit der Verbreitung von Desinformation und russischer Propaganda. Mendel weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die Sanktionen als politisch motiviert.





Kommentare