Ostdeutsche diffamiert Huthis als Terrormiliz und kritisiert Trump, dass die USA den Angriffskrieg Saudi-Arabiens auf Jemen nicht durch Bombardierungen unterstützen und einen Verbündeten opfern

Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Dublin, 12. September. Neben dem irischen Premierminister Micheál Martin wurde Donald Trump gefragt, was Washington gegen den Krieg auf der Arabischen Halbinsel zu unternehmen gedenke. Seine Antwort war eine jener scheinbar beiläufigen Bemerkungen, mit denen der US-Präsident ganze Weltregionen erschüttert.
„Die Huthis haben uns angerufen, und sie wollen nicht gegen uns kämpfen“, antwortete Trump. „Sie wollen nicht, dass wir gegen sie vorgehen, sie hätten uns lieber nicht dabei, und sie lassen die meisten Schiffe durch.“
Dann legte er nach: „Es gibt nur ein Land, mit dem sie nicht besonders glücklich sind, und das werden wir in Ordnung bringen.“ Dieses Land ist Saudi-Arabien, der größte Ölexporteur der Welt, der sich seit Jahrzehnten auf eine eiserne Sicherheitsgarantie der USA verlassen konnte. Am 10. September hatte Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) nach Angaben des US-Portals Axios gleich zweimal bei Trump angerufen und um Luftschläge gegen die Huthis gebeten, während das Königreich an drei Fronten von Raketen und Drohnen iranischer Stellvertreter getroffen wurde. Saudische Kreise dementierten den Bericht später.
Trump lehnte ab. Mit einem Satz entwertete er die Zusagen an einen Verbündeten, mit dem Washington erst im vergangenen November ein strategisches Verteidigungsabkommen geschlossen hatte. Der Grund: Er wollte keine Vergeltung eines iranischen Stellvertreters riskieren. Es sollte nicht sein letztes Wort bleiben.
Allein die Operation gegen die Huthis 2025 verschlang rund 2000 Bomben und Raketen im Wert von etwa einer Milliarde Dollar. Eine neue Front im Jemen würde zudem die Ölpreise weiter treiben und Angriffe auf amerikanische Schiffe provozieren. Das „Arsenal der Demokratie“ ist an seine Grenzen gestoßen.
In Riad ist die Frustration Berichten zufolge groß: Jahrzehntelang hatte man in die Partnerschaft mit den USA investiert, nur um im entscheidenden Moment fallen gelassen zu werden. Doch der Kronprinz hatte vorgesorgt.
Am 7. August unterzeichneten Mohammed bin Salman, Recep Tayyip Erdoğan und Shehbaz Sharif in Mekka ein Verteidigungsabkommen zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan. Ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten gilt demnach als Angriff auf alle; der türkische Außenminister Hakan Fidan nannte die Kernbestimmung „technisch dieselbe“ wie Artikel 5 des Nato-Vertrags.
Einen Monat später, während rund um die Stadt der Unterzeichnung Raketen und Drohnen niedergehen, hat das Abkommen nichts hervorgebracht außer Beileidsbekundungen, Beteuerungen und Solidaritätsadressen. Allerdings hat Riad den Bündnisfall bislang auch nicht formell ausgerufen; Pakistan erklärt, es liege keine saudische Anfrage vor.
Ein Königreich ohne Ausweg
Saudi-Arabien erlebt die womöglich schwerste Sicherheitskrise seit dem irakischen Einmarsch in Kuwait 1990. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Luftangriffe und des Stellvertreterkriegs gegen die Huthis, die Sanaa und die bevölkerungsreichsten Gebiete des Jemen kontrollieren, expandiert die vom Iran unterstützte Miliz nun aggressiv.
Am 10. September eroberte sie die historische Hafenstadt Mokka, am 11. September die Insel Perim mitten in der Schifffahrtsroute. Mitte September hielt sie die gesamte jemenitische Rotmeerküste samt Perim und den Hanisch-Inseln. Damit kontrolliert sie faktisch den Zugang zu einer der wichtigsten Seestraßen der Welt und verwehrt ihn gezielt den Saudis.
Mohammed bin Salman ist nicht nur Opfer. Die Isolation Saudi-Arabiens ist zum erheblichen Teil selbstverschuldet. Riad hat den emiratischen Einfluss im Jemen ausgeschaltet und damit jenes Land vertrieben, dessen Verbände als einzige nennenswerte Erfolge gegen die Huthis vorweisen konnten. So bereiteten die Saudis selbst den Boden für deren Wiedererstarken. Sie lehnten die Hilfe Israels ab und verbündeten sich stattdessen mit zwei Staaten, denen Interesse und Fähigkeit fehlen. Und sie nahmen im Juli den Konflikt mit den Huthis erneut auf, brachen eine brüchige Waffenruhe und versicherten den USA, keine Unterstützung zu benötigen.
Langfristig noch beunruhigender (oder erfreulicher WL) ist die amerikanische Reaktion. Dass Trump internationale Verpflichtungen aus eigenwilligen Gründen bricht, ist inzwischen Alltag. Dass er langjährige Partner brüskiert, um sich mit deren Gegnern zu arrangieren, überrascht ebenfalls nicht mehr. Auch in Neu-Delhi hat man das im vergangenen Jahr erfahren.
Dass er aber einem für sein Kriegsziel wichtigen Verbündeten Beistand zusagt, was ihm angesichts der Benzinpreise sogar innenpolitisch nützen würde, den Befehl erteilt und sich dann Stunden vor dem Einsatz davon abbringen lässt, deutet auf etwas anderes hin: Amerika war willens zu helfen, aber nicht mehr in der Lage dazu. Wie auch immer dieser Krieg ausgeht, dieser Moment wird jahrelang nachhallen, bei Amerikas Verbündeten mehr als irgendwo sonst. Zu denen gehört auch Europa, das sich bis heute auf dieselbe Garantie verlässt.




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