Meeresspiegelanstieg, Stürme: Klimawandel raubt südpazifischen Inselbewohnern die Lebensgrundlagen

Der von den Industrieländern verursachte Klimawandel trifft die Menschen im Südpazifik hart, auch wenn sie selbst kaum dazu beitragen. Sie verlieren Siedlungsgebiete, Anbauflächen, Dürren werden normal. Sie hoffen auf ein Gutachten des Internationalen Strafgerichtshofs und die Klimakonferenz in Glasgow: "Alle Länder müssen endlich ihren Verpflichtungen zur Verringerung von CO2-Emissionen nachkommen» sagt Simona Marinescu, die Uno-Vertreterin für Samoa, die Cook-Inseln, Niue und Tokelau. Die UN-Klimakonferenz 2020 ist die 26. Klimakonferenz. Sie sollte im November 2020 in Glasgow (Schottland) stattfinden. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde sie jedoch verschoben und findet nun vom 31. Oktober bis 12. November 2021 statt.


Yasawa ist eine von rund 300 Inseln, die zu Fidschi gehören. Für sie sei der Klimawandel mit steigendem Meeresspiegel schon heute harte Realität, sagt Aiyez Sayed-Khaiyum, der für den Klimawandel zuständige Minister des Inselstaates. «Wir haben bereits sechs Dörfer höher und weiter in das Landesinnere hinein verlegen müssen. Weitere 40 werden folgen. Fast 70 Prozent unserer Bevölkerung wohnen weniger als fünf Kilometer vom Meeresstrand entfernt. Und die grosse Mehrheit der Menschen lebt direkt oder indirekt vom Ozean.»

Der steigende Meeresspiegel hat bereits viele Küstengebiete erodiert. Vielerorts liegen die Flussmündungen so tief, dass das Wasser nicht mehr frei ins Meer fliessen kann. Nach tropischen Regengüssen führt der Rückstau auch im hügeligen Inneren der Inseln zu Überschwemmungen. Die früher begrenzte Sturmsaison hat sich auf fast das ganze Jahr ausgedehnt.

Tausende Menschen werden umgesiedelt

Noch stärker als Fidschi sind jene Länder bedroht, die aus Atollen bestehen und nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen, wie die Marshallinseln, Kiribati und Tuvalu. In Tuvalu, auf halbem Wege zwischen Hawaii und Australien, hätten viele der insgesamt 11 000 Einwohner der langen, schmalen Inselkette bereits aus ihren Dörfern in andere, meist überfüllte Orte umgesiedelt werden müssen, berichtet die Uno.

Mit dem steigenden Meeresspiegel schrumpfen Palmenhaine und die Anbauflächen der Bauern. Das tief in die porösen Böden der Inseln sickernde Salzwasser hat bereits weite Teile der Inseln unfruchtbar gemacht und die Grundwasserbrunnen versalzt. Tuvalu ist nun auf Regenwasser angewiesen.

Doch mit dem Klimawandel sind früher seltene Dürreperioden normal geworden. Darauf folgen heftige Wirbelstürme. Wegen der wärmeren Wassertemperaturen sterben schützende Korallenriffe ab. Mit ihnen verändert sich das ganze Ökosystem des Meers. Viele Fischarten, auf die die Menschen in Tuvalu angewiesen sind, verschwinden.


«Der Klimawandel hat alle südpazifischen Inselstaaten bereits schwer geschädigt», sagt der Botschafter des Inselstaates Vanuatu in Australien, Samson Vilvil Fare. Dabei gehörten die Inselstaaten selbst zu den kleinsten Verursachern der Klimakrise. Daher will Vanuatu den Internationalen Gerichtshof ersuchen, ein Gutachten über die Rechte heutiger und künftiger Generationen auf Schutz vor dem Klimawandel auszustellen. Gutachten des Internationalen Gerichtshofes seien zwar nicht bindend, könnten aber in Klimaprozessen rund um die Welt herangezogen werden, sagt der Botschafter.

Gleichzeitig gehen viele Inselstaaten mit gutem Beispiel voran. Auch sie selbst beschränken ihre Emissionen beim Transport, in der Landwirtschaft und bei der Müllbeseitigung. Viele Inselstaaten hätten auch den Einsatz von Plastik verboten, sagt Simona Marinescu, die Uno-Vertreterin für Samoa, die Cook-Inseln, Niue und Tokelau.

Doch dies reiche nicht. «Wir müssen in Glasgow einen Mindestpreis für CO2-Emissionen festlegen und alle Länder an Technologien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels teilhaben lassen. Und alle Länder müssen endlich ihren Verpflichtungen zur Verringerung von CO2-Emissionen nachkommen», sagt Marinescu.

https://www.nzz.ch/international/klimawandel-der-suedpazifik-hofft-auf-cop26-ld.1648706



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